Paderborn. Seit vielen Jahren prägt Adda Schade das kulturelle Leben der Stadt Paderborn. In  seiner Kneipe, dem Sputnik, die er gemeinsam mit Ehefrau Simone Schneider betreibt, bietet er jungen Künstlern eine Bühne, veranstaltet Konzerte, Lesungen, Poetry Slams,  Stammtische und vieles mehr. Für ihr Engagement wird das Paar in diesem Jahr mit der Paderborner Kulturnadel geehrt. Im Rahmen der Serie „Zuhause bei…” hat die Paderborn am  Sonntag den Ur-Paderborner in seiner Altbauwohnung im Riemekeviertel besucht und über  seinen Werdegang, Musik, das Leben in der Stadt und über die Ausgehkultur von früher und von heute gesprochen.

„Wenn der Südwind weht” – Ein Titel von Hans-Joachim Roedelius aus dem Jahr 1981 ist eine von mehr als 2.000 Vinyl-Schallplatten, die Adda Schade aus seinem Regal zieht, um sie im Hintergrund des Gesprächs laufen zu lassen: Sphärische Klänge erfüllen nun das Wohnzimmer und der Paderborner berichtet von seinen Anfängen als Musiker: „Die anderen haben Metal oder Punk gemacht und wir die Avantgarde”, sagt der musikalische Außenseiter. Schon immer bewegte sich seine Musik abseits des Mainstreams. Seit Anfang der 2000er Jahre hat der heute 53-Jährige innerhalb der elektronischen Szene Fuß gefasst und ist neben eigenen Produktionen auch als DJ unterwegs. „Ich bin im Moment ein bisschen am Erledigen und Ideen verwirklichen”, sagt er und deutet auf neue Alben hin, die demnächst erscheinen werden. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Sebastian Planken das Album „Frontignan Funk” auf Kassette. Im Dezember folgt, passend zu seinem Geburtstag, das Soloalbum „Fraggles”.

Im eigenen Heimstudio produziert Adda Schade Musik, hört Platten und verbringt neben seiner Arbeit im Sputnik die meiste Zeit. Mehr als 2.000 Schallplatten zieren das Wohnzimmer.                    Fotos: Tobias Vorwerk

Adda Schade spielt auf vielen Bühnen und ist in diversen Soundprojekten, wie beispielsweise den Paderborner Bedroomproducers und Peak to Valley Ratio, aktiv. Neben dem Vollzeit-Job als Wirt im Sputnik, der viel Zeit in Anspruch nimmt, besteht sein Alltag Zuhause zum größten Teil aus Musik hören und machen. In der wenigen Freizeit, die neben der Arbeit und den musikalischen Projekten übrig bleibt, geht das Ehepaar gerne Wandern oder Radfahren. „Eine Idee war ja immer mal, eine große Sputnik- Wanderung zu veranstalten”, verrät Schade. „Natürlich mit einem ordentlichen Astra dabei”, lacht er.

Seit 2004 leben Adda Schade und Simone Schneider in ihrer Altbauwohnung im Riemekeviertel. Diese ist offen, gemütlich und schick eingerichtet. Herzstück ist das große Wohnzimmer mit einem lichtdurchfluteten Erkerfenster, vor dem ein großer ovaler Tisch von einer roten Space-Age Lampe beleuchtet wird. Regalwände mit Schallplatten und Büchern rahmen den Raum ein, in dem sich der Musiker sein Heimstudio eingerichtet hat. Dort entstehen neue Werke, Ideen und Projekte. In wenigen Gehminuten erreichen sie von Zuhause aus das Sputnik in der Imadstraße 7. Seit 2010 betreibt das Ehepaar die Paderborner Kulturkneipe und gestaltet damit das Leben in der Stadt aktiv mit. „Ich finde, dass es in Paderborn ein unglaublich breites Kulturprogramm gibt”, meint Schade. Einzig die „independent-Szene” sei zu klein. Allerdings war „Paderborn immer schon hartnäckig”, schmunzelt er. In Paderborn könne man toll wohnen und die Stadt biete auch einen hohen Erholungsfaktor, ist der Wirt überzeugt. „Nachdem es in den 80er- Jahren ein ziemlich gutes Angebot an Locations gab, hat das in den 90ern stark nachgelassen”, meint er und denkt an alte Clubs, wie das Red House, „in denen man jeden Tag tanzen gehen konnte!” Allerdings habe auch eine andere Ausgehkultur geherrscht, so Schade. „Früher waren die Läden immer voll und heute tun sich viele schwer damit, öfter rauszugehen.” Viele würden sich die großen Mainstream-Veranstaltungen aussuchen, kritisiert der Künstler.

Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Sebastian Planken das Album „Frontignan Funk” (rechts) auf Kassette. Die Kassette links entstammt Adda Schades Projekt „Peak to Valley Ratio“ mit David Krützkamp.

Trotzdem gebe es weiterhin Nischenprogramme: „Ich habe das Gefühl, dass es in 2018 ein Revival der alten Feier- und Ausgehkultur geben könnte. Die Leute haben wieder Lust, coole Sachen zu machen”, sagt Adda Schade, der mit seinen zahlreichen Veranstaltungen selbst Teil davon ist. Während Libori legt er jeden Abend von 21 bis circa 22.30 Uhr auf dem Franz-Stock-Platz Musik auf und lädt danach zu vielfältigen Veranstaltungen unter dem Titel „FeelFalt” ins Sputnik ein.