Zuhause bei… Hans-Dieter und Cäcilia König im Kloster St. Andreas

Haben gut Lachen: Hans-Dieter und Cäcilia König fühlen sich in ihrer neuen Wohnung im Kloster St. Andreas sichtlich wohl. Im Hintergrund ist das Wohnzimmer zu sehen, das direkten Blick auf den Altenbekener Wald bietet. Foto: Birger Berbüsse

VON BIRGER BERBÜSSE

Altenbeken. Sie wohnen im Kloster und sind doch verheiratet. Hans-Dieter und Cäcilia König haben sogar zwei erwachsene Kinder. Denn natürlich sind weder der 70-jährige Hans-Dieter noch seine erst kürzlich 60 Jahre alt gewordene Frau Cäcilia Mönch oder Nonne. Und das Kloster St. Andreas, in dem sie leben und arbeiten, ist nur noch ein ehemaliges Kloster. Dennoch erinnert in dem unter Königs Führung zu einer florierenden Gastronomie gewordenen Gebäude am Altenbekener Wald noch viel an seine ursprüngliche Nutzung.

Eine Gaststätte im Altarraum

Auffälligster „Einrichtungsgegenstand“ ist die Ikonostase im großen Gastraum: Die mit bunten Heiligenbildern (Ikonen) bemalte Holzwand trennte noch bis vor fünf Jahren den Altarraum von der Kapelle ab. Dann wurde das zunächst von orthodoxen Mönchen und später von Nonnen bewohnte Kloster endgültig aufgegeben. Das ehemals „ostkirchliche Zentrum Deutschlands“ lag brach. Bis Hans-Dieter König und seine Frau neue Räume für ihre Firma suchten. Der riesige Bau am Fuße Altenbekens und nur 750 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt, erfüllte alle Voraussetzungen für Lager- und Büroräume sowie Stellplätze. „Aber die Ikonostase wollten wir unbedingt für die Öffentlichkeit erhalten“, erzählt Hans-Dieter König.
Also beschloss das findige Ehepaar, zusätzlich noch eine kleine Gastronomie in dem alten Kloster zu eröffnen. Für Cäcilia ging damit doch noch ein Lebenstraum in Erfüllung: „Ich bin in einer Bäckerei aufgewachsen und habe mir schon immer eine eigene kleine Caféteria gewünscht“, erzählt sie. Und gibt zu: „Das wurde dann aber alles viel größer als wir je gedacht hätten!“

Das ist fürwahr keine Übertreibung: Das Café gibt es zwar immer noch. In den fünf Jahren seit Königs das Kloster übernahmen (im Sommer wurde das Jubiläum mit einem rauschenden Fest gefeiert) kam jedoch noch ein viel größeres Restaurant hinzu. Im Sommer lockt der Biergarten alias Klostergarten. Und im Klosterlädchen können allerhand urige Kleinigkeiten erworben werden sowie der originale Klosterwein oder das Klosterbier.

Inhaberin und Aufseherin dieses immer größer werdenden Klosterbetriebs ist Cäcilia König. Über zuviel Freizeit können sie und ihr Mann, der ja zudem noch seine Marketingfirma führt, sich also nun wirklich nicht beschweren. Die Arbeit bestimmt den Alltag von morgens bis in den späten Abend. Und das an sieben Tagen die Woche, denn Ruhetage gibt es im Kloster St. Andreas nicht. „Es ist sehr wichtig, Zeit füreinander zu haben“, sagt Cäcilia König.

Seit nun knapp sieben Wochen ist das für die vierköpfige Familie endlich etwas einfacher geworden. Denn Königs tauschten ihr Altenbekener Wohnhaus, in dem sie immerhin 26 Jahre ihres Lebens verbracht haben, gegen 70 Quadratmeter Wohnfläche im Kloster. „Das Haus wurde einfach zu groß“, erklärt die aus dem Münsterland stammende gelernte Kauffrau. Jetzt lebt sie also mit ihrem Mann im Kloster. Und auch in den neuen „vier Wänden“ finden sich – wie im offiziellen Teil des Klosters – die Namen von Heiligen an den Türen: „Das ist hier Tradition“, so Hans-Dieter König.

„Wir brauchen gar nicht viel“

Die Kisten haben er und seine Frau noch nicht alle ausgepackt. „Wir brauchen gar nicht mehr so viel“, findet Cäcilia. Sie hat sich mit ihrem Mann dafür ein urgemütliches Wohnzimmer geschaffen, mit flauschigem Teppich, Fensterblick auf den Wald und einem riesigen Sofa, auf dem die beiden nach einem langen Arbeitstag mit Hündin Shiva entspannen. Die Küche ist dagegen nur mit dem nötigsten ausgestattet: „Unten im Restaurant haben wir ja schließlich eine große“, lachen die beiden. Ihre Tocher Ann-Chrsitin, die im Betrieb arbeitet, wohnt ebenfalls im Klosterhaus, Sohn Sebastian ist ins Elternhaus gezogen. Alles nah beieinander also. Und für Königs steht fest: „Diese Wohnung ist es jetzt. Wir sind endlich angekommen.“