Zuhause bei… Hans-Otto Bröckling, Vorsitzender des Schaustellervereins

Hans-Otto Bröckling ist Schausteller in vierter Generation und plant seinen Tagesablauf detailliert. „Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, weiß ich genau, was auf mich zukommt.“

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Nach Libori ist vor Libori. Dazwischen liegen Meilensteine wie die Allerheiligenkirmes in Soest, diverse Weihnachtsmärkte und der Frühjahrssend in Münster. „Ein Karussell ist wie eine Spedition. Die Fahrzeuge müssen laufen, damit sich der Betrieb trägt“, sagt Hans-Otto Bröckling, 1. Vorsitzender des Schaustellervereins Paderborn.

Zuverlässige Kollegen sorgen für den Abbau

Er betreibt seine Fahrgeschäfte in vierter Generation: Timmys Zeitreise, den Warsteiner Pilz (neben der Libori-Kapelle) und ein Märchenkarussell. Demnächst kommt ein Glühweinstand dazu (ersetzt das Büdchen am Rathausplatz), der wie alle anderen Buden individuell von einem Spezialisten in Kassel angefertigt wird.

„Darüber hinaus habe ich ein super Team. Reparaturen an den Fahrgeschäften erledigen meine Mitarbeiter. Es gibt fast nichts, was Marek und Irek nicht können“, betont Bröckling. Die zuverlässigen Kollegen ermöglichen es dem Chef, nach langen Tagschichten, mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen. Im Prinzip habe er für den Beruf eines Schaustellers moderate und familienfreundliche Arbeitszeiten, sagt Bröckling, Vater zweier Kinder. Louis ist 16 Jahre alt und hilft aus, wenn es zwischen Libori und Allerheiligenkirmes eng wird mit dem Auf- und Abbau. Dem kleinen Theo (3) hat Hans-Otto Bröckling im Wohnwagen hinter dem Märchenkarussell ein Hochbett bauen lassen. So kann der Kleine ungestört sein Nickerchen halten, wenn er über Mittag auf dem Liboriberg ist.

Zwölf Stunden am Tag hat Hans-Otto Bröckling eine kunterbunte Glitzerwelt um sich herum. Wenn er abends in sein Haus im Paderborner Süden kommt, schätzt er die Ruhe und die Abgeschiedenheit. Im Sommer bevorzugt er für das Abendessen die mit breiten Holzpaneelen ausgelegte Dachterrasse; vorher gießt er mit Hingabe die Blumen, freut sich über den Rasen, der akkurat geschnitten ist und wirft noch schnell einen Blick ins Gartenhaus und in die Grillecke. Hans-Otto Bröckling mag es, wenn alles an seinem Platz ist und Ordnung herrscht. „Aber ich bin nicht pedantisch. Wenn Besucher kommen, finde ich das schon gut, wenn sie ihre Schuhe vor der Tür ausziehen. Aber ich würde niemals versuchen, das gegen den Willen eines Gastes durchzusetzen.“

Zu dem ordentlichen Wohnzimmer, das in Braun und Beige gehalten ist – Kerzen überall, der Rahmen des breiten Spiegels passt zur Farbe der Ledercouch, die Tischdecke harmoniert mit den Hussen, die die Essstühle zieren – passt auch sein organisiertes Herangehen an die morgendliche Routine: Damit weder Schlüsselbund noch Visitenkarten fehlen, wenn er sich auf den Weg macht, liegt alles in einem Leinenbeutel bereit, der wiederum hängt am Treppengeländer, an dem Bröckling auf jeden Fall vorbei muss, bevor er in den Hausflur tritt und seine Schuhe anzieht. Will Hans-Otto Bröckling am Abend frische Blumen mit nach Hause bringen, hat er vorher recherchiert, wie lange das Blumengeschäft – das selbstverständlich auf seinem Heimweg liegt – geöffnet hat. Gute Vorbereitung liegt ihm am Herzen. „Ich bin Inspektor Vorsichtig“, schätzt Bröckling sich nüchtern selbst ein und grinst dabei. Damit sein Tagesablauf von vorne bis hinten funktioniere, sei eben bereits am Abend vorher alles durchgetaktet.

Die Söhne haben vermutlich andere Pläne

Hans-Otto Bröckling, bekennender Sakko-Träger, hängt an seinem Zuhause. „Ab und zu muss man sich quälen, um es in seiner gewünschten Form zu erhalten, das gehört dazu. Zum Beispiel in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wenn keiner weiß, wie die Geschäfte zukünftig laufen“, sagt er und betont, dass ein im Laufe der Jahre gewachsenes und perfektioniertes Haus die Liebe dazu festigt und der Familie Halt gibt. Deswegen mag er es, hier und da Details zu verbessern. Handwerkliche Tätigkeiten oder Gartenarbeit gehören für ihn dazu. Doch viel Zeit bleibt dem Vollblut-Paderborner (möchte nirgends anders leben) nicht für diese Dinge. Ob einer seiner Söhne das traditionelle Familienunternehmen übernehmen wird? „Das zeichnet sich eher nicht ab“, sagt Bröckling, ohne dabei wehmütig zu klingen, „wenn es soweit ist, werde ich verkaufen. Da bin ich schmerzfrei“.