Zuhause im Hafenviertel entwickelt Max Rohland seine Konzepte – Der Schauspieler sieht in Paderborn viel „fruchtbaren Boden“

Die selbstgebaute Sprecherkabine hinter der Tür zum Schlafzimmer bietet Max Rohland die ideale Atmosphäre, um Gedichte, Texte und Geschichten zu vertonen. Mit einer angenehmen Sprechstimme ist der Schauspieler außerdem vielfältig einsetzbar für Hörbuchvertonungen oder Figurenstimmen für Videospiele und Animationsfilme.

Paderborn. Kurz nach dem zweiten Klingeln öffnet ein im Bademantel bekleideter Schauspieler mit schulterlangen Haaren die Tür. Es ist 9.30 Uhr und Max Rohland ist gerade aufgestanden. In der von hunderten Büchern und Bildern gesäumten Wohnung im Paderborner Hafenviertel liegt der frische Duft von Kaffee und Tabak in der Luft. Das morgendliche Ritual ist bereits im Gange. „Ich gebe mir Mühe, jeden Tag um 8.30 Uhr aufzustehen, manchmal klappt das, ab und zu wird es später, je nachdem an welchem Projekt ich arbeite“, erklärt Max Rohland mit einem schläfrigen Schmunzeln, während er einen Espressokocher auf der Herdplatte platziert. Der Künstler schreibt auf seiner Webseite, seine Sehnsucht nach Freiheit wachse ständig weiter und es gebe so viel, was er noch machen möchte. Der Kreative ist in vielen Bereichen aktiv: Neben der Schauspielerei ist er vor allem Sprecher, aber auch Regisseur, Fotomodell, Autor, Übersetzer, Performance Künstler und Theaterpädagoge. „Mich hat schon immer das ganze Feld interessiert. Mein Leben ist eine einzige Abschweifung“, lacht Rohland, der 1983 in Würzburg geboren ist, lauthals. Sein Facettenreichtum spiegelt sich auch in seiner Wohnung wider. „Ich passe meine Zimmer ständig an und strukturiere sie um, damit sie auf aktuelle Projekte passen und meiner Arbeit entgegenkommen.“ Die meiste Zeit verbringt er am Schreibtisch.

Der Kreis hat sich geschlossen

Auf einem weiteren Schreibtisch stapeln sich mindestens 30 Bücher, die der Sprecher zur Durchsicht bereitgelegt hat. „Ich konnte lesen, bevor ich sprechen konnte“, scherzt Rohland, der laut eigenen Aussagen „wahrscheinlich mehr als 1.000 Bücher“ gelesen hat. In einer selbstgebauten Sprecherkabine hinter der Eingangstür vertont er Texte und Geschichten in seiner prägnanten, tiefen Stimme, die den Hörer an der richtigen Stelle abholt und fesselt. Neben der großen Fülle an unterschiedlichsten, künstlerischen Arbeiten verbringt der Schauspieler die Zeit zuhause gerne mit Kochen, Lesen oder damit, in der Sonne zu sitzen.
Max Rohland zündet sich eine weitere Zigarette an, als er beginnt, über seinen Werdegang zu sprechen. Aufgewachsen in Erding bei München studierte der vielseitige Künstler zunächst Theaterwissenschaften und Philosophie, bevor er 2006 an die Schauspielschule in Mainz wechselte, um das Handwerk „in vielen Facetten erlernen und begreifen zu können“, beschreibt Rohland, während der Rauch sein Gesicht wie ein Schleier einhüllt und von der durchs halboffene Fenster einfallenden Sonne beleuchtet wird. Die nächste Station brachte ihn 2010 an das bis dato kleinste Stadttheater Deutschlands in Aalen. Dort spielte er „Das Wilde Kind“ von T.C. Boyle unter der Leitung von Katharina Kreuzhage, in seiner ersten Festanstellung. Der Kreis schließt sich sieben Jahre später in Paderborn, wo Max Rohland derzeit wieder als wildes Kind im gleichnamigen Stück auf der Bühne steht und durch eine starke Präsenz glänzt. Katharina Kreuzhage, jetzige Intendantin des Paderborner Theaters, nahm bei ihrem Wechsel von Aalen im Jahr 2013 neben Rohland auch andere Schauspieler mit in die Paderstadt. Nach rund vier Jahren zieht er Bilanz über das Besondere an Paderborn: „Die Größe der Stadt gefällt mir gut, ich bewege mich gerne in „kleinen Großstädten“, auch die Größe des Theaters ist sehr angenehm und persönlich – hier kennt man noch jeden.“ Da die Festanstellung des Schauspielers am Theater Paderborn mit dieser Spielzeit endete, steht der Künstler vor neuen Aufgaben, die seine Sehnsucht nach Freiheit und neuen Formaten befriedigen sollen. „Paderborn ist fruchtbarer Boden“, erkennt der 33-jährige, der in der Domstadt eine „kleine, aber sehr vielfältige Kulturszene“ vorfand, die sich immer besser organisiere.

Sieht sich selbst in einer ständigen Entwicklung: Schauspieler, Sprecher, Autor und Künstler Max Rohland hat viele Pläne für den Ausbau der Paderborner Kulturlandschaft. Fotos: Tobias Vorwerk

Paderborn hat Potenzial

Dort möchte er anknüpfen und neben flexiblen Soloprogrammen, „kleine, schlanke Theaterstücke und Lesungen“ inszenieren, die nur durch eine „handvoll Leute“ getragen werden sollen. „Paderborn hat zudem viele idyllische Ecken und ruhige Stellen“, findet er.
Im Sommer trifft man Max Rohland fast täglich in dem von ihm als „Freilichtbüro“ bezeichneten Café Röhren in der Mühlenstraße, wo er an laufenden Projekten arbeitet und auch Kundentermine wahrnimmt. Sein letztes Projekt veröffentlichte er pünktlich zum
Valentinstag, indem er Postkarten – versehen mit einem vertonten, individualisierten Liebesgedicht und einem Foto von sich als Amor verkleidet – zum Verkauf anbot. Diese können online neben vielen anderen interessanten Informationen auf seiner Internetseite
www.maxrohland.de gefunden werden.

Das morgendliche Ritual endet so, wie es begann: mit einem frischen Kaffee und Tabak. Die Tür fällt in das Schloss und Max betritt die Sprecherkabine – sein Arbeitstag kann jetzt beginnen.