Zuhause bei Detlef Hornstein, der seit 26 Jahren Konzerte mit Musikgrößen in ganz Deutschland veranstaltet

Erholung von seiner Arbeit findet Detlef Hornstein in seinem Bad Driburger Haus bei der Lektüre eines guten Buches und einem ebenso guten Glas Wein. Foto: Birger Berbüsse

VON BIRGER BERBÜSSE

Bad Driburg/Paderborn. Ein „Zufluchtsort“ sollte es sein, in den sie sich zurückziehen können: Das war Detlef Hornstein und seiner Lebensgefährtin wichtig, als sie ihr neues Zuhause einrichteten. Denn in ihren Jobs gibt es einige „Auf und Abs“, sie sind durchaus „nervenaufreibend“: Da ist es wichtig, auch einmal gut entspannen zu können. Detlef Hornstein ist Konzertmanager, mit seiner Agentur „OWL-Konzerte“ holt er die ganz großen Musikstars in die Region und füllt Konzerthallen in ganz Deutschland. Seine Partnerin Antje Ostermann kümmert sich um den Bereich „Kulturelle Veranstaltungen“ in der Paderhalle – und das hat beide auch zusammengeführt und brachte Hornstein aus Deutschlands Norden nach Ostwestfalen. Beide wohnen seit 2007 in Bad Driburg, im Februar bezogen sie dort ihr neues trautes Heim in der Südstadt.

Die Gitarre des Weltstars

Seit 26 Jahren ist Hornstein mittlerweile im Konzertgeschäft tätig. Zu seinem Beruf kam der gelernte Kaufmann „wie ein Fußball-Trainer“: Beide, so Hornstein mit einem Augenzwinkern, könnten nicht besonders gut spielen und wechselten deshalb auf die andere Seite. So war es auch bei dem heute 56-Jährigen. Er begann als Komponist und Texter für einige Bands der Neuen Deutschen Welle. „Das ging dann aber auseinander.“ In Bremen lernte er einen Tourneeveranstalter kennen und landete so im Konzertgeschäft. Hornstein ging nach Oldenburg, wo die Musiklandschaft eher „brach lag“. Er organisierte Konzerte in einem kleinen Club und das war der Anfang von allem: Kurze Zeit später rief er u.a. eine Gastspielreihe im Oldenburger Staatstheater ins Leben. In der Oldenburger Kultur hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert viel getan. „Und ich habe die ersten Schritte mitgemacht“, sagt Hornstein nicht ohne Stolz.

Doch schnell schaute er über „den Tellerrand“ hinaus, was zu einem nicht nur für ihn unvergesslichen Erlebnis führte. Bei Oldenburg waren gut 50.000 amerikanische Soldaten und ihre Familien stationiert, „die kulturell kaum Möglichkeiten hatten“. Also bemühten sich Hornstein und seine Kollegen nach Kräften, den Amerikanern einen echten Weltstar aus ihrer Heimat zu präsentieren. Und nach „vielem Klinkenputzen“ war es 1993 soweit: Die Blues-Legende B.B. King gab ein natürlich ausverkauftes Gastspiel. Und Detlef Hornstein lernte einen „warmherzigen und liebevollen Menschen“ kennen. Denn er holte B.B. King persönlich vom Flughafen ab, kam so mit ihm ins Gespräch, verbrachte den ganzen Tag, einschließlich einiger gemeinsamer Whiskey, mit dem Gitarristen und Sänger, der mit 15 Grammys ausgezeichnet wurde. Der Höhepunkt: King gab ihm vor dem Konzert seine legendäre Gitarre namens „Lucille“ in die Hand und bat ihn, darauf zu spielen. Auch aufgrund dieses Erlebnisses habe ihn die Nachricht vom Tod des Musikers vor einigen Wochen „sehr betroffen“ gemacht, so Hornstein.

Es ist jedoch bei weitem nicht die einzige Anekdote, die der Konzertveranstalter nach über zwei Jahrzehnten im Geschäft erzählen kann. So nahm er Mitte der 90er einen noch recht unbekannten Künstler namens Guildo Horn unter Vertrag. Das erste Konzert fand vor 300 Leuten statt.

Dann kam der Grand Prix-Hype und plötzlich spielte Horn in der Oldenburger Weser-Ems-Halle vor 6.000 Menschen. „Solche Dinge sind bleibend“, erinnert sich Hornstein.

Nina Hagen – „die kennen wir mittlerweile sehr gut“ – verliebte sich in Sheela, den Hornsteins und Ostermanns Hund, und behielt ihn den ganzen Abend auf dem Schoß. „Sie hat ihm sogar ein Ständchen gesungen“, verrät der Konzertmanager. Das war 2010, als er Nina Hagen auf ihrer Kirchentour in fünf Gotteshäusern unterbrachte. Eines davon war in Bad Driburg – „ein richtiges Ereignis“, schwärmt Hornstein noch immer. Dabei wurde auch wieder sein Leitsatz deutlich: „Ich will die Künstler nicht einfach irgendwo hinstellen, sondern ihnen auch außergewöhnliche Auftrittsorte anbieten, die das Publikum elektrisieren!“

Elektrisiert sind auch die Fans, die die Akustik-Konzerte der Abschiedstournee der Puhdys besuchen. 43 sind es an der Zahl, u.a. brachte Hornstein die Band ins Bad Lippspringer Kongresshaus: „Bei ihren Auftritten bekomme ich immer noch Gänsehaut!“ Er lernte die legendäre Ost-Rockband nach dem Mauerfall kennen. Und aus Arbeit wurde Freundschaft. Wie eng, das zeigt der Umstand, dass der Veranstalter, der auch mittlerweile auch als Agent tätig ist, einen eigenen Puhdys-Spitznamen verliehen bekommen hat. Die Bandmitglieder sind ja weitgehend nur unter Spitznamen wie „Eingehängt“ und „Maschine“ bekannt. Weil Hornstein immer Trenchcoat und Hut trug, tauften ihn die Puhdys kurzerhand auf den Namen „Columbo“ (TV-Detektiv).

Das sind die Dinge, die bleiben. Wert auf gemeinsame Fotos oder Autogramme hat Hornstein nie gelegt: „Mir geht es darum, das Publikum und Künstler eine Einheit bilden!“ Wenn ihn das nicht mehr mitreißen würde, dann würde er den Job nicht mehr machen.

Denn der ist wahrlich „nervenaufreibend“ genug. Von 7 bis 18 Uhr sitzt Detlef Hornstein in seinem kleinen Büro, das er sich im gemeinsamen Haus eingerichtet hat. Sein Tag besteht aus vielen Telefonaten, dem Schreiben unzähliger E-Mails, kalkulieren, rechnen, Konzepte erstellen und mit den Künstlern beratschlagen. Und gelegentlich muss er sich auch mit Anwälten beschäftigen, wenn etwa ein vermeintlicher Weltstar wie US-Sängerin Marla Glen Konzerte platzen lässt oder die Auftritte von Skandal-Rapper Bushido („den würde ich aus heutiger Sicht nicht mehr veranstalten“) aus Sicherheitsgründen abgesagt werden müssen.
Danach will Hornstein, der aber selbst im Urlaub drei Stunden täglich arbeiten muss und seit einem Jahr als überzeugter Demokrat für die SPD im Höxteraner Kreistag sitzt, im Feierabend wirklich abschalten können. „Wenn ich aus dem Büro komme, muss ich mich gleich zuhause fühlen.“ Das tut er gerne bei einem guten Buch mit Wein oder gelegentlicher Zigarre.
Mittlerweile hat er auch die Liebe zum Kochen entdeckt – und deshalb das Einrichten der Küche im Haus übernommen, während seine Lebensgefährtin die Federführung im restlichen Haus inne hatte: unter anderem erkennbar an den Bildern zahlreicher Künstler wie auch Udo Lindenberg. Am ruhigen Stadtrand gelegen hat das Paar nun einen großen Garten, der auch ihrem Hund Sheela ausreichend Platz bietet, und in dem sie auch mit Freunden einen schönen Abend verbringen können.

Musik läuft im Hause Hornstein/Ostermann übrigens nur selten: „Ich habe doch so viele Konzerte gesehen, da höre ich oft gar keine Musik mehr.“