Zweieinhalb Jahre ist Frank Wolters mittlerweile als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung (WFG) im Amt. Als guter Netzwerker kämpft er an vorderster Front für die heimischen Unternehmen, scheut sich dabei aber auch nicht einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Fast wäre Wolters den Paderbornern verloren gegangen. In Neuss, am Niederrhein, wo er herkommt, wollte er Bürgermeister werden, zog die Kandidatur in letzter Sekunde jedoch zugunsten seiner neuen Heimat zurück. Im Gespräch spürt man noch eine gewisse Sehnsucht, wenn er über die rheinische Mentalität mit ihrer entwaffnenden Direktheit spricht, es kommt aber zu keiner Sekunde Zweifel auf, dass sich der begeisterte Läufer und Rennradfahrer voll auf Paderborn eingelassen hat. In der kommenden Woche wird er die Stadt in München repräsentieren. Auf der Expo Real, der größten Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa, will er den Experten die Stadt an Pader schmackhaft machen. Wir haben mit Frank Wolters im Vorfeld gesprochen.

Herr Wolters, wie würden Sie einem möglichen Investor in München die Vorzüge Paderborns in nur zwei Sätzen erklären?

Frank Wolters: So ein kurzes Gespräch würde tatsächlich nicht stattfinden. Paderborn mit seiner bunten, aber kleinteiligen wirtschaftlichen Mischung ist ein erklärungsbedürftiges Produkt. Natürlich gibt es auch offensichtliche Vorzüge, wie eine gute Infrastruktur mit einem regionalen Flughafen, Zugang zu gut ausgebildeten Fachkräften der Universität oder aus der Dualen Ausbildung sowie Vorreiterprojekten wie dem Technologiepark. Darüber hinaus gibt es aber auch einige weiche Standortfaktoren, wie die blühende Kulturszene, für die in der Alanbrooke-Kaserne ein Kreativquartier entstehen soll. Am Ende muss klar werden, wofür der Standort Paderborn eigentlich steht.

Wo steht Paderborn denn aktuell? Der Flächenbedarf für wachsende Unternehmen kann ja im Moment nur schwierig bedient werden.

Wichtig sind vor allem transparente und nachvollziehbare Abläufe in der Verwaltung.

Frank Wolters, WFG

Es gibt in der Tat zu wenige Flächen in der Stadt, zumindest im direkten Zugriff durch die Stadt. Umso gespannter sind wir auf die Entscheidung des Verteidigungsministeriums bezüglich der Nutzung des Barker-Areals. Diese Flächen wären für eine Weiterentwicklung der Stadt, aber auch der Universität, enorm wichtig. Darüber hinaus gibt es noch einige Grundstücke in privater Hand, die möglicherweise vermittelt werden könnten.

Wie kann die Stadt die Unternehmen dabei unterstützen?

Wichtig sind vor allem transparente und nachvollziehbare Abläufe in der Verwaltung. Verbindlichkeit in der Ansprache erzeugt Vertrauen zwischen den Kunden, also den Unternehmen, sowie der Stadt. Auf der Verwaltung lastet ein hoher Druck, sicher gibt es aber an der ein oder anderen Stelle noch Veränderungsbedarf. Die Stadt könnte agiler auftreten.

Was bedeutet denn agil?

Ich habe vor zweieinhalb Jahren damit begonnen, die Arbeitsweise der WFG umzustellen. Ich habe kein eigenes Büro mehr, sondern wechsele je nach Anlass den Arbeitsplatz. So stehe ich in ständiger Kommunikation mit meinen Kollegen. Die Wege sollen kurz, die Hierarchieebenen flach sein. Kein Mitarbeiter sollte Angst haben, seine Ideen vorzustellen. Als Chef muss ich auch selbst hinter der Sache zurückstehen. Wenn eine Idee das Unternehmen nach vorne bringt, dann setzen wir das um – selbst wenn ich persönlich damit nichts anfangen kann.

Wie erklären Sie das einem Unternehmer alter Schule, der es gewohnt ist, alles allein zu entscheiden?

Wir können natürlich niemandem ein solches Modell überstülpen. Aber in unserem Arbeitskreis Führung gehen wir auf das Konzept der „agilen Führung” ein und bringen das Thema den Unternehmen so näher. Ob eine Firma das dann so umsetzt, ist ihre Entscheidung.

Kann es sich ein Unternehmen in Zukunft überhaupt noch erlauben, nicht auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren?

Der Wirtschaft wird ja eher ein Abschwung prophezeit. In Paderborn sind wir aber breit aufgestellt und können dabei helfen, die Standortbedingungen zu schaffen, die es für eine gute Unternehmung braucht. Insgesamt bin ich aber eher optimistisch, was die Lage der Wirtschaft angeht.

In der Debatte über den Klimaschutz würde ich mich aber über objektivierbare, über konkrete Fakten freuen

Frank Wolter, WFG

Die Klimapolitik ist aktuell ja ein großes Thema. Bürgermeister Michael Dreier traf sich erst kürzlich mit Vertretern von Fridays For Future. Ist das auch ein Thema für die WFG?

Paderborn soll bis 2035 CO2-neutral werden, das unterstützen wir. In der Debatte über den Klimaschutz würde ich mich aber über objektivierbare, über konkrete Fakten freuen, statt zusammenhangslos in den Raum geworfene Zahlen, die niemand nachvollziehen kann.

Dann werden wir mal konkret: Macht es Sinn, die Bushäuschen in Paderborn aufwendig zu begrünen, anstatt für das gleiche Geld einen Acker zu kaufen und diesen dann insektenfreundlich zu bepflanzen?

Vieles spricht auf den ersten Blick natürlich für den Acker, aber das kann ich so spontan jetzt auch nicht berechnen. Viel wichtiger als diese Einzelmaßnahmen, die im Zweifel wirklich nur als Placebo wirken, sind aber kommunale Konzepte, die nachweisbar klimaschützend sind.

Wie bringen Sie den Unternehmen das Thema näher?

Wir werden in nächster Zeit auf die Unternehmen zugehen und besprechen, wo es im Einzelfall etwas zu verbessern gibt. Das können innovative Wärmekonzepte, wie zum Beispiel bei Benteler, sein, aber auch das Jobticket, welches den Arbeitnehmern günstigen Zugang zum ÖPNV gewährt. In jedem Fall ist das immer eine Abwägungssache. Nicht jede Maßnahme ergibt für jedes Unternehmen Sinn.

Vielen Dank für das Gespräch!

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