Paderborn. Zentimeter für Zentimeter schiebt sich „Jesus Christus – Unser Friede“, die neue 13,5 Tonnen schwere Bass-Glocke für den Paderborner Dom, in den Domturm hinein. Nach mehr als fünfzehn Minuten „Schlittenfahrt“ ist sie im Innern angekommen, angekommen im Domturm, am Ort ihrer Bestimmung. In diesem Augenblick hat wochenlanges Bangen und Zittern, ob denn alles reibungslos funktionieren wird, ein Ende. „Wir sind sehr dankbar, dass das Hochziehen der Glocken ohne Probleme vonstattengegangen und nichts passiert ist“, freut sich Dompropst Monsignore Joachim Göbel. „Nun sind wir einen großen und wichtigen Schritt weiter in Richtung dem Ende der Glockenstille in Paderborn gegangen.“

Es scheint fast so als hätte sich halb Paderborn an diesem Dienstagnachmittag frei genommen, um das Hochziehen der neuen Domglocken aus nächster Nähe mit zu verfolgen. Die Straßen um den Hohen Dom waren gesäumt von Menschenmassen, die darauf warteten, dass sich der 500-Tonnen Schwerlast-Kran in Bewegung setzt. Gegen Viertel nach zwei war es dann soweit und die kleine Glocke „Maria – Trösterin der Betrübten“ wurde an dem Seil des Krans befestigt und vorsichtig in die Höhe gehoben.

Die große Bass-Glocke „Jesus Christus – Unser Friede“ landet sicher in 35 Metern Höhe, um dann Zentimeter für Zentimeter in den Domturm gezogen zu werden. Foto: Thomas Throenle

Mit Bedacht manövriert Kranfahrer Karl-Josef Hengsbach seine beeindruckende Fracht über die anliegenden Häuser hinweg hoch zum Domturm, vorbei an dem kleinen Giebel des Turms, um sie an der Westseite der Bischofskirche wieder hinab zu lassen. Dort ist in 35 Metern Höhe das sogenannte „Glockenfenster“ auf drei mal drei Meter aufgemauert worden, durch das die Glocken auf einem eigens installierten „Schlitten“ Stück für Stück ins Innere gezogen werden. Dabei ist besonderes Fingerspitzengefühl und Vertrauen seitens des Kranführers notwendig, denn er hat nur selten unmittelbaren Sichtkontakt zu seiner Fracht. Damit aber alles wohlbehalten in den Domturm gelangt, hat er ständigen Kontakt zu einem seiner Kollegen im Turm, dem sogenannten Anweiser. Er gibt ihm detailgenaue Informationen, wie er die Glocken und alle weiteren Bausteine zu steuern hat. Und dies ist vor allem bei der großen 13,5 Tonnen schweren Glocke immens wichtig gewesen, denn er hatte nur jeweils etwas mehr als zwei Zentimeter Spielraum an den Seiten des Podests, um die Glocke passgenau abzusetzen. Doch um 15:14 Uhr ist es vollbracht, „Jesus Christus – Unser Friede“ landet sicher an seinem neuen Bestimmungsort.

Zahlreiche Besucher haben sich um den Hohen Dom herum versammelt, um das einmalige Spektakel live miterleben zu können. Foto: Thomas Throenle

In den kommenden Wochen werden nun die einzelnen Bauteile, die sich im Domturm befinden an die für sie richtige Stelle platziert und montiert. Ab Anfang Juli ist dann mit den ersten Intonierungsmaßnahmen der neuen Glocken sowie des gesamten Geläutes zu rechnen. Am 21. Juli, beim ersten Glockenläuten, können sich dann alle von dem neuen Klang des Domturmes überzeugen, denn dann ist die Zeit ohne Domglocken für Paderborn endgültig vorbei.