24-Stunden-Ausstellung im Sputnik Paderborn: Adda Schade und Manfred Webel bringen Licht ins Dunkel.

Paderborn. Zehn Minuten möglichst allein in einem dunklen Raum und nur eine kleine Taschenlampe zur Hand. Was sich für die einen anhört wie ein Albtraum, machen die Paderborner Künstler Adda Schade und Manfred Webel zum Konzept ihrer 24-Stunden-Ausstellung „Bring Licht ins Orbit!“ in der Kulturkneipe Sputnik, Imadstraße 7, am Mittwoch, 9. Mai. Los geht es um 9 Uhr – für exakt 24 Stunden.

Manfred Webel hat sich im Februar in das einzigartige Helgoländer Fels-Watt verliebt, mit seinen unendlich vielen dunkelbunten Farben, mit seiner urtümlichen Anziehungskraft und drei Wochen lang fieberhaft gemalt. Auf dem Rückweg hat er Prokofjews 1. Violinkonzert im Radio gehört. Adda Schade hat dazu eine eigene Komposition entwickelt. Gemeinsam haben sie aus den Klängen und Bildern einen einzigartigen Raum geschaffen.

An einen Albtraum wird die Ausstellung, in der neun Bilder und eine Skulptur des Künstlers Manfred Webel zu sehen sein werden, nicht erinnern. Vielmehr bekommen die Besucher die Möglichkeit, in tiefe Sphären einzutauchen und eine andere Art Ausstellung zu erleben. „Das Entscheidende sind nicht die Objekte, die Bilder oder die Musik“, erklärt Webel. „Wichtig ist, dass man sich auf das Konzept einlässt, dann passiert auch etwas.“ Zum Konzept gehört ebenfalls ein kurzes Vor- und Nachgespräch mit den anwesenden Künstlern, bevor es in den „Orbit“, einen Raum hinter dem Sputnik, geht. Der Orbit ist verdunkelt und verkleidet: „Man könnte sagen, es ist wie das Innere eines Kissens“, sagt Webel. Besucher werden aufgefordert, eine Lichtquelle und ein Geräusch mitzubringen. Der Eintritt beträgt 1 Euro pro Person, dafür erhält jeder Gast einen sogenannten „Orbiter“ – was genau das ist, lassen die Künstler noch offen. „Es geht um’s Machen!“ sagt Adda Schade deutlich. Er habe die gewöhnlichen Ausstellungen satt, in denen Kunstwerke in sterilen Räumen hängen. Der Musiker stiftet, neben den Räumlichkeiten, die Musik für die 24-Stunden-Ausstellung. Er hat die Symphonie #1 von Sergei Sergejewitsch Prokofjew experimentell abgewandelt.

„Bring Licht ins Orbit!“ fordern Adda Schade (links) und Manfred Webel. Die Paderborner Künstler veranstalten von Mittwoch, 9. Mai, 9 Uhr bis Donnerstag, 10. Mai, 9 Uhr eine 24-Stunden-Ausstellung in der Kulturkneipe Sputnik. Foto: Tobias Vorwerk

Wenn Adda Schade und Manfred Webel beginnen, über Kunst, deren Wirkungen und die Szene in Paderborn zu sprechen, wird deutlich, was die beiden Künstler antreibt, beschäftigt und verbindet. Schnell schweifen sie ab in eine philosophische Rezeption der Bilder, der Musik und des Menschen. „Es geht um die Begegnung mit den Besuchern“, sind sich beide einig. „Wir wollen, dass ein Dialog entsteht“, sagt Webel. „Es ist der Versuch, die Gäste zu unterstützen, in einen Prozess einzusteigen.“ Adda Schade: „Es ist dunkel und du bist zehn Minuten in einem Raum. Außerdem hast du wenig Zeit und möchtest dabei möglichst viel erkunden – das kann eine intensive Ausstellungs-Erfahrung werden.“ Eventuell sei die Musik für den ein oder anderen anstrengend: „Das ist schon Subkultur“, sagt Musiker Schade mit Blick auf seine Kreation. Beide Künstler befinden sich in einem stetigen Schaffensprozess, kennen sich bereits seit dem Jugendalter und haben in der Vergangenheit schon viele Projekte zusammen realisiert. Jetzt sei die Zeit für ein weiteres Projekt lange überfällig gewesen, sagt Manfred Webel, der seit 15 Jahren erstmals wieder in Paderborn ausstellt. „Das wird nicht die letzte Ausstellung im Orbit sein“, verrät Schade abschließend.

Größere Gruppen werden gebeten, sich unter info@sputnik-pb.de oder per Telefon unter 0170-9351830 im Voraus anzumelden. Weitere Informationen unter www.sputnik-pb.de