Paderborn/Asten (NL). „Sieh auf das Werk unserer Hände und segne dieses flüssige Metall, das für den Guss der neuen kleinen Marienglocke unseres Domes bestimmt ist“, segnete Dompropst Monsignore Joachim Göbel am Freitag in niederländischen Asten den Guss der neuen kleinen Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn. Dabei besprengte der Dompropst die Glockenspeise und die Form mit Weihwasser.Der Glockenguss ist nunmehr der vierte Schritt für die neue kleine Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn. Mit rund 1.000 kg und einem Durchmesser von 1.107 mm wird die kleine Glocke deutlich im „Klangschatten“ der großen Bass-Glocke mit etwa 13,5 Tonnen sein. Der Schlagton ist gis’.

Die Glockenspeise wird aus dem Ofen umgefüllt und in den vorbereiteten Formkasten eingefüllt.
Foto: Ronald Pfaff

Eine große Gruppe interessierter Frauen und Männer aus Paderborn und auch aus anderen Regionen des Erzbistums war nach Asten gereist, um beim Guss der kleinen Glocke dabei zu sein. „Ein beeindruckender Moment in einer gleichwohl eindrucksvollen Atmosphäre der Fabrikhallen hier in Asten“, waren sich die Besucher einig, die live der alten Handwerkskunst folgen konnten. Aus nächster Nähe konnten die Besucher aus dem Erzbistum den Guss verfolgen und waren fasziniert.

In der Gussgrube der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts (Asten/NL) entstand zuvor die so genannte „falsche Glocke“, die aus Ziegeln gemauert wurde. Zudem wurden dort die Schriften und Verzierungen aufgetragen, die der Schriftkünstler Brody Neuenschwander (Brügge/Belgien) entworfen hatte. Das Verfahren des Guss ist ähnlich wie bei der großen Glocke, die allerdings in der Schiffsschraubenfabrik Zaltbommel gegossen wurde. Da es sich um eine deutlich kleinere Glocke handelt, reichen die Kapazitäten des vorhandenen Ofens in Asten aus.

Die Glockenspeise wird aus dem Ofen umgefüllt und in den vorbereiteten Formkasten eingefüllt.
Foto: Ronald Pfaff

Die Herstellung der bisherigen Form erfolgte in gleichen Reihenfolge wie bei der neuen großen Domglocke: 1. Herstellung des Kerns (= innere Form), 2. Herstellung der so genannten „falschen Glocke“, 3. Herstellung des Mantels (= äußere Form). Als Formaterial wurden Kalksteine für den Kern sowie für alle drei Formteile Sand verwendet, der durch Bindemittel gefestigt wurde.

Auch beim eigentlichen Guss gab es wieder Parallelen zwischen der „Kleinen“ und der „Großen“. Die Glockenform stand frei und ist nicht in einer Grube eingegraben. Der Formkasten war vorbereitet. Das Metall wurde durch einen Kanal an den unteren Rand der Form geleitet. Hier spricht man von einem „steigenden Guss“. Die Gusstemperatur war bei etwa 1.050 Grad Celsius.

„Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib, dass die neue Domglocke deinen Namen verherrliche inmitten deiner Gemeinde“, sprach Dompropst Göbel den Segensgruss weiter. Neben Joep van Brussel, stellvertretender Geschäftsführer der Glockengießerei Eijsbouts, gaben die beiden Glockenbeauftragten des Erzbistum Paderborn, Domkapitular Dechant Dr. Gerhard Best aus Lippetal und Diplom-Theologe Theo Halekotte aus Werl, den Interessierten noch viele Detailauskünfte zum Glockenguss
Thematisch wird die kleine Domglocke eine Marienglocke sein. Insgesamt werden drei Marienbilder auf der Glocke zu sehen sein, die für die Stadt und das Erzbistum Paderborn von herausragender Bedeutung sind, nämlich:

– die Imad-Madonna – gestiftet von demselben Bischof, auf den das 2018 gefeierte 950jährige Weihejubiläum des Domes zurückgeht, ziert die zweite Flanke in 90 Grad gedreht.
– das Gnadenbild von Verne, zu dem die Stadt Paderborn seit 1763 wallfahrtet, ist auf der Flanke, 90 Grad gedreht, zu sehen.
– das Gnadenbild der Wallfahrtsbasilika in Werl – dem beliebten und bekannten Wallfahrtsort des Erzbistums Paderborn – ist auf der Flanke der Vorderseite.
– Auf der Rückseite ist eine Rosenblüte dargestellt.

Bürgermeister Michael Dreier, Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Dr. Gerhard Best (v.l.) bestaunen die Form der kleinen Marienglocke nach dem Guss.
Foto: Ronald Pfaff

Die Inschriften der kleinen Glocke:
Schulterinschrift: Maria – Trösterin der Betrübten – was er Euch sagt – das tut.
Inschrift am Wolm: Herr Jesus Christus – auf die Fürsprache deiner und unserer Mutter Maria – schenke den Familien Frieden – den Kranken Heilung – allen Geflüchteten eine neue Heimat – und vollende dereinst auch unsere irdische Pilgerschaft im Reich deines ewigen Friedens.
Über der Schärfe: Vier Weihekreuze – die Paderborner Kreuzbibel – in die vier Himmelsrichtungen.
Inschrift über der Schärfe: Gegossen von Eijsbouts am 9. Februar 2018 – läute ich zu Ehren der Gottesmutter Maria – deren Bildnis Bischof Imad unserem Dom schenkte – der sich unser Erzbistum in Werl als Trösterin der Betrübten anvertraut hat – und die von den Gläubigen der Stadt Paderborn seit 1763 in Verne verehrt wird.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here