Zuhause bei… Jürgen Plato, dem Kanzler der Paderborner Universität

Am Teich sitzen und die Fische beobachten, dabei die frische Luft einatmen und seine zwei Hunde streicheln – so einen Feierabend in seinem idyllischen Garten liebt Jürgen Plato.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Wer Kanzler ist, muss manchmal Entscheidungen treffen, die wenig populär sind. „Kompromisse sind gut, aber manchmal kommt man um ein Machtwort nicht herum“, sagt Jürgen Plato (65), der seit sechs Jahren Kanzler der Universität Paderborn ist.
Von dem Trubel rund um ein Machtwort erholt Jürgen Plato sich im Garten.

„Im Sommer verlegen wir das Leben nach draußen“

Die Hunde sitzen an seinen Füßen, der Blick schweift über den Fischteich, er liebt die frische Luft. „Im Sommer verlegen wir unser Leben nach draußen“, sagt der Uni-Kanzler und betont, dass seine Frau und er diese Oase selbst angelegt haben.

Auf dem 1.000-Quadratmeter-Grundstück ist Platz für zwei Terrassen, einen Strandkorb, einen Steg und ein Gartenhäuschen. Die Idylle wird von Helga Plato (56) gepflegt, denn die Zeit ihres Mannes ist knapp. Manchmal kommt er abends mit einem Stapel Akten nach Hause. Davon ist sie nicht begeistert. „Dann muss Helga nach dem Abendessen mit den Hunden alleine raus“, sagt Jürgen Plato und man kann hören, dass ihm das leid tut. Das Ehepaar liebt gemeinsame Spaziergänge. Unter anderem deswegen sind die Platos ins Grüne gezogen – stadtnah. „Darauf könnte ich nicht verzichten“, betont Plato.

Auch nicht auf die Nachbarn, auf Libori oder das Wohnmobil. Mit Blick auf die Pensionierung wurde ein neues Modell angeschafft – acht Meter lang. „Endlich genug Platz für zwei Erwachsene und drei Hunde“, strahlt der Uni-Kanzler.

Er bevorzugt Reisen nach Frankreich, Skandinavien und Polen. Demnächst wird es ab und zu an die Ostsee gehen. Dort wird zur Zeit das alte Fischerhaus der Mutter, ein reetgedecktes Fachwerkhaus, renoviert. Hört sich so an, als sei alles vorbereitet für den Ruhestand: Es gibt Hobbies, Pläne, konkrete Projekte.

Mindestens ebenso viele Projekte verbergen sich unter den Papier-Stapeln auf seinem Schreibtisch. „Bis 2013 wird an der Uni noch einiges gebaut. Wir bereiten uns auf den Doppeljahrgang vor“, so der Verwaltungschef der Uni. Neben den fünf Gebäuden, die in diesem Jahr fertig werden, wird an der Warburger Straße ein weiteres neues Gebäude geplant, zudem sollen die Mensa und die Bibliothek vergrößert werden und auch neuer Parkraum wird geschaffen.

„In den kommenden zwei Jahren ist noch viel zu tun“ betont Plato und weiß jetzt schon, dass er das alles vermissen wird, wenn er die Uni verlässt.

„Ich mache das hier mit Leidenschaft. Bei manchen Entscheidungen habe ich Herzklopfen.“ Er freut sich, dass die Verbundenheit zwischen Stadt, Uni und Bevölkerung in den vergangene Jahren ständig gewachsen ist. „Die Paderborner sprechen von ‚unserer Uni‘, das ist doch positiv!“

Fast möchte man glauben, man habe einen waschechten Paderborner vor sich. Hat man aber nicht. Plato wurde in Oldenburg/ Holstein geboren, mit seinen Eltern und den drei Brüdern zog er Richtung Kassel, später nach Darmstadt, Worms und Marl. Sein Vater, ein Ingenieur, bekam bei den Chemiewerken Hüls, heute Evonik, einen Job.

Der Kanzler liebt den Geruch von Kohle

„Ich habe diesen Geruch von Staub, Chemie und Kohle noch in der Nase. Ich habe das geliebt“, erinnert sich Plato gerne an Sonnenuntergänge vor industrieller Kulisse. Studiert hat er in Bochum: Sozialwissenschaften, Schwerpunkt Hochschulentwicklung. In diesem Bereich ergattert er seinen ersten Job und wird Leiter der Planungsstelle an der Universität Trier. Als aber das Angebot kommt, nach NRW zu wechseln, freut sich Plato. Mit diesem Bundesland verbindet er Fortschritt, Industrie, Entwicklung, Fußball, Veränderung. Und genau diese Prozesse sieht er auch in Paderborn, der Stadt, in der er verwurzelt ist.