Zuhause bei… Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn

Im roten Sessel vor der Terrassentür die Seele baumeln lassen, über den Tag nachdenken oder ein Buch lesen: Diesen Ort in ihrem Wohnzimmer liebt Dagmar Drüke.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Dagmar Drüke ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn. Sie reagiert komplett entspannt, als die PBamS-Reporterin mit Kind zum Fototermin kommt. Spielzeug ist im Wohnzimmer vorhanden, ein kühles Getränk gibt`s gratis. Während Mama knipst, beschäftigt sich Justus stillschweigend mit sich selbst. Alles ganz locker. „Mütter brauchen individuelle Lösungen“, sagt Dagmar Drüke und nimmt in ihrem Lieblingssessel hinten rechts in der Ecke Platz.

Lieblingssessel hinten rechts in der Ecke

Während sie tagsüber an Arbeitszeitmodellen für Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung feilt, sitzt sie abends in den roten Polstern und denkt über die Organisation ihres eigenen Alltags nach – denn der findet wie bei vielen Frauen zwischen Job und Familie statt. Sohn Max ist jetzt zehn, nach beruflichen Stationen in Bochum und Köln, nach Mutterschutz und Elternzeit ist Dagmar Drüke seit knapp sechs Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt.
Ob sie nach Meetings, Terminen, Konferenzen manchmal fluchtartig das Büro verlässt, um Max beim Kindergeburtstag oder von der Schule abzuholen? Dagmar Drüke lacht: „Nein, ich bin gut organisiert und mein Tag ist von morgens bis abends getaktet. In der Regel passt alles auf den Punkt, hinten raus habe ich manchmal sogar noch ein bisschen Luft.“ Wenn doch mal ein Termin aus dem Ruder läuft, springt die Oma von Max ein. Diese Hilfe sei unbezahlbar, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Und Max findet diese Lösung prima.

Das durchweg weibliche Team der Gleichstellungsstelle besteht aus vier Mitarbeiterinnen, die sich 2,5 Stellen teilen. Alle Stundenmodelle sind dabei. Womit Dagmar Drüke wieder bei den viel gepriesenen individuellen Lösungen ist: „Klar, manchmal müssen wir hier dicke Bretter bohren. Unsere Arbeit setzt sich aus kleinen Schritten zusammen. Oft führen die zu einem guten Ergebnis.“ Soviel sei klar und wissenschaftlich belegt: Zufriedene Mitarbeiterinnen sind leistungsfähig, motiviert und besonders engagiert.

Und die Männer? Für die setzt sich Dagmar Drüke gleichermaßen ein.

„Auch Väter wollen in Elternzeit gehen und nachher in ihren Beruf zurückkehren“, sagt sie und betont, dass es in den vergangenen Jahren immer mehr Männer gibt, die sich Zeit nehmen für die Erziehung ihrer Kinder. Rechte und Pflichten der Arbeitgeber kennt Dagmar Drüke aus dem Effeff.

Als Juristin hat sie sich intensiv mit Arbeitsrecht beschäftigt, beim Kölner Studentenwerk hat sie im Personalbereich gearbeitet. „Da habe ich gemerkt, dass Frauen im Job oft anders agieren als Männer.“ Frauen würden im Vorhinein häufig sehr genau abwägen, was zu schaffen ist, was sich lohnt, was zu viel ist, was gar nicht geht. Auf diese Herangehensweise einzugehen, sei ein wichtiger Aspekt einer geschlechtergerechten Personalentwicklung.
Ihr eigener Arbeitstag sieht entsprechend aus: Auf Hochtouren ackern bis zum Nachmittag und anschließend die Zeit mit ihrem Sohn Max intensiv nutzen – soweit nicht doch noch weitere Termine anliegen.

Am Wochenende hinaus in die Natur

Am Wochenende sieht man die beiden im Haxtergrund oder sonstwo in der Natur rund um Paderborn – denn Max liebt alles, was kreucht und fleucht. Nach gemeinsamen Ausflügen zieht es Dagmar Drüke wieder in ihren roten Sessel. Nicht mit Unterlagen über individuelle Arbeitszeitmodelle, sondern mit einem guten Buch.