Zuhause bei… Heinrich Heggemann, Kreishandwerksmeister aus Bad Lippspringe

Kreishandwerksmeister Heinrich Heggemann aus Bad Lippspringe stochert schon morgens den Kaminofen im Wohnzimmer an. Ist er unterwegs, übernimmt den Job seine Frau. Der Kamin wurde im Sauerland gefertigt.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Die Nordmanntanne von Heggemanns steht möglichst weit entfernt vom Kamin. „Sonst würde sie nach zwei Tagen heftig nadeln“, sagt Elektromeister Heinrich Heggemann (62). Geschmückt wird der Weihnachtsbaum erst am Heiligabend – das ist der Job der Kinder. Die 36-jährge Anja reist dafür eigens mit ihrem Mann aus Münster an, Sohn Bastian (29) wohnt nebenan und kommt mit seiner Freundin zum vorweihnachtlichen Happening.

Immer für die Kunden da

Mutter Mechthild Heggemann steht derweil in der Küche und bereitet das Festmahl vor. Das Telefon bleibt stets griffbereit, auch wenn die Geschenke ausgepackt werden und der Braten auf dem Tisch dampft. Heinrich Heggemann: „Wir sind Kundendienststützpunkt für Miele. Und als reines Kundendienstunternehmen sind wir auch Heiligabend erreichbar.“ Den Servicecharakter seines Betriebs nimmt Heinrich Heggemann ernst. Aus diesem Grund hat er sich seit seiner Selbstständigkeit 1977 gegen einen Mittagschlaf entschieden. Obwohl die gemütliche grüne Couch nur einen Treppenabsatz von seinem Büro entfernt ist. „Natürlich bin ich mittags zuhause und esse gemeinsam mit meiner Frau. Aber für ein Nickerchen auf dem Sofa fehlen die Ruhe und die Zeit“, sagt Heggemann. Dafür sieht er die Vorteile kurzer Wege zwischen Job und Familie. „Ich kann auch samstags mal eben ins Büro und dringenden Papierkram erledigen.“ Seit wenigen Wochen ist Heinrich Heggemann, der jahrelang Obermeister der Fachinnung Elektrotechnik war, Kreishandwerksmeister: eine ehrenamtliche Aufgabe, die er in den kommenden fünf Jahren ausüben wird. „Ich habe das mit Mechthild vorher detailliert besprochen. So ein Amt kann man nur ausüben, wenn man den Rückhalt der Ehefrau hat.“

Er nennt sie liebevoll „Chefin“, das bezieht er nicht nur auf das „Regiment“ zuhause, sondern auch im Betrieb. Denn Mechthild Heggemann erledigt seit Jahren die Buchhaltung von „Heinrich Heggemann Elektroinstallation“ und nun wird sie als Gattin des Kreishandwerksmeisters die 1.400 Mitgliedsbetriebe mit repräsentieren.

Sind die beiden für sich, sitzen sie im Sommer gerne in ihrem Garten und grillen, im Winter rücken sie vor dem Kamin im Wohnzimmer zusammen. „Das ist wichtig für uns: mal die Seele baumeln lassen und entspannen.“ Im Urlaub machen sie das gerne in ihrem Lieblingshotel in Westerstede. Vor wenigen Tagen hat Heinrich Heggemann seine Frau dorthin eingeladen – eine Überraschung zu ihrem Geburtstag. „Sie wusste morgens noch nicht, wo wir mittags zum Essen sind. Eine Woche haben wir uns gegönnt. Das war herrlich“, sagt Heggemann und weiß diese freien Tage ohne Telefonanrufe zu schätzen. Sein Sohn Bastian, der im Betrieb eines Kollegen gelernt hat und danach ins Familienunternehmen eingestiegen ist, führt derweil die Geschäfte. Seine Eltern freuen sich, dass er diesen Weg eingeschlagen hat. „Alles andere wäre aber auch okay gewesen. Wir haben da nie Druck ausgeübt“, sagt der Vater.

Neben dem Werkeln rund um den Kamin hat Heinrich Heggemann ein weiteres Hobby, das er jedoch nur im Winter ausüben kann: Sobald der erste Schnee liegt, sitzt der Elektromeister auf seinem Aufsitzrasenmäher mit Schneepflug und räumt die Gehwege vor dem eigenen Betrieb und die der Nachbarn, außerdem den großen Parkplatz vor den Garagen. Heggemann lacht: „Meine Frau muss mich manchmal regelrecht bremsen. Es ist aber auch zu schön, auf dem Aufsitzmäher zu sitzen!“

Nachbarn sind fein raus

Die Nachbarn finden diese Leidenschaft prima, sobald am Aufsitzmäher etwas zu reparieren ist, stehen sie Heinrich Heggemann mit Werkzeug und Know-how zur Seite.
Zukünftig will Heinrich Heggemann im Betrieb noch mehr delegieren. Sein Sohn hat ein kompetentes Team, auf das er sich verlassen kann. Vorerst genießt die Familie die Weihnachtstage, die Lichter am Baum sind natürlich elektrisch.