Zuhause bei… der Paderborner Autorin Barbara Meyer, die in einer Wohnung voller Bücher lebt

Eine Wohnung voller Bücher: Barbara Meyer in ihrem Arbeitszimmer. Foto: Birger Berbüsse

VON BIRGER BERBÜSSE

Paderborn. Mit dem Katholizismus hat sie es nicht so, aber den freien Blick auf den Dom vermisst sie schon: 30 Jahre lang wohnte die Paderborner Autorin Barbara Meyer buchstäblich im „Schatten des Doms“, um es mit dem Titel ihres ersten Romans zu beschreiben. Vor sechs Jahren zog sie dann von der Hathumarstraße in die Nordstraße um, wo seitdem alle ihre Bücher entstanden sind. Soeben ist ihr fünftes Buch, „Die Schätze des Bischofs“, erschienen.

Fünf Bücher in fünf Jahren

Es ist Barbara Meyers dritter historischer Roman – und damit wieder die Vereinigung all dessen, was die 65-Jährige einst zum Schreiben brachte: Ihr großes Interesse an Literatur und Geschichte. „Ich wollte schon als Kind immer wissen: woher kommen die Stoffe, aus denen unsere Sagen und Geschichten gemacht sind“, erinnert sie sich. Gelesen habe sie schon immer viel und besonders gerne historische Romane: „Wenn Literatur gut gemacht ist, dann kann man in ihr viel Geschichte finden“, beschreibt Barbara Meyer ein Anliegen, das sie heute auch in ihren eigenen Werken umzusetzen versucht. „Man muss Wissen nicht unbedingt erlernen, sondern kann es sich auch mit Spaß anlesen“, glaubt sie.
Ihr eigener Weg führte die in Salzkotten geborene über die Paderborner Schulen auch an die Universität ihrer Heimatstadt, wo sie allgemeine Literaturwissenschaft und Mediävistik, also die Wissenschaft des europäischen Mittelalters, studierte. Denn für dieses Zeitalter hegte Barbara Meyer schon immer besondere Faszination.

Doch bis sie selbst zur Roman-Schriftstellerin wurde, verging noch viel Zeit: Nach einer Anstellung an der Uni arbeitete die mittlerweile Mutter einer Tochter gewordene Paderbornerin als freiberufliche Autorin, verfasste Beiträge für Heimatzeitschriften und Chroniken, Forschungsprojekte, veröffentlichte Publikationen zur Regionalgeschichte und schrieb Familiengeschichten nieder. „Dabei blieb immer etwas übrig, was nicht in das Projekt passte, aber sehr interessant war“, erinnert sich Barbara Meyer. Sie warf nichts weg, sondern hob ihr Material sorgfältig geordnet auf. Und das kommt ihr noch heute zugute.

Denn vor rund sieben Jahren wurde ihr die Landschaft der historischen Romane „langweilig“. Es sei einfach nichts neues dazu gekommen, auch habe sie ihre Heimatregion in der Literatur vermisst: „Zu Paderborn gab es einfach nichts historisch-unterhaltsames“, obwohl doch so viele Geschichten zu erzählen sein. Damals fiel ihr Entschluss, selber tätig zu werden.
Das Material hatte sie ja schon, nun musste sie nur noch den Plot entwickeln. Und dann fing sie an zu schreiben. In nur drei Monaten schrieb sie „Im Schatten des Doms“, der zur Zeit der Rekatholisierung in Paderborn spielt. „Wenn ich schreibe, dann sitze ich auch wirklich die ganze Zeit dran“, gibt die Autorin Einblick in ihre Arbeit.

Die großen Verlage lehnen ihren Erstling – wie erwartet – ab: „Die interessieren sich nicht für Lokales!“ Der kleine Kölner Emons-Verlag hingegen, auf den sie auch gehofft hatte, findet das Werk interessant: „Da liest die Chefin ja auch noch selbst“, schmunzelt Barbara Meyer. 2008 erscheint das Buch schließlich. Sicher, stolz sei sie schon ein wenig gewesen, gibt sie zu, betont aber sogleich: „Aber ich sehe immer noch Sachen, die man verbessern könnte und bin auch schnell wieder beim nächsten Projekt.“ In der Tat: Seit ihrem Debüt hat sie jährlich einen weiteren Roman veröffentlicht.

Reich werde sie mit ihren Honoraren zwar nicht, angewiesen ist sie auf das Geld auch nicht, da sie seit kurzem Rente bezieht. „Ein netter Zuschuss ist es aber schon“, so Barbara Meyer. Ihr geht es beim Schreiben um etwas ganz anderes: Das Schreiben ist ihre große und lebenslange Leidenschaft, der sie treu bleiben will. Außerdem möchte sie ihren Lesern die Historie „spannend und unterhaltsam vermitteln“. Ruhepausen gibt es da kaum: „Mit dem nächsten Buch fange ich jetzt an“, verrät sie. Das wird wieder in der Gegenwart spielen, bevor sie im kommenden Jahr im nächsten Historien-Epos den Dreißigjährigen Krieg behandeln will.

Auch diese Werke werden wohl alle in ihrer 50 Quadratmeter großen Wohnung in der Nordstraße entstehen. „Hier fühle ich mich sehr wohl“, sagt Barbara Meyer – und das sieht man ihr auch an. Drei Zimmer hat ihr kleines, aber feines Heim, doch das sind „Multi-Funktions-Zimmer“, wie sie es nennt. Im Wohn- und Schlafzimmer entspannt sie schon mal gerne auf der Schlafcouch oder liest ein Buch. Am runden Tisch in der Küche informiert sie sich in ihren Zeitungen über das aktuelle Geschehen in Paderborn oder denkt nach. Auch das dritte Zimmer ist geteilt: Im vorderen Teil ist es Wohnzimmer mit Sofa, Tischchen und einem „nicht-gebrauchten Fernseher“. Der hintere Teil, zur Straße raus, wird von ihrem L-förmigen Schreibtisch und den vollen Bücherregalen dominiert. Hier schreibt Barbara Meyer ihre Geschichten – im Sommer zieht sie samt Laptop allerdings auch schon mal auf ihren Balkon und lässt das „kreative Chaos“ ihrer Schreibstube hinter sich.

Vermissen tut sie dort lediglich den Blick auf den Dom, den sie lange Jahre gewöhnt war: „Gerade wenn er beleuchtet ist, schaut er schon lustig aus“, meint sie über das Bauwerk, das in ihren Büchern oft eine große Rolle spielt.