Zuhause bei… Elsens neuem Königspaar Gerd und Alexandra Müller

Hier wohnt das Königspaar: Alexandra und Gerd Müllers Haus in Elsen wurde schon kurz nach dem Vogelschießen zum „königlichen Palast“ umgestaltet. Die beiden glücklichen Majestäten sehen dem Trubel ganz gelassen entgegen. Fotos: Birger Berbüsse (2), Müller

VON BIRGER BERBÜSSE

Elsen. Gerd Müller hat eine große Fahne. Seit einer Woche steht der zwölf Meter hohe Mast mit der rot-gelben Königsfahne im Vorgarten seines schmucken Elsener Eigenheims und weist schon von weitem darauf hin: Hier wohnt Elsens neues Königspaar. Denn am vergangenen Sonntag hat sich der leidenschaftliche Schütze aus Überzeugung einen „Herzenswunsch und Lebenstraum“ erfüllt. Mit dem 300. Schuss sicherte sich der 60-Jährige die Königswürde und regiert an diesem Wochenende mit seiner Frau Alexandra.

Nur eine Woche blieb den beiden Majestäten, um sich auf das Fest vorzubereiten und alles zu organisieren. Stress ist aber weder König noch Königin anzumerken, als die PBamS die zwei Elsener in ihrem Haus Am Schrieweshof besucht. Dazu trug natürlich bei, dass sowohl Gerd Müller als Marktleiter des Minipreis wie auch seine Frau Alexandra, die im Erzbischöflichen Generalvikariat arbeitet, von ihren Arbeitgebern aus gegebenem Anlass zwei Wochen Urlaub bekommen haben. „Das war glücklicherweise überhaupt kein Problem“, zeigt sich Gerd Müller dankbar. Denn sonst wären die ganzen Vorbereitungen sowie die fast unzählig erscheinenden Treffen und Besuche kaum zu bewältigen. Doch den Stress lächelt das sympathische Ehepaar einfach weg. Zu sehr freuen sich alle beide über die Erfüllung ihres Traums.

Große Freude: Alexandra und Gerd Müller lassen sich nach dem Vogelschießen feiern.

Nachdem Gerd und Alexandra 2004 erstmals im Hofstaat waren und 2011 das Amt des Zeremonienmeisterpaares übernahmen, ist die Königswürde nun natürlich der Höhepunkt ihrer Schützenkarriere. Und dass es soweit kam, ist gar nicht so selbstverständlich, hatte die gebürtige Paderbornerin doch früher überhaupt gar nichts mit den Grünröcken am Hut.
„Mein Vater war im Krieg und hatte danach einfach eine Abneigung gegen Uniformen und alles Militärische“, erinnert sich die 47-Jährige. Und somit blieb diese Welt auch für sie fremd. Ausgerechnet auf ihrem allerersten Besuch eines Schütenfestes lernte sie dann ihren Mann kennen. Das war 1991 und Gerd Müller schon damals ein engagierter Joppen-Träger. „Am Anfang habe ich mich sehr schwer damit getan“, gibt Alexandra Müller zu. Bis das Ehepaar 2004 in den Hofstaat kam: „Da habe ich dann Feuer gefangen!“ Und so kam die Idee, in diesem Jahr Königspaar zu werden, letztlich sogar von ihr, wie sie lachend berichtet.
Gerd Müllers Schützengeschichte liest sich da natürlich ganz anders: 1972 trat er der „original Paderborner Jung’“ der Königsträßer-Kompanie, 1984 den Kirchborchener Schützen und 1994 schließlich den Elsenern bei. „Überall, wo ich wohnte, bin ich zu den Schützen gegangen“, sagt er und begründet dies mit der starken Gemeinschaft und dem großen sozialen Engagement, mit dem er sich sehr identifiziere.

Bei den Elsenern war er unter anderem Adjutant des mittlerweile verabschiedeten Oberst Helmut Steins und dient dem Verein seit 2010 als 2. Geschäftsführer.

Der Garten mit Teich ist die „kleine Oase“ der Müllers.

Nach Elsen kamen die Müllers über Umwege. Gerd wohnte ursprünglich mit seiner ersten Frau in Borchen. Nach dem Krebstod seiner Frau mit nur 35 Jahren blieb er mit Sohn und Tochter dort zunächst wohnen. Als er dann Alexandra kennen und lieben lernte, wurde es in der Doppelhaushälfte jedoch eng: Sie brachte einen weiteren Sohn in die Ehe mit, ein gemeinsamer Sohn folgte bald: „Wir sind klassisches Patchwork!“, schmunzeln die beiden.
1994 zog die sechsköpfige Familie dann nach Elsen in das damalige Neubaugebiet Am Schrieweshof. „Elsen war mir immer schon sympathisch“, sagt Gerd Müller, der an dem Stadtteil besonders die gute Anbindung schätzt: „Hier braucht man kein Auto!“ Auch sei es eigentlich „wie im Dorf“ und er genieße die gute Nachbarschaft. Bei ihrem Neubau war den Müllers seinerzeit wichtig, dass sie die ca. 150 Quadratmeter „in die Höhe“ bringen konnten. Auf den zweieinhalb Stockwerken bekam jedes der vier Kinder ein eigenes Zimmer. Besonders stolz ist Gerd Müller über die offene Küche („das ist selten in unserer Straße“): So sei die Familie immer zusammen. Im Haus ist die Sofagarnitur im Wohnzimmer der Lieblingsplatz. Wenn es das Wetter hergibt, entspannt das Ehepaar – bis auf den Jüngsten sind die Kinder sind mittlerweile aus dem Haus – aber im Garten. Den bezeichnet Gerd Müller als „unsere kleine Oase“, in der er mit Freude die Goldfische im Teich beobachtet und sich von harten Arbeitstagen erholen kann.

Und nach diesem Wochenende können die beiden Majestäten dort den Erinnerungen an „ihr“ Schützenfest nachhängen.