Zuhause bei… Heike Käferle, Paderborner Unternehmerin und Pilotin

Heike Käferle ist Geschäftsführerin und Chefin von 60 Mitarbeitern, sie hat auch am Wochenende ihre Mailbox im Blick.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Heike Käferle sitzt in ihrem Esszimmer und lehnt sich entspannt zurück. Dabei blickt sie über den Bildschirm ihres Laptops, schaut etwas skeptisch Richtung Wohnzimmer. Sekunden später heben sich ihre Mundwinkel zu einem breiten Grinsen. „Seit drei Jahren wollen mein Mann und ich das Wohnzimmer renovieren.“ Das hört sich so an, als könnten noch weitere drei Jahre vergehen, bevor diese Idee in die Tat umgesetzt wird. Für Heike Käferle ist das kein Problem, die Geschäftsführerin des Software-Unternehmens „Team“ ist es gewohnt, Prioritäten zu setzen. „Wir haben mit der Küche angefangen. Die war uns wichtiger und da wussten wir auch genau, was wir wollten.“

Mittendrin eine Kochinsel

Für die Küche wurde sogar angebaut. Denn Heike Käferle und ihr Mann kochen für ihr Leben gern – und zwar nach den Regeln der „molekularen Küche“. Deswegen steht auch ein stattlicher, glänzender Vakuumierer auf der Kochinsel in der Mitte des Raums. Der deutet daraufhin, dass Heike Käferle und ihr Mann keine halben Sachen machen. „Wer molekular kochen will, benötigt das richtige Equipment“, so Käferle, die den Sachen gerne auf den Grund geht. Denn molekular kochen heißt unter anderem: Lebensmittel werden in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen. Das liegt der Mathematikerin, die voller Abenteuerlust steckt.

Diese Charaktereigenschaft brachte sie vor etwa zehn Jahren zur Fliegerei. Seit wenigen Monaten ist sie Vizepräsidentin der „Vereinigung Deutscher Pilotinnen“. Zu den regelmäßigen „Fly-ins“ treffen sich Frauen, die sich was trauen. „Macherinnen eben“, sagt Heike Käferle ganz unprätentiös. „Mein Mann und ich haben ein Jahr lang gechartert, bevor wir uns ein eigenes Flugzeug gekauft haben“, so die Pilotin. Der Grund für diese Entscheidung ist simpel: „Bei gutem Wetter war unsere Maschine immer schon weg“. Jetzt sind Heike Käferle und ihr Mann unabhängig. Allerdings nicht vom Wetter. Um nach England zu kommen, brauchten sie zwei Anläufe. Die Rucksäcke waren gepackt – dann zogen Regenwolken und Sturm auf. „Da mussten wir bis zum nächsten Urlaub warten“, erzählt Käferle, die von derlei ungeplanten Entwicklungen unbeeindruckt bleibt. Ein Ultra-Leichtflugzeug kauft man von der Stange, individuelle Wünsche werden nachgerüstet. Bei Heike Käferle war das zum Beispiel ein Fenster zum Fotografieren, ein weiteres Hobby.

Womit man unweigerlich wieder bei der Renovierung des Wohnzimmers landet. Dort steht derzeit eine professionelle Studioleuchte, erstanden auf der Photokina in Köln. Deren Licht erhellt die Winkel des zweigeteilten Raums. Ansammlungen unterschiedlicher Bergkristalle und Amethysten stehen dort, Flugzeugmodelle, Stapel von Noten neben einem Klavier, Fototaschen. Vermutlich verschwindet diese Leuchte, wenn das Wohnzimmer erst neu eingerichtet ist.

Ein wenig mitleidig blickt Heike Käferle auf die Pflanzen, deren Blätter zum Teil schlapp herunterhängen: „Es gibt eben Dinge, die zu kurz kommen.“ Da wären sie wieder, die Prioritäten. Und die liegen in diesem Fall im Garten: Im Sommer schnippeln Heike Käferle und ihr Mann Gemüse und Salat aus akkurat gepflegten Beeten in ihrer molekularen Küche. Bis das Wohnzimmer renoviert wird, finden Parties dort statt. Heike Käferle: „Zehn Leute passen in die Küche. Und wenn der Vakuumierer seinen neuen Standplatz im Keller hat, können die Gäste ihre Teller auf der Kochinsel abstellen. Das ist doch praktisch. Wozu brauchen wir ein Wohnzimmer?“