Paderborn. Zusammengerechnet verbrachten sie gemeinsam mehr als zwölf Jahre in den Regenwäldern dieser Welt: Sandra Hanke und Dieter Schonlau aus Paderborn erzählen Geschichten von wahrhaftiger Schönheit, spannenden Begegnungen und fernen Kulturen. Gleichzeitig geben sie indigenen Völkern eine Stimme und machen auf die Zerstörung der Wälder aufmerksam. Sie setzen sich intensiv für deren Schutz und den der Tiere ein. Für die Serie „Zuhause bei…” hat die Paderborn am Sonntag das Paar in seiner Paderborner Wohnung besucht. Das Fazit: Der Dschungel ist gar nicht mal so fern…Eine rote Wand, wie sie roter nicht sein könnte, ein grünes Sofa, ein Schrank im Kolonialstil, Fotografien und Reliquien aus dem Regenwald zieren neben zahlreichen Büchern das Wohnzimmer von Sandra Hanke und Dieter Schonlau. Die Begrüßung ist herzlich, das Sofa bequem und das Gespräch beginnt, als treffe man alte Bekannte wieder. Wenn das Paar von seinen unzähligen Reisen in die Urwälder dieser Welt erzählt, verstummen die Gedanken für einen Augenblick und der Regenwald scheint zum Greifen nah. Das liegt nicht nur an den großformatigen Makrofotos seltener Insekten, die der Fotograf Schonlau an die Wände hing, sondern an den Berichten, die das Ehepaar aus rund 30 Jahren Regenwald-Erfahrung zu erzählen hat. Begonnen hat ihr Abenteuer „ganz klassisch” in einer Paderborner Discothek.

Sandra Hanke und Dieter Schonlau waren schon monatelang mit Ureinwohnern im Regenwald unterwegs. Von ihnen lernten sie, hinter den grünen Vorhang des Waldes zu blicken. Dank ihrer Sehschulung konnten sie Zweige mit Beinchen und wandelnde Blätter entdecken. Sie lernten, wie es riecht, wenn Brüllaffen in der Nähe sind oder mit welchen Rufen man die Aufmerksamkeit von Spinnenaffen auf sich zieht. In ihrer Paderborner Wohnung hingegen führen sie ein ganz normales Leben. Foto: Tobias Vorwerk

Beide sind bereits im Jugendalter fasziniert und beeindruckt von der Vielfalt, der Schönheit und den Mysterien der Regenwälder. Nachdem sie sich in der ehemaligen Discothek „Playa” kennenlernten, fassten sie den Entschluss, irgendwann gemeinsam in den Dschungel zu reisen. Mit 8.000 DM Startkapital brachen sie damals auf. Seitdem sind knapp 30 Jahre und unzählige Reisen vergangen. Erst vor einigen Wochen kehrten sie aus Malaysia zurück, wo sie das indigene Volk der „Orang Asli” begleiten durften: „Das ist ein riesen Geschenk, mit Ureinwohnern den Dschungel zu erkunden. Die haben ein unglaubliches Wissen über die Natur”, sagt Schonlau. „Von ihnen haben wir viel über das Leben in der Natur gelernt.” Gemeinsam mit Ehefrau Sandra wolle er die nächsten zwei bis drei Jahre damit verbringen, mit unterschiedlichen indigenen Völkern durch den Regenwald zu reisen. „Wir wollen die einfach zu Wort kommen lassen, damit sie auf die Vernichtung ihres Lebensraumes, der Regenwälder, aufmerksam machen können”, erklären sie. Schon während vieler vergangener Reisen hat das Paar mit Ureinwohnern zusammengelebt, wodurch sich viele Kontakte gefestigt haben und auch sprachliche Hürden überwunden werden konnten. „Haben Sie denn keine Angst”, werden sie immer wieder gefragt. Die Antwort: „Nein, wovor denn?” Aufgrund vieler ähnlicher Fragen, haben sie schon vor Jahren eine „FAQ-Regenwald” auf ihrer Website www.wildlifephoto.de eingerichtet, unter der die am häufigsten gestellten Fragen beantwortet werden.

Lebensaufgabe Regenwald

„Wir haben es uns zur Lebensaufgabe gemacht, etwas für die Regenwälder zu tun”, sagt Schonlau, während er durch das Buch „Regenwälder” blättert, das er zusammen mit Hanke vor einigen Jahren herausbrachte. Das nächste ist bereits in Planung. Die Zeit, die die beiden nicht im Dschungel verbringen, reisen sie durch Deutschland und halten Live-Vorträge über ihre Erfahrungen. Gleichzeitig machen sie dabei auf die Zerstörung der Regenwälder aufmerksam. „Wir wollen schöne Bilder zeigen und deutlich machen – ein Bewusstsein dafür schaffen – dass es sich lohnt, diese vielfältigen Wälder zu erhalten und zu schützen”, so Schonlau. Das wirke deutlich besser, als nur Bilder gerodeter Flächen, verbrannte Tiere oder vertriebene Ureinwohner zu zeigen. „Wenn der Regenwald nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit von der Fußball-WM bekommen würde, ginge es den Wäldern echt gut”, sind sich beide einig. Der Klimawandel betreffe schließlich jeden. Ihre Vorträge entführen die Zuschauer in den Regenwald und wirken über große Leinwände, eindrucksvolle Soundkulissen und spannenden Erzählungen. Wenn Schonlau erzählt, wie ihm eine Orang Utan Mutter ihr Neugeborenes auf den Schoß setzt, oder sich der Nebel über 90 Meter hohen Bäumen verzieht und atemberaubende Lichtspiele freilegt, fließen schnell die Tränen.

Wer denkt, Dieter Schonlau und Sandra Hanke und könnten kein „normales” Leben führen, der irrt: Als gelernter Konditor arbeitet Schonlau in der „Regenwaldfreien-Zeit” als selbstständiger Marzipankünstler, um die Reisen finanzieren zu können und hat dabei alle Hände voll zu tun. Ebenso Hanke, die als Restaurantfachfrau und Schmuckdesignerin tätig ist. In Paderborn herrsche „ganz normaler” Alltag, an dem gearbeitet wird. Gerne treffen sich die beiden mit Freunden, verbringen Zeit in ihrem Garten oder radeln in die Stadt. „Besonders freuen wir uns auf Libori”, machen sie deutlich und merken an, dass die Paderborner sich die lockere Stimmung und den Geist des Festes ruhig mit in die folgende Jahreszeit nehmen könnten. „Uns fehlen hier ein paar Paradiesvögel in der Stadt”, schmunzelt Schonlau. Ansonsten fühlten sie sich sehr wohl in Paderborn und freuen sich nach jeder Reise, gesund in ihre Heimat zurückkehren zu können.