„Kneipensterben“ in Paderborn

Paderborn. „Sterben“ der Stadt Paderborn die Kneipen weg? Die Grünen sehen jedenfalls eine solche Tendenz und machen die Situation jetzt zur Sache der Politik.

Die Schließung des „Alles ist Gut“ im Riemekeviertel haben die Grünen zum Anlass genommen, um sich die Kneipensituation zu hinterfragen. Foto: Tobias Vorwerk

Einen ganzen Fragenkatalog an die Verwaltung hat die grüne Ratsfraktion im Rahmen einer Anfrage für die öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag, 26. September, 17 Uhr, im Rathaus (großer Sitzungsaal)  formuliert. „Immer wieder äußern Bürger uns gegenüber den Eindruck, es seien Auflagen des städtischen Ordnungsamtes im Rahmen der Konzessionserteilung, die zu den Schließungen führen. Uns interessieren die Gründe“, berichtet Fraktionssprecher Klaus Schröder. Wie viele Gaststätten gibt es in Paderborn, wie viele wurden in den vergangenen fünf Jahren geschlossen? Welche Auflagen werden Gaststätten bei der Erneuerung der Konzession gemacht? Ist es schon in Folge von Auflagen zu Schließungen von Gaststätten gekommen? Die Grünen wollen mit diesen Fragen Klarheit über die Paderborner Kneipenszene schaffen.  „Uns interessiert besonders, welche Auflagen Gaststätten bei der Erneuerung der Konzession oder bei der Änderung des Konzessionsinhabers typischerweise gemacht werden und welchen Ermessensspielraum die Verwaltung bei der Erteilung von Auflagen hat“, erläutert Ralf Pirsig (Grüne).
Als aktuelles Beispiel einer Kneipenschließung beziehen sich die Grünen in ihrer Anfrage auf das „Alles ist Gut“ im Riemekeviertel. Der Betrieb soll nach Informationen unserer Zeitung allerdings am 1. Oktober wieder aufgenommen werden. Bei weiteren Gaststätten, so die Fraktion, sei in absehbarer Zeit Zapfenstreich. In der jüngeren Vergangenheit sind bereits unter anderem die „Gerichtsklause“ am Bogen, das „Feuerstein“ am Kamp und der Irish-Pub „Mad Hatter“ im Ükern-Viertel durch Schließung aus der Paderborner Kneipenlandschaft verschwunden. Den Grünen bereitet diese Entwicklung Sorgen. Denn: „Die Attraktivität einer Stadt, dazu noch Universitätsstadt, zeige sich auch in einer lebendigen, bunten und vielfältigen Gasthaus- und Kneipenlandschaft, erklärt die Ratsfraktion in einer Pressemitteilung.

„Zu wenig
Verständnis“


Wer sich intensiv mit der Paderborner Kneipenlandschaft beschäftigt ist Thomas Marx. Der 31-jährige DJ und Musiker kennt sich in der Szene bestens aus. Als Student der Stadtplanung beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit Quartiersentwicklung und hat die Kneipensituation in den vergangenen Jahren genau beobachtet und untersucht. Er plant, die Ergebnisse seiner Befragungen in konkreten Zahlen  auszuarbeiten. Was der Gründer von „Urban Techno Paderborn“ (einer Organisation, die sich für urbane Techno-Kultur engagiert) allerdings ganz allgemein sagen kann, ist: „Es handelt sich nicht nur um ein Kneipen-, sondern um ein Nachtleben-Sterben in Paderborn.“ Gerade im Randgebiet der Stadt, wie dem Riemekeviertel, sei vieles an Ausgehkultur verloren gegangen. Die Gründe seien vielfältig, hat der Insider im Gespräch mit den Akteuren festgestellt. Oft seien es einfach diverse interne Gründe, weshalb eine Kneipe schließe. Das Ausgehverhalten habe sich stark verändert in den vergangenen Jahre, so seine Beobachtung. So fehlten in vielen Kneipen und allgemeinen Gaststätten mittlerweile die Stammkunden. „Daher setzen viele auf ein Programm, um etwas mehr als den tristen Thekenalltag zu zelebrieren“, so Marx. An dieser Stelle entstehe dann der „Knackpunkt“ zu Anwohnern, „da ein Programm natürlich einiges an Fluktuation ins Quartier bringt, was auch Lärm, Fremde und ungewöhnliches bedeutet“, so Marx.
Die Rolle der Verwaltung dabei sieht er kritisch: „Viele wollen mehr als eine reine Kneipe sein und etwas bieten. Für mehr als eine Veranstaltung ist allerdings eine um einiges teurere Discotheken-Lizenz nötig. Das ist für die meisten finanziell nicht darstellbar.“ Für Marx fehlt es in Paderborn am Verständnis der Einwohner und fehlendem Fingerspitzengefühl sowie mangelnder Unterstützung für die Akteure durch die Stadt: „Das Nachtleben ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und muss gefördert werden. Andere Städte haben das erkannt und machen es deutlich besser als in Paderborn“, so sein Fazit. 
Vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag, bei der die Kneipen-Situation besprochen wird, wollte die Verwaltung dazu keine Stellungnahme abgeben. Frühestens dort wolle man sich dazu dann äußern, hieß es auf Anfrage dieser Zeitung.



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