Zuhause bei… Fernando, Paderborner Frisör aus Leidenschaft

Abends genießen Fernando Hoffmann und Klaus Flören (v.l.) gern ein gutes Glas Wein. Erst kürzlich schlossen die beiden Männer den Bund fürs Leben.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Fernando Hoffmann (58) fegt für sein Leben gern. „Wahrscheinlich, weil ich Frisör bin“, lacht der Mann, der in seinem Leben schon tausende von Köpfen frisiert hat. Kein Wunder, denn mit 15 begann er seine Ausbildung bei „Herrn Walter im Sauerland“.
Herr Walter ist der Frisör seiner Mutter, jeden Freitag sitzt Klein-Fernando in dessen Salon und frisiert Perücken, während sich seine Mutter schick machen lässt fürs Wochenende – so geht das jahrelang. „Nie im Leben konnte ich mir einen anderen Beruf vorstellen“, sagt er und erinnert sich gut daran, dass auch die Puppen seiner Schwester dran glauben mussten.

Sogar die Puppen der Schwester frisiert

Mit 21 ist Fernando Hoffmann jüngster Handwerksmeister Deutschlands, wenig später macht er sich mit seinem ersten Geschäft in Paderborn selbstständig. Das ist jetzt über 30 Jahre her. Auch privat fegt Fernando nach wie vor mit Begeisterung: den schwarzen Steinboden, der kürzlich zuhause verlegt wurde.

Vor knapp zehn Jahren sind er und sein Partner Klaus Flören (54), Key Account Manager in der Lebensmittelbranche, zusammengezogen. Dass das Mobiliar, wie sie selbst sagen, „zusammengeschmissen“ wurde, ist nicht mehr zu erkennen. Nur wenige Sachen sind auf der Strecke geblieben: eine weiße Recamiere von Klaus und die Katzen von Fernando. „Klaus hat eine Katzenhaarallergie. Der Abschied von Jephta und Jonathan fiel mir schwer, aber es gab keine Alternative“, so Fernando. Er ist froh, dass beide Karthäuser-Katzen bei Nachbarn untergekommen sind. War im Hause Hoffmann-Flören bis vor kurzem alles weiß, haben sich die beiden jetzt für eine Mischung aus Schwarz, Weiß und Braun entschieden. „Das ist hier unsere eigene Handschrift“, sagt Klaus Flören, die Kombination der Farben gipfelt in einem schwarz-weiß karierten Sofa, über dessen Lehne hübsch drapiert das Fell eines tibetischen Schafs liegt. Ansonsten sind den auf Design bedachten Bewohnern Accessoires und Beleuchtung wichtig. „Abends sitzen wir bei gedimmtem Licht, einem guten Glas Wein und Musik im Wohnzimmer und lassen den Tag ausklingen“, sagt Fernando und man nimmt ihm ab, dass es dabei durch und durch kultiviert zugeht. Gegessen wird zu diesem Zeitpunkt nur noch Trennkost: Fisch und Gemüse oder Fleisch mit Salat. Wenn sich Klaus Flören an die Einrichtung der Küche erinnert, schmunzelt er: „Es war mein Part, auf Funktionalität zu achten. Wäre es nach Fernando gegangen, hätten wir eine optisch astreine Küche, die sich jedoch wenig zum Kochen eignet.“ Dabei ist Fernando der Koch: Wenn Gäste da sind, wird stundenlang getafelt. „Wir haben eine sehr praktische Aufgaben-Verteilung“, findet Fernando: „Klaus ist für das Handwerkliche zuständig, ich koche und halte den Haushalt sauber.“
So läuft es zumindest in den vergangenen drei Wochen: Denn Herr Berg, Hausmann von Fernando und Klaus, ist im Urlaub. „Herr Berg ist eine Perle, ohne ihn kommen wir mehr schlecht als recht über die Runden.“ Befindet sich beispielsweise eine bestimmte Krawatte oder ein Jackett nicht an Ort und Stelle, fragt Klaus erst Fernando, der ruft wenig später Herrn Berg an. „Er weiß immer Bescheid“, betont der Hausherr mit Sinn für das strukturierte Aufbewahren aller Dinge des täglichen Lebens.

In wenigen Wochen naht, was handwerkliche Dekorationsideen rund um Weihnachten angeht, der große Auftritt von Klaus: Er hat einen mannshohen Tannenbaum aus Eisenstangen gebaut, die pyramidenförmig angeordnet sind.

7.500 Lichter am Tannenbaum aus Eisen

Wie jedes Jahr wird er ihn im Innenhof des Bungalows aufstellen. 7.500 Lichter leuchten dann vor einem Teich, in dem sich 17 Kois tummeln, drumherum Engel und Tannenzapfen. Noch liegt der Baum zusammengefaltet in der Garage – dort hat ihn Herr Berg verstaut. Ob Klaus, der Jahre zuvor in New York, San Franzisko, Amsterdam und Hamburg Weihnachten feierte und beruflich viel unterwegs ist, schnell in Paderborn heimisch wurde? Oder hat er etwa Heimweh nach der großen weiten Welt? „Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt in Ostwestfalen“, sagt der Food-Manager, „man ist da zuhause, wo der Mensch lebt, den man liebt.“ Diese Liebe haben Fernando und Klaus vor wenigen Wochen amtlich bekräftigt und geheiratet.