Während die Gastronomie mittlerweile wieder ihre Tore öffnen darf, stehen Paderhalle, Theaterbühnen und Galerien leer. Viele freischaffende Künstler bangen derzeit um ihre Zukunft, weil ihre Kunst in Zeiten von Corona nicht mehr präsentierbar ist. Zumindest bis zum 19. Juni: Dann startet die Kultour-Caching-App des Kulturamtes in Paderborn.

Diese App soll Kunst und Kultur im öffentlichen Raum durch “Augmented Reality” erlebbar machen und nebenbei die Kassen der Künstler – zumindest etwas – füllen. Entwickelt wurde die App in Rekordzeit: „Wir haben vor sechs Wochen mit der Entwicklung begonnen. In zwei Wochen soll dann der Startschuss fallen”, freut sich Initiator Stefan Hermanns vom Kulturamt, der alle anderen geplanten Veranstaltungen in diesen Monaten absagen musste und so das entstandene Loch etwas stopfen möchte.

Kultur per App? Corona macht es möglich. In nur sechs Wochen entwickelte das Kulturamt auf Initiative von Stefan Hermanns die Kultour-Caching App, die zumindest etwas über die entgangenen Veranstaltungen hinwegtrösten soll. Foto: Franz Köster

50 Künstler machen zum Start der App mit, die den Nutzer anhand von vier verschiedenen Routen durch die Paderborner Kulturlandschaft führen soll. Möglich machen das Greenscreen-Aufnahmen, die erst im Smartphone mit der Umgebung verschmolzen werden. So soll der Eindruck entstehen, dass der Künstler leibhaftig vor dem Betrachter stände und ein Video, Tonaufnehmen oder Fotos präsentiert. Die eigentliche Magie findet dabei aber nur im Gerät statt. Anhand von Bildplaketten, die durch eine innovative Technik von Computer-Künstler Patrick Hübner codiert werden, können die Videos an verschiedenen Orten entlang der Routen aktiviert werden. „Wir hätten zwar auch einfache QR-Codes verwenden können, haben uns aber dann für diese Möglichkeit entscheidet”, erklärt Hermanns.

Mit Erwin Grosche, Else Mögesie oder auch dem Verein Cheeze e.V. sind bereits einige Hochkaräter mit im Boot. In Zukunft soll das Ganze noch durch geführte Krimitouren von Karsten Strack ergänzt werden.

Aber nicht nur Paderborner sind mit dabei, auch Künstler aus Berlin, Köln und Freiburg. So auch Peter Trabner, der vielen als Gerichtsmediziner Dr. Falko Lammert aus dem Tatort bekannt ist und vor dem Greenscreen in die Rolle des Herrn Richtig schlüpft, ein Security-Mitarbeiter, der nicht für Ordnung, sondern für Chaos sorgt.

Menschen, die derzeit an die eigenen vier Wände gebunden sind oder Lust haben die App zu testen ohne nach Paderborn zu fahren, müssen aber nicht enttäuscht sein: Das Kulturamt lässt Paderborner Haushalten eine Postkarte zukommen, mit der die unterhaltsamen Videos direkt vom Küchentisch gestartet werden können.