Paderborn. Prof. Dr. Matthias Wemhoff beeindruckt mit seiner Rede beim Neujahrsempfang im Paderborner Rathaus.

Mit einem eindrucksvollen Appell, das bauliche Erbe neu zu verstehen, den Denkmalschutz mit Begeisterung zu füllen und sich zu vergewissern, was diese Stadt wirklich ausmacht, begeisterte Prof. Dr. Matthias Wemhoff beim Neujahrsempfang der Stadt Paderborn im Rathaus am Sonntagabend. Vor etwa 250 geladenen Gästen hielt er ein Plädoyer für die Erhaltung der Einzigartigkeit der Stadt, für Unverwechselbares und warnte davor, beliebig zu werden.

Bürgermeister Michael Dreier und seine Frau Beate begrüßten den Festredner des Neujahrsempfangs der Stadt Paderborn, Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte und Berliner Landesarchäologe mit Paderborner Vergangenheit.
Foto: Jens Reinhardt / Stadt Paderborn

Der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie Berliner Landesarchäologe mit Paderborner Vergangenheit verstand es, die Anwesenden für das europäische Kulturerbejahr 2018 zu sensibilisieren. Mit der Erinnerung aus seiner Paderborner Zeit als Leiter des Museums der Kaiserpfalz, in der er auch die Stadtarchäologie in der Paderborn aufbaute, brach er eine Lanze für Paderborn. „Kaum eine andere Stadt hat so viele europäische Bezüge, der Urgrund der europäischen Stadt ist in Paderborn deutlich erkennbar“, so Wemhoff. Den Anwesenden empfahl er, sich zu vergewissern, was diese Stadt wirklich ausmache. Es sei wichtig, dass etwas vom Gedächtnis der Stadt erhalten bleibe. Angesichts des rasanten Baugeschehens in Paderborn mahnte er, dass man einer Architektur eine Chance geben solle, die erinnern möglich mache. Er riet zu einer behutsamen und vorsichtigen Architektur gerade bei Innenstandvorhaben, wie der jetzt bevorstehenden Umgestaltung des Bereiches am Abdinghof.

Bürgermeister Michael Dreier hatte zuvor in seiner Begrüßung eine positive Bilanz des vergangenen Jahres gezogen. „Wir alle können gemeinsam mit 2017 auf ein Jahr zurückblicken, das unsere Stadt vorangebracht hat“, resümierte Dreier. Die Stadt Paderborn entwickle sich nach wie vor sehr positiv. Mehr als 150.000 Einwohner, 22.000 Studierende an allen Hochschulen und die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1992 seien die aktuellen Kennzahlen. Zwar seien dies nur Zahlen, aber das Gesamtbild in der wachsenden, dynamischen und gleichzeitig liebens- und lebenswürdigen Stadt Paderborn erschließe sich in dem täglichen Engagement und im guten Miteinander“, so Dreier.

Als eines der wichtigsten Themen sprach er zunächst über die Flüchtlingskrise, die sich in diesem Jahr deutlich entspannt hätte. Im Vorjahr waren weit über 3.000 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften untergebracht. Der Fokus der Hilfe habe sich von der von einer ersten menschenwürdigen Aufnahme hin zu einer intensiven Hilfe zur Integration verschoben, die von bis zu 600 Ehrenamtlichen unterstützt wird.

Anschließend ging Michael Dreier auf kulturelle Highlights des vergangenen Jahres ein. Darunter nannte er die Eröffnung des Residenz-Museums in Schloß Neuhaus sowie des neuen Stadtmuseums Am Abdinghof und den Bundeswettbewerb „Jugend Musiziert“, der im Juni stattgefunden hatte.
Ein weiteres kulturelles Highlight des Jahres waren die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Paderborn und Le Mans. Ein weiteres tolles Jubiläum gab es auch mit der spanischen Partnerstadt Pamplona. 2018 stehe dann das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Paderborn und Przemysl in Polen an.

Etwa 250 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche, Institutionen, Verbänden und Vereinen der Stadt waren der Einladung des Bürgermeisters zum Neujahrsempfang ins Paderborner Rathaus gefolgt.
Foto: Jens Reinhardt / Stadt Paderborn

Auch die sportlichen Erfolge der Stadt sprach Bürgermeister Michael Dreier an. Allen voran nannte er die Erfolge der Squashmannschaften, der Sprinterin Tatjana Pinto bei der Staffel-Weltmeisterschaft auf den Bahamas und die Meisterschaft der U19-Mannschaft der Dolphins. Auch der SCP sei wieder auf Kurs nach einem turbulenten letzten Jahr. „Wir haben vor den Bayern keine Angst“, nahm Dreier ganz aktuell in seiner Rede Bezug auf die zeitgleich stattfindende Auslosung des DFB-Pokals und drückte dem SCP für diese Begegnung fest die Daumen.

Auch auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt blickte Michael Dreier zurück. Man könne nach wie vor auf einen stabilen Wirtschaftsstandort mit einem breiten Branchenmix, mit kleinen, mittleren und großen Unternehmen stolz sein, resümierte er.
Insbesondere seien hier auch die gute Kooperation von Industrie und Wissenschaft zu nennen und die Universität als Zugpferd sowohl für den Bildungs- als auch für den Wirtschaftsstandort. In diesem Zusammenhang nannte er auch das Erfolgsmodell der Gründerwerkstatt „Garage33“, die im letzten Jahr angelaufen ist. Weiterhin freute sich Dreier, dass das Detmolder Innovationsunternehmen Weidmüller in einen neuen Standort in Paderborn investiert und damit 250 neue Arbeitsplätze in Paderborn schafft.

Um Paderborn als zukunftsfähigen Bildungsstandort auch weiterhin zu fördern, werden in den nächsten Jahren ca 29,7 Millionen Euro in etliche große Baumaßnahmen in der Schullandschaft sowie den Bau neuer Kindertagesstätten investiert. „Diese Investitionen werden auch zukünftig oberste Priorität haben“, sicherte Michael Dreier zu.

Im Anschluss an seinen Festvortrag trug sich Prof. Dr. Matthias Wemhoff ins Goldene Buch der Stadt Paderborn ein. Festlich gestaltet wurde die Seite vom Paderborner Zeichner Egon Hüls.
Foto: Jens Reinhardt / Stadt Paderborn

Weiterhin müsse dann aber auch die räumliche Stadtentwicklung dem Bedarf der wachsenden Großstadt angepasst werden. Große Projekte, die in diesem Jahr fertig gestellt werden, sind die Revitalisierung der Königsplätze sowie der neue Markt- und Domplatz. Aber auch das Thema Konversion wird die Stadt in diesem Jahr strak beschäftigen.

Ein Thema, das die Stadt Paderborn als Querschnittsaufgabe bei allen Aufgaben begleitet hat, sei die Digitalisierung. 2017 sei ein „herausragendes Jahr“ für die digitale Stadtentwicklung gewesen, so Dreier. Mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb zur „Digitalen Stadt“ habe man bewiesen, dass Paderborn eine liebenswerte Stadt mit Tradition, Tatkraft, Zusammenhalt, mit kreativen Ideen, funktionierenden Netzwerken und einer klaren Vision für die Zukunft ist.
Dieses Projekt sowie alle anderen die zur positiven Entwicklung der Stadt beitragen, sie nur möglich durch alle engagierten Beteiligtenaus der Stadtgesellschaft, bedankte sich Bürgermeister Michael Dreier.

Für die musikalische Umrahmung des Empfangs sorgte der 16-jährige Felix Dransfeld am Klavier.