Zuhause bei… Manfred Webel, Paderborner Künstler, der sicher ist: „Kunst kann viel!“

„Hereinspaziert, hier arbeite ich“: Manfred Webel hat sich einen Übersee-Container bauen lassen, mit dem er seine Kunst zu den Menschen bringt. „Kunst hat unentdeckte Potentiale“, sagt er.

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Das Reich von Manfred Webel ist eckig, 6×2,30m groß, rot, mit doppeltem Boden ausgestattet. Im Ernstfall kann man es an einen Haken hängen, hochziehen und auf einen Tieflader oder auf ein Schiff verfrachten. Es handelt sich um einen Übersee-Container. Natürlich keinen gewöhnlichen!

Mobiles Zuhause mit Fußbodenheizung

Das mobile Zuhause von Manfred Webel im Balhorner Feld hat eine Fußbodenheizung und große Fenster. Entsprechend hell und gemütlich ist der Innenraum, seine Ausstattung überwiegend weiß – eine Küchenzeile mit Spülmaschine gehört dazu, in der Mitte des Wohnraums steht ein großer Tisch mit Stühlen aus Kunststoff drumherum, an der Längsseite sind Regale auf Hüfthöhe platziert, Bücher und Arbeitsmaterialien befinden sich darin, Stapel von Papier, die komplette Duden-Edition und eine weihnachtliche Metalldose, die selbstgebackene Mandelplätzchen enthält. Selbstverständlich hat Manfred Webel ein Bad in seinem Container, ebenso ein Bett. „Die Futon-Matratze lässt sich leicht zusammenfalten und in einer Ecke unauffällig verstauen“: Manfred Webels Container ist rundherum praktisch eingerichtet.

Mitnichten ist diese von knallrotem Stahl sicher umhüllte Überseebox die erste Adresse des Künstlers. Die befindet sich in einem Einfamilienhaus in der Südstadt. Dort wohnt der Autodidakt mit seiner Frau und zwei von drei Jungs. Jannik, der älteste Sohn, lebt mit seiner Familie in Holland.

Warum lässt sich ein Bildhauer einen Container bauen, mit dem er auf Reisen gehen kann? „Das ist mein Arbeitsplatz.“ Manfred Webel sagt das, als würde er von einem ganz gewöhnlichen Büro im vierten Stock eines Geschäftshauses sprechen. Dann schweigt er kurz und antwortet detailliert: „Kunst ist Kommunikation. Und wenn ich als Künstler etwas erreichen will, etwas aussagen will, mich gesellschaftlich positionieren will, muss ich mit meiner Kunst zu den Adressaten kommen. Ein Künstler, dem keiner zuhört oder zuguckt, erreicht wenig.“Manfred Webel arbeitet viel mit behinderten Kindern. Sie nutzen seine Objekte als Kugelbahn, Matschwanne, Sandspieltisch, Schaumbecken.

Die Kunst des Paderborners entfaltet ihren Ideenreichtum, indem sie benutzt wird. Sie ist integrativ und sie schafft Raum für zwischenmenschliche Interaktion. Manfred Webel ist sicher: „Kunst kann viel. Ich will ihr Potential nutzen.“

An dieser Aufgabe arbeitet er seit Jahren – beharrlich, enthusiastisch, mit wachsendem Erfolg. „Das war nicht immer so. Als Künstler muss man sich durchbeißen.“ Mittlerweile ist Manfred Webel bundesweit gefragt.

An den Brennpunkten arbeiten

Mit seinem Übersee-Container wird er zukünftig auf Reisen gehen. „Ich kann mir gut vorstellen, auf Schulhöfen oder Marktplätzen zu arbeiten. Auch an sozialen Brennpunkten“, so Webel. Die Stahlhülle des Containers wird dann aufgeklappt, der Raum, in dem er skizziert, modelliert und konzipiert, ist von außen einsehbar. „Mir gefällt die Gegensätzlichkeit der Materialien. Auf der einen Seite die Transparenz des Containers, der auch Seminarraum sein kann, auf der anderen Seite die Abgrenzung, wenn ich alle Schotten dicht mache.“
Da Webel nicht nur Künstler ist, sondern auch Familienmensch, hat er für die Zukunft ein weiteres wichtiges Projekt im Auge. „Ich will ein astreiner Großvater werden.“ Im Februar ist es soweit.