Der Kabarettist Michael Greifenberg besitzt viele Talente – Sein Esszimmer ist eine große Bühne

„Stani“ führt seine Erfindung im „Esszimmer“ vor: Der Küchentisch verwandelt sich mit nur wenigen Handgriffen in die Form einer Windrose. Fotos: Rowena Hinzmann

Scharmede. Wo andere ein Wohnzimmer haben, hat er ein ganzes Theater. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Besuch in den vier Wänden des Paderborner Kabarettisten „Stani“ wird sofort klar, welch große Rolle die Bühne in seinem Leben spielt. Der größte Raum seiner knapp 140 Quadratmeter großen Wohnung im Dachgeschoss eines Zwei-Parteien-Hauses in Scharmede ist bereits vielen Paderbornern als das „Theater im Esszimmer“ (TiEz) bekannt. Bis zu 50 Personen finden hier Platz, am Kopf des Raumes steht die circa zehn Quadratmeter große Bühne, die wahrscheinlich noch von Stanis letztem „Schützenfrühstück“ mit einer Bierzeltgarnitur dekoriert ist. Direkt daneben ein kleiner Tisch mit Spiegel, die während der Veranstaltungen dem Zweck der Bühnengarderobe dienen, hinten rechts in der Ecke des Theaterraumes steht neben den 50 hochgestapelten Stühlen noch ein Klavier – für die musikalischen Kabarettisten, die neben Stani bei den monatlichen Veranstaltungen im TiEz auftreten. Hinter der Schiebewand am anderen Ende des „Esszimmers“ befindet sich die Schiebewand, hinter der sich Stanis eigenes kleines Wohnzimmer verbirgt. Ein großer Barockspiegel, ein großer Esstisch, vier Stühle, daneben ein Sessel sowie ein kleiner TV-Bildschirm und ein Gästebett. Spartanisch, schnörkellos und doch ganz eigen – so lässt sich der Einrichtungsstil beschreiben. Nichtsdestotrotz ist in jedem Raum etwas besonderes zu entdecken. Angefangen von der Theaterbühne im Esszimmer, ziert ein fünfeckiger Tisch die Küche und in seinem Wohn- und Esszimmer sticht das Bett sofort ins Auge. Kein Wunder, sind diese Blickfänge doch alle selbst vom gelernten Maschinenbauer konstruiert und entwickelt worden. „Erfinden bedeutet, ein Problem zu sehen und nach einer konstruktiven Lösung zu suchen“, sagt „Stani“, dessen richtiger Name Michael Greifenberg lautet. Dementsprechend ist auch sein Bett ein clever durchdachtes Klappbett, das sich binnen weniger Sekunden zu einem Gestell in der ungefähren Größe eines DIN A3 Blattes zusammenfalten lässt. Auch der Küchentisch hat es in sich: Mit nur wenigen Handgriff verwandelt sich dieser von einem praktischen Fünfeck in die Form einer Windrose – wie es der Erfinder selbst vorführt.

Auf den Grill kommt bei Michael Greifenberg gerne mal ein Stück Fleisch. Den Kartoffelsalat dazu macht der Hobbykoch selbst.

„Koche aus dem Bauch heraus“

Viel Zeit verbringt der gebürtige Münsteraner in der Küche. Er kocht liebend gern, am liebsten Eintopf bzw. Linsen- oder Bohnensuppe. Doch wer glaubt, der 63-Jährige richte sich nach auserwählten Lieblingsrezepten, der irrt: „Ich koche aus dem Bauch heraus oder danach, was der Kühlschrank so hergibt. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, was für wunderbare Kreationen zufällig daraus entstehen“, schüttelt den Kopf und lacht. An den warmen Tagen wirft „Stani“ auch gerne mal seinen Grill an und lässt es sich bei leckerem Fleisch und selbstgemachtem Kartoffelsalat schmecken.

Weniger aus dem Bauch und stattdessen mehr aus dem Kopf heraus entstehen hingegen seine Kabarett-Nummern. Was man in der Wohnung daher vergeblich sucht, sind Kladden, Hefter oder Ordner mit all seinen Programmen, die er in den letzten 20 Jahren erarbeitet hat: „Ich denke lieber.“ Wenn überhaupt schreibe er sich zu einem Thema grobe Stichpunkte auf, die mit berücksichtigt werden sollten. Ansonsten ist bei ihm alles im Kopf fest verankert: „Das Gehirn ist wie eine große Festplatte, die eigentlich nichts löscht“, weshalb er all seine Best-Of-Nummern auch noch nach Jahren sofort abrufen könnte. Lustig wird es, als der Künstler von einem weiteren Hobby erzählt: Sudoku. Sein liebster Platz dafür ist die Toilette. Auf dem stillen Örtchen, verrät er mit einem schelmischen Lachen, „habe ich schon so manches Heft gelöst“.

Seit seinem ersten Solo-Programm im Jahr 1994 hat sich Michael Greifenberg als „Stani“ im Paderborner Land einen Namen gemacht. Viele der Themen seiner Stücke sind zeitnah, lustig und skurril, andere wiederum dienen „Stanis“ eigener Vergangenheitsaufarbeitung oder basieren auf dem tagtäglichen Irrsinn der Politik. „Alle Programme haben was mit meiner eigenen Haltung zu diesen Themen zu tun“, erklärt er sein Handwerk.

Doch das allerwichtigste ist, „sich das Kindliche zu bewahren und nicht jeden Schwachsinn zu dressieren“, verrät der leidenschaftliche Biergenießer der Biersorte Josefs. Wie viele Kilometer er noch wandern muss oder wie viele Bierflaschen bis zur Premiere seines neuesten Programms Mitte nächsten Jahres noch leer werden, ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass schon bald die Türen des „Theater im Esszimmer“ wieder geöffnet werden und es dann heißt: „Vorhang auf für Stani und Co.!“