Zuhause bei Matthias Lüke

Paderborn. Persönlichkeiten der Region besucht die Paderborn am Sonntag im Rahmen der Serie „Zuhause bei...“ in ihren vier Wänden. Diesmal durften wir zu Gast sein beim Paderborner Singer-Songwriter Matthias Lüke.

Musik ist für Matthias Lüke Beruf und Berufung. In seiner Wohnung gibt er eine Kostprobe an der Gitarre. Foto: Björn Theis

Von Björn Theis

Eine Wohnung wie ein Tonstudio. Nun gut, vielleicht ist diese Beschreibung etwas übertrieben. Zumindest aber wird beim Besuch in den vier Wänden von Matthias Lüke sofort klar, dass der Bewohner ein Musiker ist. Das Equipment des Liedermachers verteilt sich über die kompletten 50 Quadratmeter im Dachgeschoss des Drei-Parteien-Hauses in der Paderborner Südstadt. Gitarren hängen an der Wand neben dem roten Sofa im Wohnbereich, Bassdrum und Schellenkranz begrüßen den Gast im Eingangsbereich, eine Kladde mit Papier, auf denen der deutschsprachige Singer-Songwriter seine Texte aufschreibt, ist im Arbeitszimmer abgelegt. Spartanisch, schnörkellos, alternativ – so lässt sich der Einrichtungsstil beschreiben. Wie aus einer anderen Zeit wirken der Barockspiegel an der Wand oder das Bad mit lachsfarbenen Fliesen und blauer Toilette. Altbau eben – und so passt dann doch alles irgendwie zusammen und strahlt Gemütlichkeit aus. Die Wohnung ist komplett offen – und genauso präsentiert sich Matthias Lüke auch im Gespräch. Zum Frühstück reicht der Gastgeber frische Croissants und mit Handfilter gebrühten Kaffee. Einen Lieblingsplatz hat er nicht in seiner Wohnung: „Ich fühle mich hier überall wohl“, sagt er und lässt den Blick durch die Räume wandern. Gerne sitzt der blonde Lockenkopf in seiner Küchenzeile auf den Sitzhockern und liest oder genießt auf seinem kleinen Balkon den Blick bis zur Herz-Jesu-Kirche im Riemekeviertel. Nicht ohne Stolz präsentiert er seinen selbstgebauten „Ofen“ – ein mit Kerze, heißem Stein und Kräutern bestücktes Tontöpchen, das neben Wärme auch noch wohligen Geruch abgibt. „Damit hole ich immerhin so 1,5 Grad mehr raus und es duftet in der ganzen Bude“, schwärmt der Paderborner von seinem Eigenbau und lacht. Nicht die einzige Besonderheit in seiner Wohnung. So ist der Kühlschrank nur auf den ersten Blick noch das, wofür das Gerät eigentlich – und was der Name schon sagt – gedacht ist. Die Erklärung liefert der Besitzer selbst: „Ich habe den Kühlkreislauf ausgebaut, weil ich nichts esse, was gekühlt werden muss.“ Somit dient der Schrank ohne Kühlung als Aufbewahrung für alles, „was unter der Erde wächst“, wie es Matthias Lüke bezeichnet. Denn der Musiker, der gerne auch „frei Schnauze“ kocht, ernährt sich vor allem von Gemüse. Ein Vegetarier sei er allerdings nicht. Was man in der Wohnung vergeblich sucht ist ein Fernseher: „Brauch´ ich nicht“. Wenn überhaupt schaue er mit seiner Freundin Maritta hin und wieder einen Tatort-Krimi. Ihre Fotos sind gleich mehrfach zu finden. Kennengelernt haben sie sich, wie sollte es bei einem Sänger auch anders sein, auf einem seiner Konzerte in Köln. Um sich am Wochenende zu sehen, ist pendeln angesagt. Maritta wohnt in Mainz. Beim Thema Zusammenziehen wähnt Matthias Lüke die besseren Argumente für Paderborn auf seiner Seite: „Der Rhein kann gegen die Pader nicht anstinken.“ Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn der Rhein stinke im Gegensatz zur Pader wirklich, sagt der charismatische Typ mit seinem typischen Humor. In Paderborn ist Lüke geboren und hier hin kommt er auch immer wieder gern zurück von seinen Konzerten, für die er in ganz Deutschland unterwegs ist. So wie auch jetzt wieder: Erst am Wochenende zuvor war er im Duo mit Bassist Chris Rauhöft in Berlin aufgetreten. Seine Heimat schätzt der Künstler aus mehreren Gründen: „Paderborn ist einfach schön und ich habe tolle Freunde hier. Es gibt viel Grün und alles ist entspannt.“ Ruhigere Ecken, wie den Haxtergrund oder den Monte Scherbelino, finde man in Paderborn leichter als in anderen Städten.

Zweites Album in Arbeit

Ob es ihn womöglich nochmal woanders hinziehen wird, vermag der Berufs- und Vollblutmusiker nicht zu sagen. Damit bleibt er einem seiner Grundsätze treu: „Über Zukunft und Vergangenheit mache ich mir keine Gedanken.“ Diese Einstellung gilt auch für die Musikkarriere, „denn ich habe keine Ziele und genieße einfach die Zeit mit dem Publikum“. Neue Türen hätten sich für ihn bislang immer von selbst geöffnet, zu Stillstand sei es bislang eigentlich nie gekommen. „Deshalb“, ist Matthias Lüke  überzeugt, „folge ich weiter meiner Intuition.“ Er hat auch keinen Grund zu zweifeln. Privat wie beruflich läuft es rund. Auf seine Heimatstadt bezogen ist er froh und dankbar, dass seine Musik in Paderborn ankommt und immer mehr Leute die Konzerte besuchen. Dieser Zuspruch ermutigt ihn auch auf dem Weg zum zweiten Album, an dem er gerade arbeitet und das Mitte des Jahres erscheinen soll. Der Liedermacher schreibt tiefsinnige und reife, melancholische aber hoffnungsvolle sowie mitreißende und lustige Songs. Aber was macht für ihn persönlich gute Musik aus? „Wenn es beim Anhören warm im Bauch wird“, lautet seine Erklärung, „wenn die Texte wenig verkopft sind und tief aus dem Künstler heraus kommen.“ Das ist auch sein eigener Anspruch, dem er gerecht zu werden scheint. So schrieb einmal eine Zeitung begeistert über seine Musik: „Lükes Lyrik garantiert Kopfkino.“
Am Ende der netten Plauderei bleibt nur die Frage seines Alters offen: „Das habe ich vergessen, weil ich bekanntlich im Hier und Jetzt lebe“, erklärt er dazu wie immer freundlich und mit einem Lächeln versehen.
Auch wenn sich Matthias Lüke nicht mit der Zukunft beschäftigt, bleibt es dennoch spannend zu beobachten, wie weit es der Paderborner Sänger noch schafft im Musik-Business. Wir werden es sehen – vor allem hören!



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