Letzte Aktion vor dem Abriss: Generation Arts lädt am kommenden Samstag, 5. Mai, zur Graffiti-Wand ins Paderquellgebiet ein.Paderborn. An vielen Orten gehören sie zum urbanen Stadtbild dazu und sind oft kunstvoll und aufwendig gestaltet: Graffitis sind aus zahlreichen Innenstädten nicht mehr wegzudenken. Sie zieren teils meterhohe Wände oder auch ganze Hausfassaden. In Paderborn gibt es für die Sprühkünstler seit ziemlich genau sechs Jahren die sogenannte „Hall of Fame“ im Paderquellgebiet, an der sie legal sprühen dürfen. Einer von ihnen ist Volker Heisener. Der 36-jährige Künstler, Street-Artist und Graffiti-Sprüher „malt“, wie er sagt, seit über 20 Jahren: „In der Zeit habe ich schon einige Wände gesehen, aber die im Paderquellgebiet ist schon etwas ganz Besonderes. Man ist in einer tollen Umgebung und mitten in der Stadt“, schwärmt er im Gespräch mit der Paderborn am Sonntag. „Paderborn hat sich gewandelt und hat Lust darauf“, sagt er. Doch die Tage der beliebten Graffiti-Wand sind gezählt. Im Laufe dieses Jahres soll auf dem angrenzenden Gelände der Schulen St. Michael die erste Grundschule in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn errichtet werden, welche zum Schuljahr 2019/2020 an den Start gehen soll. Die „Hall of Fame“ muss weichen und wird voraussichtlich im Herbst abgerissen, teilte Ronald Pfaff vom Erzbistum Paderborn auf Nachfrage mit.

Ein letztes Mal feiern an der „Hall of Fame“: Volker Heisener organisiert zusammen mit Generation Arts am Samstag, 5. Mai, die letzte Sprüh- und Musik-Veranstaltung an der Graffiti-Wand im Paderquellgebiet. Fotos: Tobias Vorwerk

Aus diesem Grund plant die Initiative „Generation Arts“, ein Zusammenschluss lokaler Kreativer, Sprüher und Musiker, ihre Wand ein letztes Mal in Szene zu setzen. Die „Final Round“, so der Titel der Facebook-Veranstaltung, startet am Samstag, 5. Mai, um 13 Uhr im Paderquellgebiet. „Wir wollen Tschüss sagen und diesen besonderen Ort voller Leben, Austausch und Inspiration noch einmal zu einem Treffpunkt aller Generationen machen“, schreiben die Verantwortlichen. „Für uns geht mit dem Abriss der Mauer eines der Aushängeschilder einer aktiven Jugendkultur in Paderborn verloren.“ In der Zeit zwischen 13 und 18 Uhr werden am Samstag mehrere Graffiti-Künstler die Wand ein letztes Mal neu gestalten. Wie auch bei den Veranstaltungen zuvor, wird die Aktion von Musikern begleitet sowie Essen und Getränke angeboten. „Im Anschluss wird bei der Abschlussparty im Slider dann getanzt und gefeiert“, sagt Volker Heisener.
Eine Alternative für die im Herbst wegfallende „Hall of Fame“ ist derzeit noch nicht in Sicht. „Egal was passiert, es wird keine Wand geben, die so toll ist, wie die im Paderquellgebiet“, ist Heisener überzeugt. „Wir befinden uns in Gesprächen mit der Stadt und haben nächsten Monat einen Termin in der Verwaltung“, verrät er. Auch das Erzbischöfliche Generalvikariat „will eine gute Lösung finden und wird das Gespräch mit den Beteiligten suchen“, so Ronald Pfaff.
Im Großen und Ganzen blickt Volker Heisener, der auch Mitglied im Raum für Kunst ist, positiv auf die kreative Zukunft Paderborns. Dazu müsse man den Kontakt zur Stadt weiterleben lassen und gucken, wo man etwas anbringen könne.

„Das wertet die Stadt auf“

Die bei vielen beliebte, bunte Graffiti-Wand im Paderquellgebiet wird im Herbst abgerissen.

„Wenn Farbe in der Stadt ist, dann gehen Menschen auch anders durch die Straßen“, weiß er. „Das wertet die Stadt auf und man sieht, dass dort kreatives Leben herrscht.“ Beispielsweise könne man, schlägt Heisener vor, ähnlich wie in Bielefeld ein Fassadenfestival organisieren, um Paderborn mehr Farbe zu geben. „So etwas fehlt hier“, sagt er und macht deutlich: „Wir machen alles ehrenamtlich und auch aus Liebe zur Stadt und zum Graffiti.“

Generation Arts wird sich auch in Zukunft weiter für ein kreatives Paderborn einsetzen. „Wir hoffen, dass wir einen guten Ersatz finden – wie wäre es zum Beispiel mit der Unterführung am Kasseler Tor?“ gibt Volker Heisener abschließend mit auf den Weg.