Zuhause bei… Manfred Müller, Landrat des Kreises Paderborn

Geblümte Tasse, geblümte Tischdecke – auf diese Details achtet die Ehefrau von Manfred Müller. Die gemeinsame Wohnung haben sie vor anderthalb Jahren eingerichtet. Dass hier und da noch Lampen und Bilder fehlen, stört beide nicht.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Manfred Müller (50) ist gut organisiert. Sonst müsste er angesichts seines Terminkalenders kapitulieren. Gegen 8.15 Uhr morgens fährt der Landrat mit dem Fahrrad zum Verwaltungsgebäude an der Aldegreverstraße. „Meinen zeitlichen Puffer für aktuelle Termine habe ich vor 10 Uhr. Zwischen acht und neun Uhr bin ich, wenn keine Geschäftsreise ansteht, flexibel. Da findet sich immer eine Lücke.“ Gestresst wirkt Manfred Müller keineswegs, um 8 Uhr in der Früh war er bereits zwölf Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs oder er ist einen Kilometer durch die Schwimmoper gekrault: „Sport ist mir wichtig. Da bekomme ich den Kopf frei.“

Prioritäten setzen

Natürlich müsse man Prioritäten setzen, wenn man einen Termin nach dem anderen abarbeite. Während er frischen Kaffee eingießt, wandert sein Blick vom Esstisch aus durch das Wohnzimmer. Manfred Müller lacht: „Hier fehlen noch Bilder und Lampen. Da sind wir ein bisschen langsam.“ Seit anderthalb Jahren wohnt er mit seiner Frau in der Wohnung mitten in der City, natürlich stehen die Bücher ruhend in den Regalen, die Küche ist perfekt. „Es sind die kleinen Details, an denen es hapert“, sagt Müller und hat noch gar nicht bemerkt, dass die Topflappen zur Tischdecke passen. „Das hat wohl meine Frau arrangiert“, erstaunt blickt er Richtung Kühlschrank, neben dem akkurat die Utensilien hängen, die man beim Kochen benötigt.

Dass es letztlich gar keine Rolle spielt, ob der Kronleuchter zur Stehlampe und der Teppich zum Sofa passt, hat Manfred Müller das Leben gelehrt.

„Man bekommt einen anderen Blick auf das Leben“, betont er, als er vom Tod seiner ersten Frau erzählt. Sein Leben lang habe er fest auf zwei Beinen gestanden: Familie und Job. „Als das eine Bein brach, stand ich stabil auf dem anderen. Irgendwie musste es weitergehen. Unsere Tochter war damals 16 Jahre alt.“ Es ging weiter, jedoch mit erhöhter Sensibilität. „Anonymität und Einsamkeit sind Probleme, die in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind. Integration ist für mich ein ganz wichtiges Thema“, so Müller, der in interkultureller Kompetenz eine entscheidende Schlüsselqualifikation sieht: „OWL wird zukünftig nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen offen sind für Internationalität.“

Er selbst ist in Atteln geboren, hat seine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt an der Hochschule in Soest absolviert, war danach als Referatsleiter tätig, als Geschäftsführer der Lippesee-Gesellschaft und als Bürgermeister von Lichtenau. Seit 2004 steht er als Landrat an der Spitze der Kreisverwaltung und der Kreispolizeibehörde. „Ich bin bodenständig, habe aber immer den Blick über die Grenzen hinaus“, analysiert er sich schlicht selbst. Diese Bodenständigkeit hat vor Jahren seinen Patenonkel dazu bewogen, dem Patenkind eine mehrere hundert Jahre alte Truhe aus dem Haus des Großvaters zu überlassen: „Er konnte zu jedem Zeitpunkt davon ausgehen, dass die Truhe in der Region bleibt.“ Manfred Müller verspürt eine große Verbundenheit zu den Menschen in OWL. Deswegen fällt es ihm leicht, als Repräsentant des Kreises Hände zu schütteln, Reden zu halten, zuzuhören, Konzepte zu konkretisieren, Visionen zu entwickeln.

Abends, wenn er nach Hause kommt – oft spät – passiert folgendes: „Ich versuche, den Job draußen zu lassen, meine Familie ist dann vorrangig.“ Seine Familie, das sind seine Ehefrau, mit der er seit eineinhalb Jahren verheiratet ist, das Kind seiner Ehefrau, seine eigene Tochter mit Enkeltochter und seine Mutter, die seit einem Jahr Witwe ist und ihren Sohn jetzt besonders braucht.

Deep Purple aufdrehen

Der Blackberry ist abends und nachts auf Vibration gestellt, in ganz dringenden Fällen wissen die Mitarbeiter von Feuerwehr und Polizei, wie sie ihren Chef erreichen können. Manfred Müller genießt es, in einer Wohnung zu wohnen, in der er keine anderen Mieter stört. „Da kann man schon mal „Smoke on the water“ von Deep Purple aufdrehen, ohne dass sich jemand beschwert. Das befreit…“