„Das geht unter die Haut“

Paderborn. Ein „Bürgermeister zum Anfassen“ wolle er sein, hatte Michael Dreier vor drei Jahren angekündigt, als der heute 56-Jährige das Bürgermeisteramt in der Stadt Paderborn antrat. Zur Hälfte seiner Amtszeit zieht Dreier im Interview mit dieser Zeitung eine Bilanz, spricht über künftige Herausforderungen und verrät, welcher Gedanke bei ihm für eine „Gänsehaut“ sorgt.

Noch ist es eine Vision: Die Nachnutzung der Alanbrooke Kaserne mit einer Mischung aus Wohnen und Dienstleistungen gilt als Meilenstein für den Konversionsprozess in Paderborn. Bürgermeister Michael Dreier zeigt das Modell.

Herr Dreier, an diesem Wochenende startet Libori. Sind Sie schon in Stimmung?
Michael Dreier: Ich freue mich schon jetzt ganz besonders auf die Feierlichkeiten im Dom. Es ist eine große Ehre, zusammen mit meiner Frau Beate dabei sein zu dürfen. Wenn dann der Libori-Tusch erklingt, geht das schon unter die Haut. Ich werde Libori am Samstag zum vierten Mal als Paderborner Bürgermeister offiziell eröffnen. Es sind Momente, die man nicht vergisst, dann vor tausenden Menschen auf dem Rathausplatz zu stehen. Ein besonderes Ereignis sind in diesem Jahr zusätzlich die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Städtepartnerschaft mit Le Mans.

Vor drei Jahren haben Sie quasi zu Libori Ihr Amt als Bürgermeister angetreten. In der Fußballer-Sprache würde man sagen, es ist Halbzeit. Welche Bilanz Ihrer bisherigen Amtszeit ziehen Sie?
Dreier: Zwei Daten werde ich wohl niemals vergessen. Meine Wahl am 25. Mai 2014 und der erste Arbeitstag als Bürgermeister am 23. Juni 2014. Nie vergessen werde ich auch die erste Ratssitzung – da hatte ich wirklich Gänsehaut. Ich habe es bisher keinen Tag bereut, dieses Amt angetreten zu haben. Es ist eine unglaublich interessante Aufgabe, Bürgermeister eines prosperierenden Oberzentrums zu sein. Damit sind natürlich auch riesige Herausforderungen verbunden. Für mich ist es ein Traum. Und was besonders wichtig ist: Meine Familie steht dahinter. Denn ich bin eigentlich rund um die Uhr unterwegs. Meistens beginnt mein Arbeitstag um 8 Uhr im Büro und ich bin erst nach 22 Uhr zu Hause. An den Wochenenden ist das nicht anders. Deshalb versuche ich, wenigstens sonntagsabends zu Hause und bei der Familie zu sein.

In einem Interview mit unserer Zeitung haben Sie bereits kurz nach Ihrem Antritt angekündigt, bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 für eine weitere Amtszeit anzutreten. Ist es dabei geblieben?
Dreier: Eindeutig Ja! Wenn mich die Bürger möchten, bin ich dazu hochentschlossen und -motiviert. Natürlich muss auch die Gesundheit mitspielen. Mir ist es wichtig, ein Teamspieler zu sein. Und ich habe hier eine tolle Mannschaft, die hochmotiviert ist. Auch mit dem Stadtrat funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut und ich erfahre eine unglaubliche Unterstützung aus der Bevölkerung. Gerade die Teilnahme am Wettbewerb ’Digitale Stadt’ hat uns alle zusammengeschweißt. Das entstandene ’Wir-Gefühl’ in der gesamten Stadt ist eigentlich nicht zu toppen. Deshalb ist es wichtig, dran zu bleiben und die Projekte auch umzusetzen.  

Den wohl heftigsten Gegenwind Ihrer Amtszeit haben Sie nach dem Umschwenken von Alanbrooke zum Hoppenhof als künftigen Verwaltungssitz erhalten. Sie haben damals erklärt, sich daran messen zu lassen. Woher kam und kommt die Überzeugung für diesen Schritt?   
Dreier: Ich war der festen Überzeugung, dass die frühere Alanbrooke-Kaserne nicht der richtige Standort für die Verwaltung ist. Dazu stehe ich auch heute noch. Deshalb haben wir den Standort Hoppenhof ergebnisoffen prüfen lassen. Es gilt das Credo: Möglichst viel Verwaltung am Abdinghof und ein Bürgerzentrum in Blickweite zum Rathaus. Somit behalten wir die Verwaltung im Herzen der Stadt und es entsteht ein Dienstleistungszentrum am Hoppenhof, den wir mit ÖPNV gut anbinden werden. Diese Konstellation ist das Beste. Es war sicher ein gewaltiges Rad, das ich damals angepackt habe. Als Bürgermeister sehe ich es allerdings als meine Verpflichtung an, wenn ich von etwas nicht überzeugt bin, klare Kante zu zeigen. Der einfachste Weg wäre gewesen, den getroffenen Ratsbeschluss für Alanbrooke als Verwaltungsstandort umzusetzen. Mit dem Umdenken habe ich den Rat unserer Stadt  sicher herausgefordert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass etwa der Beschluss für den städtebaulichen Wettbewerb zur Entwicklung des Verwaltungsstandortes am Abdinghof jüngst im Stadtrat einstimmig getroffen wurde.

Statt der Verwaltung soll nun eine Mischung aus Wohnen und Dienstleistungen auf dem früheren Kasernen-Gelände entstehen. Sehen Sie die Stadt nun gut aufgestellt für Alanbrooke?
Dreier: Der neue Wohnpark mit Dienstleistungen stellt die optimale Nachnutzung dar. Und das ist auch wichtig für die weitere Entwicklung des angrenzenden Riemekeviertels. Das Wertgutachten und die Verhandlungen bleiben abzuwarten: Die BIMA erhofft sich einen möglichst hohen Kaufpreis, die Verwaltung einen angemessenen Preis, damit der Politik ein Ankauf vorgeschlagen werden kann, um insbesondere die Stadtentwicklung dort weiter selbst gestalten zu können.

Kritik gab es von Teilen der Politik daran, dass Sie nur 20 Prozent geförderten Wohnraum vorsehen für Alanbrooke. Wie stehen Sie dazu?

Dreier: Wir planen zunächst einmal mit einem Anteil von 20 Prozent an Sozialwohnungen. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass es noch mehr wird. Allerdings  entstehen  auch weitere neue Wohngebiete am Bruktererweg, am Dr. Rörig Damm und Springbach Höfe, wo öffentlich geförderte Wohnungen vorgehalten werden. Es ist aber auch wichtig, an die Stadtteile zu denken. Wenn wir die Identität dort stärken wollen, geht das nur über die Infrastruktur, um junge Familien anzusprechen, damit das gesellschaftliche Leben aufrecht gehalten wird.

Ein laufendes, großes Bauprojekt ist die Erneuerung der Königsplätze, die im Frühjahr 2018 fertiggestellt werden sollen. Was erwarten sie von dem neuen Erscheinungsbild und wie weit sind die Gespräche über eine Nutzung der heutigen Zentralstation für den Einzelhandel fortgeschritten?
Dreier: Bei den Königsplätzen liegen wir absolut im Kosten- und Zeitplan. Von dem neuen Erscheinungsbild erwarte ich entscheidene Impulse für eine positive Entwicklung des gesamten Quartiers. Es wäre sicherlich ein Gewinn für Paderborn, wenn es gelingen würde, einen oder mehrere attraktive Einzelhandeslfilialen in der heutigen Zentralstation anzusiedeln und diese zu verlegen. Die Gespräche werden zur Zeit geführt, was an dieser Stelle unter den gegebenen Voraussetzungen überhaupt machbar wäre. Insgesamt ist es ein Quantensprung, den wir gerade in der Innenstadt erleben: Der neue Dom- und Marktplatz, die Königsplätze, der Neue Platz und der Kamp werden zusammen ein tolles Bild liefern. Es trägt dazu bei, dass die Stadt weiter pulsiert und stärkt den Handel vor Ort.

Sie sprechen den Einzelhandel an: Es gab zuletzt intensive Diskussionen um die verkaufsoffenen Sonntage. Wieviele pro Jahr finden Sie vertretbar?

Dreier: Bisher hatten wir für die Innenstadt vier verkaufsoffene Sonntage genehmigt. Das hatte sich in der Vergangenheit bewährt. Wenn diese vier Sonntage rechtssicher für die Zukunft erhalten bleiben würden, wäre das aus meiner Sicht ausreichend.

Abschließend bleibt die Frage, was Sie sich für die kommenden Jahre als Paderborner Bürgermeister wünschen?
Dreier: Ich habe von Anfang an gesagt, ein ’Bürgermeister zum Anfassen’ sein zu wollen. Deshalb wünsche ich mir eine weiterhin so enge Zusammenarbeit mit allen Akteuren in der Stadt. Wichtige Themen der kommenden Jahre sind für mich die Integration der Flüchtlinge, die Konversion nach dem Abzug unserer britischen Freunde, die Entwicklung des Verwaltungsstandorts am Abdinghof, die Bildung – weil es eine Investition in die Zukunft ist – sowie unser Mobilitätskonzept mit Blick auf Car Sharing, E-Mobilität und eine stärkere Fahrrad-Nutzung. Wichtig ist mir, dass wir gemeinsam unsere liebens- und lebenswerte Stadt weiterentwickeln.



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