Paderborn. Ehemaliger Bürgermeister Herbert Schwiete ist laut einer Pressemitteilung der Stadt Paderborn Erfinder der „Merkelraute“.

1977: Walter Scheel neben Herbert Schwiete mit Raute in Paderborn. Aufnahmen aus anderen Jahren zeigen Schwiete ebenfalls mit Raute. Bildrechte: Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Sie ist in aller Munde und hat bereits einen eigenen Wikipedia-Eintrag: die Merkelraute.
Eine Recherche von Andreas Gaidt im Stadt- und Kreisarchiv zeigte nun einwandfrei, dass die Bundeskanzlerin mitnichten als Erfinderin dieses markanten Zeichens gelten kann, auch nicht als Initiatorin der symbolischen Handlung auf politischem Parkett. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ war jüngst zu lesen, dass dieser Verdienst Helmut Kohl zukomme; schön wär’s vielleicht gewesen, doch ist auch dies eine Fehlinformation, wenn Kohl auch Wegbereiter war. Der tatsächliche Erfinder der Raute ist nämlich der frühere Paderborner Bürgermeister Herbert Schwiete (1918-1994), wie ein Foto aus dem Jahr 1977 beweist. Am 7. Juli dieses Jahres begab sich Bundespräsident Walter Scheel zum 1200-jährigen Stadtjubiläum an die Pader. (Ihm folgte noch am selben Tag auch Königin Elizabeth II.) Auf dem Weg durch die Stadt hielt der Fotograf den entscheidenden Moment fest. Es ist aber durchaus denkbar und sogar wahrscheinlich, dass Helmut Kohl diese Geste, deren politische und symbolische Bedeutung ja weltweit diskutiert wird, bei seinem Besuch zu Libori 1986 an Schwiete bemerkt hat. Gerne wird er die bedeutungsschwere Geste kopiert haben, wenn auch anfangs nur mit mäßigem Erfolg. 

1986: Helmut Kohl übt die Rautengeste zu Libori in Paderborn, rechts Herbert Schwiete. Bildrechte: Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Zwar lässt sich diese Haltung der Hände auf Bildern bis ins Hohe Mittelalter zurückverfolgen. Entscheidend für den Ursprung der Merkelraute sind jedoch die politische Konnotation und der historische Nachweis des lückenlosen Weges, den die Geste bis zur Kanzlerin zurückgelegt hat. Der Nachweis scheint hiermit überzeugend gelungen.

Bei dieser Entdeckung geht es nun gar nicht darum, die Bedeutung Schwietes, Paderborns gar für die Deutschland-, wenn nicht für die Weltpolitik hervorzuheben. Vielmehr gehört es zu den Aufgaben jedes Archivars, frühzeitiger Legendenbildung entgegenzuwirken. Das erleichtert Journalisten und auch künftigen Historikern die Arbeit.