Linnemann: "Die Union steckt in einer Krise"

Paderborn. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann hat bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag das landesweit beste Erststimmen-Ergebnis eingefahren und klar den Wahlkreis Paderborn-Gütersloh III gewonnen. Der CDU-Direktkandidat erhielt im Kreis Paderborn 53,3 Prozent der Wählerstimmen – so viel wie kein anderer Bewerber in Nordrhein-Westfalen. Auch bundesweit zählt Linnemann damit zu den Stimmenkönigen bei der Bundestagswahl. Durch das schwache bundesweite Abschneiden der SPD hat es für Burkhard Blienert nicht mehr für eine weitere Amtszeit in Berlin gereicht. Der Kreis Paderborn wird dadurch nur noch durch die Stimme von Carsten Linnemann in Berlin vertreten.

Carsten Linnemann (CDU)

Burkhard Blienert (SPD)

Andreas Kemper (AfD)

Nicola Hagemeister (FDP)

Hartmut Oster (Grüne)

Die "Paderborn am Sonntag" hat einige Stimmen der Kandidaten aus dem Wahlkreis Paderborn-Gütersloh III nach der Bundestagswahl eingefangen:

Carsten Linnemann (CDU): "Natürlich freue mich über mein gutes Erststimmenergebnis, das zu den besten für die CDU in ganz Deutschland gehört. Und ich bin allen dankbar, die mir mit ihrer Stimme den Rücken für meine Arbeit in Berlin gestärkt haben. Allerdings bleibt ein Stachel, denn die Bundestagswahl hat eins ganz deutlich gemacht: die Union steckt in einer Krise. Wir haben viel Vertrauen verloren und es wird harte Arbeit sein, dieses Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Dazu braucht es als Erstes eine ehrliche Analyse. Für die Union dürfte sie unter anderem auf die Erkenntnis hinauslaufen, dass unser Umgang mit der Flüchtlingskrise viele Menschen enttäuscht und sogar Zweifel an der Funktionsfähigkeit unserer rechtsstaatlichen Strukturen geweckt hat. Dem müssen wir uns jetzt konsequent stellen. Man kann das Wahlergebnis als Warnschuss verstehen. Man kann es aber auch als Auftrag verstehen, dass wir uns als Union wieder stärker auf unsere Kernkompetenzen zu besinnen, zu denen auch die innere Sicherheit gehört. In den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen haben wir dazu die erste Chance."

Burkhard Blienert (SPD): "Die ersten Tage nach der Wahl waren extrem hart. Ich musste erstmal die Realität wahrnehmen, nicht mehr dem neuen Bundestag anzugehören. Jetzt werde ich durchatmen und auf andere Gedanken kommen. Klar ist schon jetzt, dass ich es in vier Jahren wieder versuchen werde. Das Gesamtergebnis dieser Wahl wird die Parteienlandschaft enorm verändern. Für die SPD sind die 20,5 Prozent natürlich eine Katastophe. Es ist jetzt dringend notwendig, herauszufinden, warum wir die Menschen nicht mehr erreichen. Wir müssen unsere Rolle finden zwischen Konservatismus und Liberalismus. "

Andreas Kemper (AfD): "Mit dem Ergebnis der Bundestagswahl 2017 bin ich insgesamt zufrieden, wenn ich auch persönlich für die AfD bundesweit und insbesondere in NRW ein etwas besseres Ergebnis erwartet hätte. Das erklärte Ziel als starke Kraft in den Bundestag zu kommen, wurde auf jeden Fall erreicht. Für den Kreis Paderborn bin ich sehr zufrieden: Im Ergebnis der Erststimmen habe ich mit 9,1 Prozent den dritten Platz noch vor der FDP-Kandidatin errungen und bei den Zweitstimmen mit 9,9 Prozent einen respektablen vierten Platz. Besonders freut mich das sehr gute Abschneiden in den Paderborner Stadtteilen, z.B. Kaukenberg und Auf der Lieth, wo wir die CDU hinter uns lassen konnten. Zusammenfassend ermutigen mich diese Ergebnisse mit Hinblick auf die Kommunalwahl 2020, mit der AfD kreisweit anzutreten und als bürgerliche Alternative in die Räte der Städte und Gemeinden im Kreis Paderborn einzuziehen."

Nicola Hagemeister (FDP): "Nach dem guten Ergebnis der Landtagswahl in NRW befinden wir uns als FDP weiter im Aufwind. Rückblickend auf das schlechte Ergebnis der Bundestagswahl 2013 ist es uns gelungen, den Anteil der Erststimmen von unter 2 Prozent, um mehr als das doppelte auf 5,51 Prozent zu verbessern. Bei den Zweitstimmen gelang ebenfalls eine Verbesserung um mehr als das Doppelte von ca. 5 Prozent auf über 13 Prozent. Mit diesem tollen Ergebnis wurde die FDP in Paderborn zur drittstärksten Kraft und liegt damit über dem Bundesergebnis der Partei. Gleichzeitig stellt dies das beste Ergebnis der FDP in ganz Ostwestfalen-Lippe dar. Ich bedanke mich bei allen Wählerinnen und Wählern, die mir ihr Vertrauen und ihre Stimme gegeben haben und somit dafür gesorgt haben, dass endlich wieder eine liberale Stimme im Bundestag vertreten ist."

Hartmut Oster (Grüne): "Die Wahl ist für uns Grüne ganz ordentlich gelaufen und dennoch hat eine Eruption die politische Gemengelage ordentlich in Aufruhr versetzt. Neue Strömungen werden an den parlamentarischen Diskurs neue Herausforderungen stellen. Die Aufarbeitung der Ursachen hat begonnen und jeder für sich muss sich fragen, wie es dazu kommen konnte. Jetzt gilt es, in einem ersten Schritt zu prüfen, ob sich aus dem erzielten Ergebnis eine tragfähige Regierung herausarbeiten lässt, die jedem der Partner Raum für seine Ansätze lässt und dabei noch Stabilität und Verlässlichkeit ausstrahlen kann. Ehe die Verhandlungen um die Bildung einer Koalition überhaupt begonnen werden können, wird in vielen Gesprächen nach Möglichkeiten gesucht werden müssen. Lasst uns herausfinden, ob hierin auch eine Chance liegt. Die Grundlage für ein neues, kreatives Denken. Lasst uns mutig sein und die Zukunft anpacken, mit guten Ideen und mit Respekt voreinander. Mit cleveren Lösungen für anstehende Veränderungen."

Hinweis: Von den Kandidaten der Piraten und Die Linke waren bis Redaktionsschluss keine Stellungnahmen eingegangen.



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