Zuhause bei Sandra Urba: Am Morgen ein Stück am Klavier, am Abend gerne ein Stück Fleisch vom Grill

Im Wohnzimmer der Eltern in Paderborn sprach Sandra Urba über Perfektionismus, Vorlieben und Musikgeschmack. Foto: Rowena Hinzmann

Elsen. Trifft man einen Pianisten, so kann man sich sicher sein, dass nicht weit entfernt auch das passende Gegenstück zu finden ist – ein Klavier. So war es auch beim Besuch von Sandra Urban in Elsen.

Gleich links neben der Eingangstür im elterlichen Zuhause der Paderborner Pianistin geht es in ihr Arbeitszimmer – ein Raum mit einem Flügel, umgeben von Noten und hochkomplizierten Klavierstücken bekannter Komponisten und Künstler. Täglich übe sie in der Regel vier bis fünf Stunden am Tag, was zu ihrem Alltag zählt, wie das täglich Brot. Aber genauso wie andere, habe auch sie manchmal Schwierigkeiten, sich an die Arbeit zu machen: „Mein Tag muss mit dem Üben beginnen, ansonsten komme ich gar nicht mehr rein“, gibt die 28-Jährige ganz offen zu, die sich selbst als Perfektionistin sieht. „Ich stamme aus einer Musikerfamilie, wir sind alle perfektionistisch veranlagt, was Fluch und Segen zugleich bedeutet. Aber das sind alle Musiker und Künstler, „sonst kommt man in der Musikbranche halt nicht voran.“ Der Freude nach einem erfolgreichen Konzert, folge auch unmittelbar die Kritik n der Künstlerin und was sie spielerisch hätte noch besser machen können. Das alles sei aber nichts im Vergleich zur Liebe zum Klavierspielen und der Musik mit all ihren Facetten und der enormen Vielfalt. Sandra Urba spielt Kammermusik, ist Solistin und übt sich nun auch in der musikalischen Liedbegleitung als Mitglied eines Trios, das sich Eldering Ensemble nennt. „Als Solist ist man immer ein einsamer Wolf.“ Sänger hingegen seien ein interessantes Volk, mit dem es schön sei, Freud und Leid vor während und nach einem Konzert zu teilen.

Wenn sie sich nicht in ihrem Paderborner Elternhaus aufhält, dann ist die gebürtige Litauerin in Köln, wo sie in einer Wohngemeinschaft mit zwei Mitbewohnern in der Nähe der Hochschule für Musik und Tanz lebt. Nach ihrem Konzertexamen im vergangenen Jahr begann sie vor kurzem noch den Studiengang der Liedgestaltung, um auch wirklich alle Seiten der Klaviermusik bedienen zu können.
Fernab vom Üben, Studieren und Arbeiten liebt es der temperamentvolle Lockenkopf besonders, sich während ihrer Besuche Zuhause sportlich zu betätigen – zum Beispiel in dem sie sich im Ahorn-Sportpark ein heißes Tischtennismatch mit ihrem Vater liefert. Oder beim Laufen mit der Mutter, die gleichzeitig auch ihr Vorbild ist. Mit ihr kann Sandra Urba über Gott und die Welt quatschen. „Dann kommt bei mir immer das Gefühl von ’Zuhause’ ganz besonders auf“, was sie oft vermisse, wenn sie in Köln ist oder von Konzert zu Konzert pendelt.

Zudem würde sie gern viel mehr Zeit im Sommer in Elsen verbringen: „Der Raum Paderborn bietet einfach viel mehr Möglichkeiten in der Natur mit all den Seen und Grünanlagen. Aber Köln ist toll, weil es sich halt wegen der vielen Angebote viel spontaner dort leben lässt“, wie zum Beispiel spontan ein Konzert zu besuchen oder zusammen mit Freunden mal eben in die U-Bahn zur Lieblingslokalität auf ein Bier.

Doch unabhängig von der Stadt, ist die Begeisterung bei der Künstlerin groß, wenn es um das Thema Grillen geht: „Ich liebe Fleisch und Salat in jeglicher Form“, schwärmt sie mit Vorfreude auf die Grillsaison. „Ich bin da wie ein kleiner Tyrannosaurus, denn ohne Fleisch kann ich nicht.“
Sie ist eine Frohnatur, lacht liebend gern und und fühlt sich besonders wohl in der Gesellschaft ihrer Familie, Freunde und ihrem Freund, der ebenfalls in der Musikbranche als Trompeter im Orchester tätig ist.

Wenn es am Wochenende mal auf die Piste geht, zieht es sie besonders gerne auf 90er Jahre-Partys. „Ich bin mit dieser Musik groß geworden, da kommen immer viele Erinnerungen hoch“, sagt sie amüsiert. Aber auch Oldies wie ABBA oder The Rolling Stones hört sie gerne genauso wie mitreißende Balkan-Musik. „Bei dieser Musik kann ich einfach nicht still sitzen oder stehen bleiben. Irgendwann bewegt sich irgendwas dann doch immer.“.
Dass nicht alle Menschen Fans klassischer Musik sind, kann die Pianistin zum Teil verstehen: „Man muss klassische Musik erst richtig hören lernen. Erst dann offenbart sich einem das komplette Spektrum an musikalischer Vielfalt.“

Und genau das gibt es auch an diesem Samstag, 30. April, zu hören, wenn Sandra Urba zusammen mit dem Sinfonieorchester Paderborn auf der Bühne des Kongresshaus Bad Lippspringe steht und Stücke von Brahms, Grieg und Schumann zum Besten gibt.
Wohin es die herzliche Frohnatur in Zukunft verschlagen wird, ist noch ungewiss. Sicher ist jedoch, dass man künftig noch einiges von der Paderbornerin sehen und vor allem hören wird!