Laut zahlreichen Medienberichten, darunter im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, sollen in der Abschiehaftanstalt (UfA) in Büren-Stöckerbusch unhaltbare Zustände vorherrschen. Die Paderborn am Sonntag hat mit zwei Mitarbeitern der Anstalt gesprochen, die die Berichte aus eigener Erfahrung zum Teil bestätigen können, gleichzeitig aber auch Kritik am Umgang mancher Mitarbeiter mit den Häftlingen äußerten. Besonders kritisch ist die Situation laut Aussage im Komplex 1B-Neu, in dem es zu mehreren Vorfällen kam, denn dort werden die besonders auffälligen Häftlinge der Abschiebeanstalt untergebracht.

Dazu zitiert der Spiegel aus einem internen Bericht der UfA: „Der Gefangene hatte in seinem Haftraum lautstark randaliert. Nach dem Eintreffen weiterer Bediensteter konnte durch das Beobachtungsfenster des Haftraums festgestellt werden, dass der Untergebrachte seinen gesamten Oberkörper mit Schnittverletzungen unter Zuhilfenahme einer Rasierklinge übersät hatte.“ Der Mitarbeiter der Haftanstalt, der der Redaktion bekannt ist, kann diesen Bericht zumindest teilweise bestätigen, hält ihn aber für überdramatisiert: „Der Häftling hatte ein paar oberflächliche Schnittwunden, war aber ansonsten nicht stark verletzt. Dass Häftlinge sich mit Rasierklingen bewaffnen kommt leider häufiger vor, manchmal werden auch Batterien gegessen“, so der Mitarbeiter der UfA, der zwar in Selbstverteidigung geschult ist, aber ansonsten auf keine Hilfen zur Verteidigung zurückgreifen kann.

Symbolbild: In der Vergangenheit ist es in Büren mehrfach zu Ausbruch versuchen gekommen, deswegen wird die UfA in Zukunft wieder mit Stacheldraht geschützt.

Deswegen ist es ihm auch ein besonderer Dorn im Auge, wenn die Mitarbeiter im Sicherheitsdienst ihre Arbeit nicht konzentriert ausführen. „Ich muss mich doch im Zweifelsfall auf meine Kollegen verlassen können“, beschwert sich der alleingelassene Mitarbeiter über die mangelnde Aufmerksamkeit.

Große Sorge bereitet ihm auch die Sommerhitze, denn die Mitarbeiter hätten für den Hofdienst weder die passende Arbeitskleidung noch die Möglichkeit der Trinkwasserversorgung, zum Beispiel durch einen Wasserspender. Am deutlichsten kritisiert er aber den Umgang mancher Sicherheitsleute mit den ohnehin unter Druck stehenden Häftlingen: „Die Insassen haben ja nichts mehr zu verlieren, das wird zu einer ganz explosiven Mischung, wenn die Häftlinge auch noch mutwillig provoziert werden, damit man sie in den Keller (Anm. d. Red.: 1B-Neu) abschieben kann“. Er selber, so seine Aussage, handele nach der Maxime „wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus“ und sei deswegen in seiner bisherigen Dienstzeit auf keine großen Widerstände gestoßen.

Wünschen würde er sich allerdings eine bessere Struktur, denn an klaren Dienstanweisungen oder Informationen mangele es im Regelfall häufig. Ein anderer Mitarbeiter äußert gegenüber dieser Zeitung den Vorwurf, dass er als fachunkundige Person, Medikamente an die Häftlinge verteilen musste, sich für diese Aufgabe aber nicht zuständig sah, sondern die Mitarbeiter des Sanitätsdienstes vor Ort, von den oft aber nur einer anwesend sei. „Ich sollte den Gefangenen ihre Medikamente ausgeben, weiß aber letztlich gar nicht, was ich da eigentlich verteile da mir dafür aus meiner Sicht die Qualifikation fehlt“, sieht er sich mit der Aufgabenstellung überfordert. Zusätzlich deutet er an, dass schwierigen Häftlingen auch mal Medikamente unter das Essen gemischt wurde, wenn sie sich weigerten die Medikamente einzunehmen. Dieser Darstellung widerspricht aber die dafür zuständige Bezirksregierung in Detmold, so wurden laut der Pressestelle weder Medikamente unter das Essen gemischt noch fachfremde Mitarbeiter dafür eingesetzt.
Dass manche Mitarbeiter die Insassen bewusst provozieren würden, bestreitet die Bezirksregierung. Soche Fälle seien ihnen nicht bekannt, so die Pressesprecherin Anja Hegener. Für Fragen der Arbeitskleidung und der Versorgung mit Trinkwasser sieht sich die Bezirksregierung allerdings nicht zuständig. Die nichtsstaatlichen Mitarbeiter oder ihr Arbeitgeber KWS müssten sich darum selber bemühen. Da es in letzter Zeit vermehrt zu Ausbruchversuchen in der Anstalt gekommen ist, werden die Mauern in Zukunft wieder mit Stacheldraht geschützt.