Die Paderborn am Sonntag Zuhause bei Stadtplaner, Musiker, DJ, Vater und Urbanist Thomas Marx im Paderborner Hafenviertel.
„Paderborn gilt, trotz seines Status als Großstadt und Regiopole, in vielerlei Hin­sicht immer noch als provinziell. Eine Problemstellung, die sich vor allem in der gestalterischen Qualität und den Möglichkeiten im Kulturwesen bemerkbar macht.“ Diese Worte schreibt Thomas Marx auf der Website von Urban Techno Paderborn. Die 2012 von ihm gegründete Initiative sieht sich selbst in der „Pflicht zur Entprovinzialisierung“. Aktiv beschäftigt und beteiligt sich der angehende Stadtplaner, DJ, Vater und Urbanist an der Entwicklung und dem Ausbau der kreativen Szene in der Paderstadt. Für die Serie „Zuhause bei…“ hat die Paderborn am Sonntag den 31-Jährigen in seiner Wohnung im Hafenviertel am Ükernplatz besucht.

Der Blick in Richtung Osten auf die Mühlenstraße und das ehemalige Cube. Dort feierte Marx 2010 sein Debüt als DJ.

„Hier guckt man halt auf’s alte Cube“, schwelgt Marx in Erinnerungen, während er aus dem großen Fenster seiner Altbauwohnung in die Mühlenstraße herabschaut. Hier lebt er gemeinsam mit Freundin Kerstin und Tochter Esther. „Da wird man immer ein bisschen wehmütig.“ In Paderborn blüht der Frühling. Unter ihm, auf dem kleinen französischen Balkon, beginnen in drei Töpfen langsam seine „Ükern Tomaten“ zu wachsen. „Die Küche ist mein Reich“, stellt Marx während der ersten kurzen Wohnungsführung fest. „Ich koche einfach gerne.“ Und das besonders mit selbst angepflanzten Zutaten aus dem „kleinen Garten“ vom Wohnungseigenen Balkon, der einen Blick auf das ehemalige Cube erlaubt. Die seit 2012 geschlossene Location für Subkultur bedeutete viel für Marx. Dort legte er vor acht Jahren das erste Mal als DJ auf: „Das war der Anfang. Dann ist man in dieses Netzwerk von Kulturtreibenden eingetaucht“, erinnert er sich. In diesem Netzwerk schwimmt Marx seit 2010 an vorderster Stelle mit und gibt darin nicht selten auch die Richtung mit an.
Nachdem das Cube schließen musste, gründete er für sich die Initiative Urban Techno Paderborn (UTPB), um eine Platform zu schaffen und den Schwung nicht zu verlieren. Gleichzeitig wollte er eine Marke schaffen, „mit der man etwas vorantreiben kann.“

„Es sollte einen Mehrwert haben“

In UTPB vereint er mehrere DJs und organisiert Veranstaltungen. Alles fing mit kleinen Parties auf dem Monte Scherbelino an und ging über unzählige Abende in diversen Kneipen, Clubs und Bars weiter, die von ihm und seinen Kollegen musikalisch bespielt wurden. „Es sollte aber nicht nur Feierei sein, sondern auch einen Mehrwert haben“, sagt Marx. Daher orientierte er seine Initiative thematisch an den Bereich, der ihn aufgrund seines Studiums ohnehin beschäftigte: Die Stadtplanung. „Kreativität und Kultur sind dabei ganz wichtige Faktoren“, weiß er und nennt Berlin und Detroit als Beispiele.

Im Arbeitszimmer.

Für Paderborn hat Thomas Marx viele Ideen. Einige davon wird er am Freitag, 27. April, beim zweiten „XO PB“-Talk im Schabsky & Olk Gebäude an der Bahnhofstraße in einem Impulsvortrag präsentieren. „Ich spreche über die Nutzung kreativer Potenziale und Bürgerbeteiligungen“, verrät er und sagt: „XO PB ist für mich gerade das wichtigste Ding in Paderborn um Themen einmal transparent zu machen und in einen ernsthaften, wichtigen Dialog mit den echten Stadtplanern und Politikern zu treten.“ Als ein konkretes Beispiel nennt er die Errichtung einer freien Kunsthochschule auf der Konversionsfläche Alanbrooke im Riemeke. So würden weitere Flächen und Orte kreativ bespielt, mehr junge Menschen nach Paderborn gelockt und die eingesessene Uni-Struktur aufgebrochen.

„Ach Paderborn“

„Ach Paderborn“, seufzt er und lässt ein langes Lachen folgen, als die Frage nach den Vorzügen und Besonderheiten im Raum steht. „Es gibt diesen schönen Spruch“, sagt Marx. „Paderborn ist zwar eine Großstadt, aber klein genug.“ Besonders lobt er die kurzen Wege und den „super ausgebauten“ ÖPNV. „Ich möchte auch gar nicht hier weg“, ist er sich sicher. „Ich freue mich jetzt richtig darauf, wenn das mittlere Paderquellgebiet fertig wird. Etwas Vergleichbares hat auch keine andere Stadt mitten in der Innenstadt. Das ist schon Wahnsinn“, sagt er. Für ihn ist Paderborn Lebensqualität und er schätzt auch das Kirchliche und die alte Bausubstanz an der Stadt: „Die Kirche blickt natürlich nochmal ganz anders auf die Stadt“, sagt Marx, der neben seinen vielen Aktivitäten auch eine Stelle als Studentische Hilfskraft bei der katholischen Hochschulgemeinde ausübt. Thomas Marx’ Alltag ist, wie er sagt, „sehr vielseitig“. Langweilig werde es nie und es gebe immer etwas zu tun. „Natürlich ist mein Leben auch stark durch Esther geprägt“, sagt Marx, der vor einem halben Jahr Vater geworden ist. „Ansonsten sitze ich meist vor dem Rechner und mache Musik oder arbeite – für die Uni, für UTPB, für Generation Arts und im Moment für XO Paderborn.“
Einen Tag nach dem Besuch erreicht die Redaktion eine Nachricht: „Ich habe noch einen letzten Satz, den ich immer wieder gerne sage“, schreibt er. „Paderborn ist das, was du daraus machst!“ Und dafür ist er das beste Beispiel.

„Also ich stehe auch lieber spät auf und arbeite lang“, lacht Thomas Marx (31). Sein Alltag sieht immer anders aus und ist geprägt durch eine Vielzahl von Aktivitäten. Fotos: Tobias Vorwerk