Zuhause bei… Anke Schröder, Superintendentin des Kirchenkreises Paderborn

In ihrem Lieblingssessel vor der breiten Fensterfront kommen Anke Schröder die besten Ideen für ihre Predigten und Vorträge. Aber natürlich schweift der Blick auch mal ins Grüne, oder die Superintendentin gönnt sich ein spannendes Buch.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Wenn die Sonne durch die breite Fensterfront ins Wohnzimmer scheint, hat Anke Schröder, Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Paderborn, die besten Einfälle: In ihrem Lieblingssessel sitzend lässt sie den Blick ins Grüne schweifen, notiert Ideen und Gedanken für Predigten und Vorträge, breitet auf dem Teppich Literatur und Zeitungen aus. „Für kreative Prozesse benötige ich Ruhe. Wenn es geht, verlasse ich dann das Büro und ziehe mich nach Hause zurück. Da bin ich abgeschirmt.“ Abgeschirmt heißt: Das Telefon klingelt weniger häufig, die Tür bleibt geschlossen, auf dem Tisch stehen eine Tasse Kaffee und eine Thermoskanne, manchmal etwas Gebäck, daneben eine sehr kleine, sehr feine, silberne Schildkröte, deren Panzer man hochklappen kann, um Süßstoff zu entnehmen. Alles an seinem Platz.

Ob sie Unordnung nicht ertragen kann? Anke Schröder lacht: „Nein. In meinem Arbeitszimmer nebenan sieht es anders aus, da finde ich manchmal neben meinem Bildschirm kaum noch Platz, um Unterlagen abzulegen. Deswegen ziehe ich bei bestimmten Tätigkeiten mein Wohnzimmer vor. Die Klarheit der Gedanken braucht eine gewisse äußere Ordnung.“ Wenn Anke Schröder von ihrem Sessel aus nicht nach draußen schaut, sondern in ihr Wohnzimmer, verweilt das Auge möglicherweise vor dem Bücherregal. Martin Suter steht dort neben Ulla Hahn, Siegfried Lenz, Michael Ende, dazwischen Krimis, zum Beispiel „Glennkill“ von Leonie Swann. „Hier reihe ich nur die Belletristik auf“, sagt Anke Schröder, „meine Fachliteratur habe ich in der Nähe meines Schreibtisches.“

Lassen zündende Ideen auf sich warten, hilft der Blick in den Garten ebenso wenig wie ein Schluck Kaffee oder ein Stück Schokolade, ist da noch der Liegestuhl auf dem sonnigen Süd-West-Balkon. Ein Modell, bei dem das Fußteil hochklappt, sobald sie Rückenlehne zurückgedrückt wird. Ein bequemes Modell – umringt von Blumentöpfen aus Terrakotta, in denen überwiegend gelbe Blüten wachsen.

Wer nun glaubt, Anke Schröder würde sich beim Arbeiten überwiegend in ihrem Sessel oder auf der Liege ausstrecken, befindet sich auf dem Holzweg. „Das operative Geschäft erledige ich im Büro. Und natürlich habe ich viele Außentermine“, so Schröder. Die Superintendentin betont, dass sie nicht die Verwaltungschefin der evangelischen Kirche im Kreis Paderborn ist: „Ich bin Pfarrerin und das bleibe ich.“ Obgleich die Arbeit „an der Basis“, wie sie das nennt, natürlich deutlich abgenommen hat in den vergangenen sieben Jahren. Denn so lange ist es her, dass sie ihre Gemeinde in Bottrop verlassen hat, um in Paderborn Superintendentin zu werden. Manchmal vermisst sie ihre frühere Aufgabe. „Wer eine Gemeinde leitet, hat größere Chancen, geliebt zu werden.“ Als Superintendentin muss sie Beschlüsse umsetzen, die im Leitungsgremium getroffen werden. Auch Sparmaßnahmen.

Den Kirchenkreis Paderborn gibt es seit 1840; Anke Schröder ist die erste Frau, die in diesem Kreis Superintendentin wurde. Hat sie das Gefühl, von ihren männlichen Kollegen besonders genau beobachtet zu werden? „Nein“, sagt sie spontan und bestimmt, „meine Arbeit wird nach professionellen Kriterien beurteilt. Wenn ich etwas gut oder nicht so gut mache, spielt es keine Rolle, dass ich eine Frau bin.“

Bewerben kann man sich für den Posten als Superintendentin übrigens nicht. Der Nominierungsausschuss sucht gezielt Kandidaten aus und spricht diese dann an. Für acht Jahre wählt die Synode daraufhin die Superintendentin. Kürzlich wurde Anke Schröder gefragt, ob sie sich erneut zur Wahl stellt. „Ich habe zugesagt. Diese Arbeit inspiriert mich nach wie vor. Wenn mich die Synode wählt, bleibe ich Superintendentin.“