Politiker könnten sich auch leichtere Ziele stecken: Aber wenn es nach dem ehemaligen Paderborner Arzt und heutigen EU-Parlamentarier Dr. Peter Liese (54) aus Meschede geht, soll die Krankheit bald besiegt werden: „In 20 Jahren soll niemand mehr an Krebs sterben”, so die ehrgeizige Absicht des Abgeordneten. Das sagte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im europäischen Parlament am Montag der Paderborn am Sonntag. Zuvor hatte der 54-Jährige das St.-Vincenz-Krankenhaus besucht. Dort war Liese in den 1990er Jahren als Arzt auf der Kinderstation tätig, bevor er 1994 ins Parlament nach Brüssel wechselte. Liese, der eigentlich für den Wahlkreis Südwestfalen zuständig ist, betreut seit 2019 auch Paderborn, weil es den Christdemokraten im vergangenen Jahr nicht gelungen war, einen eigenen Kandidaten aus OWL ins europäische Parlament zu entsenden.

Gemeinsam mit (von links) Dr. med. Hubert Scheuerlein, Prof. Dr. ­Michael Patrick Lux, Dr. Josef Düllings und Daniel Sieveke will sich Dr. Peter Liese (2. von rechts) für eine stärkere europäische Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Krebs einsetzen.

Für Peter Liese ist der Kampf gegen Krebs nach eigenen Angaben auch eine persönliche Auseinandersetzung. „Mein bester Freund starb mit nur 46 Jahren an dieser heimtückischen Krankheit”, sagt Liese. Unterstützung bekommt er dabei von Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, dessen Bruder an Krebs starb. Für Liese ist klar, dass die schwere Erkrankung, an der im vergangenen Jahr europaweit 1,4 Millionen Menschen starben, nur durch intensive Zusammenarbeit aller Unionsländer besiegt werden könne. „Bei vielen Krebsarten ist die Datenlage so gering, dass wir auf den Austausch mit anderen Ländern in Forschung und Behandlung angewiesen sind. Bei hohen Fallzahlen ist das Behandlungsergebnis besser”, erklärte Liese, der auch bei der medikamentösen Behandlung den Austausch mit anderen Ländern fördern möchte. „Ein Medikament kann die Lebenserwartung in Frankreich nicht um zwei Jahre verlängern, während in Deutschland nur zwei Monate erreicht werden”, sagt Liese, der unterschiedliche Heran­gehensweisen bei Arzneimittelstudien für die hohen Diskrepanzen verantwortlich macht. Eine einheitliche europäische Krankenversicherung könne sich Liese zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht vorstellen, aber auch bei der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung will der Politiker Fortschritte erreichen. Dabei beunruhige ihn der Brexit, der an diesem Freitag vollzogen werden soll. Liese: „Wenn dieses Problem nicht im Ausstiegsvertrag geregelt wird, könnten die englischen Mitbürger, die in Deutschland bleiben, auf größere Probleme stoßen.“