Sind Paderborner Nächte wirklich so langweilig?

Paderborn. „Warum machst Du nachts so krass schlapp?“, hatte Wolfram Bölte provokativ in seinem offenen Brief an die Stadt Paderborn und das Nachtleben gefragt, den der 34-Jährige über seinen Internet-Blog veröffentlichte. Die Paderborn am Sonntag hatte seine Aussagen in der vergangenen Ausgabe aufgegriffen (nachzulesen auf www.pbams.de oder in der Print-Ausgabe) und unsere Leser um Ihre Meinung gebeten.

Prächtige Stimmung bei einer Party in Paderborn: Dennoch findet die Mehrzahl der PBamS-Leser, dass das Nachtleben der Stadt ausbaufähig ist. Foto: Reinhard Ebmeyer

Von Björn Theis

Sein eindringlicher Appell („Wach auf, liebes Paderborn. Wach bitte auf“) sowie die Kritik am Partywillen der Paderborner und der Hinweis auf fehlende Ausgehmöglichkeiten haben überwiegend Zustimmung gefunden. „Für das erstklassige Paderborn fehlt es an Möglichkeiten, jedoch nicht nur für junge Leute, sondern auch für Menschen der mittleren Altersklasse“, findet PBamS-Leserin Andrea Heidloff.
Ähnlich denkt Natascha Thomas: „Es ist ziemlich langweilig in Paderborn geworden.“ 2004  sei sie als Studentin hierher gekommen, seitdem hätten so viele Lokale wegen Anwohnerbeschwerden schließen müssen. „Überall wird sich beschwert. Ich sehe da das Problem nicht bei den mangelnden Investoren. Direkt nebenan bei mir gibt es auch eine ,Disko’ für (der Musik zu Folge) schätzungsweise Ü40. Da regen sich offenbar nicht genug Leute auf, dass die endlich mal schließt! Warum?“, fragt sie und schiebt eine Vermutung gleich hinterher: „Weil’s keine Studenten sind, die sich beschweren, sondern die Ü40 selbst?“ Sie hätte auch gern, dass die Disco schließt, den Bass höre man bei ihr jeden Samstagabend in der ganzen Wohnung. Positiv findet Natascha Thomas allerdings, dass Paderborn ein großes Kneipenangebot habe, „getanzt wird hier jedoch leider nicht“.
Sören Erig meint, dass mit der  Residenz ein ganz guter Club vorhanden sei, allerdings fehle dort die Abwechslung.
„Es  mangelt in Paderborn an Charme und kleineren Clubs, wo nicht immer der Mainstream aus den Boxen schallt. Das Cube war ein sehr schöner kleiner Club, den ich sehr gerne besucht habe und die Musik war auch gut. Ich befürchte, dass mit dem Capitol ein ähnliches Programm geschaffen wird wie im Resi.“
Er gibt Blogger Wolfram Bölte recht, dass es an Menschen mangele, die Geld in die Hand nehmen und sich trauen, etwas neues aufzubauen. Sören Erig schränkt allerdings auch ein, „dass es mit dem Publikum in Paderborn auch sehr schwierig ist.“
„Das Nachtleben in Paderborn kann sehr interessant werden“,  findet Paula Rogowski. Dafür  sei nicht einmal ein Clubbesuch nötig: „Was ich stattdessen empfehlen kann, ist zum Beispiel das Alex mit seinen sehr leckeren Cocktails, das Feuerstein in dem ein Mahl sehr romantisch sein kann oder das BarCelona, wo man auch toll mit seinen Freunden feiern kann.“
Kritisch zum offenen Brief von Wolfram Bölte äußert sich ein Leser unter dem Pseudonym „Paderborner“, ohne seinen Namen zu nennen: „Das Nörgeln über Paderborn ist in Paderborn quasi Volkssport. Dabei werden dann auch gerne mal die Qualitäten der Stadt übersehen. Insofern: alles normal. Willkommen daheim.“ Man denke, so der Schreiber, mal 20, 30 oder 40 Jahre zurück an die kleineren politischen Debatten, zum Beispiel zur damaligen Sperrstundenregelung. „Der damals quasi prophezeihte Untergang ist offenkundig nicht eingetreten“, so der „Paderborner“.
Die Stadt müsse nicht aufwachen und interessiere sich nicht für „Ausrasten im Club“, was Bölte bemängelt hatte. Paderborn bestehe aus sehr viel mehr Arten von Menschen und der Großteil davon dürfte mit „Ausrasten im Club“ nichts am Hut haben. Außerdem stört sich der Autor daran, dass Bölte die Qualität einer Stadt in ihrer ganzen demografischen Breite an der Zahl und Vollheit von Clubs und Diskos und ähnlichem festmacht: „Was glaubt er, wieviele Einwohner jenseits (und auch innerhalb) der genannten Altersgröße interessieren sich wohl einen feuchten Kehricht für irgendwelche Clubs oder Diskos oder für Ausgehkultur?“
Und wenn mitten in der Nacht draußen laut Musik gespielt werden soll, dann hätten die entsprechenden Betriebe nichts in Wohngebieten verloren. In Wohngebieten habe mitten in der Nacht der schlafende Teil der Bevölkerung gefälligst nicht gestört zu werden, meint der „Paderboner“ abschließend.
„Ich glaube auch, dass Paderborn ein Potential hat“, schreibt PBamS-Leser Nicolas Schiffer. Dass die Vielseitigkeit wegbreche, habe aber nicht mit den Gastronomen zu tun, die sich nicht trauen oder keinen Plan haben, sondern damit, „dass es a) schwer ist, in einer kleinen Stadt wie Paderborn Konzepte aufzubauen, die funktionieren, ohne den Mainstream zu bedienen, b) es äußerst schwierig ist, Locations zu finden und c) ein gewisser Brausehersteller mit seinem Netzwerk alles übernimmt oder platt macht, was erfolgreich sein könnte.“ Sinnig wäre es, mit der Sperrstunde liberaler umzugehen, so dass es auch weniger Probleme mit Anwohnern im Ballungsgebiet Marienstraße gebe. Der Erfolg von Läden wie Cube und Markandu zusätzlich zu gut laufenden Clubs wie Sappho und Resi hätten gezeigt, dass es eine überraschend große Zielgruppe gebe für eine Stadt in der Größenordnung wie Paderborn.  Wichtig  sei  hier sicherlich ein Miteinander, Kommunikation, Verständnis und auch Toleranz – auch von den Anwohnern, die eventuell auch Freizeitaktivitäten präferierten, die den Nachtaktiven stören.
Schiffer meint allerdings auch: „Im Verhältnis zum sonst äußerst guten kulturellen Angebot in Paderborn hängt das Nightlife in der Studentenstadt Paderborn, die zu den jüngsten in NRW gehört, definitiv hinterher.“ Dies liegt nach seiner Ansicht, und da gibt er User „Paderborner“ recht, an vielen Nörglern, die es allerdings überall gebe: „Die, denen zu wenig geht, die, die Paderborn zu groß, zu klein und überhaupt alles doof finden und deshalb nur am weinensind, anstatt in die Hände zu spucken und die Situation zu ändern.“

 

Kommentar

Jeder sollte sich am besten selbst ins Paderborner Nachtleben stürzen und davon überzeugen, ob es sich lohnt! Der PBamS-Bericht in der letzten Ausgabe über die Ausgehqualität und den Partywillen der Paderborner hat zu einer interessanten Diskussion geführt, an der sich zahlreiche Leser beteiligt haben.  Dass Kneipen, Bars, Clubs und Diskotheken in der Stadt durchaus Potenzial haben, wurde in den Zuschriften deutlich – und das ist auch so. Was fehlt, ist die Vielfalt. Durch die Schließung von Cube und Markandu ist eine Lücke entstanden, was Läden betrifft, die die alternative Szene ansprechen, zu der insbesondere die Studenten zählen. Ein neuer Club am Bahnhof und eine Disko an der Detmolder Straße sind im Gespräch. Sollten sie kommen, wäre es zu wünschen, dass mindestens einer diese Lücke schließt.  

Björn Theis



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