Paderborn. Kennzeichen eines „Projektes“ ist es, dass es einen definierten Anfang und ein festes Ende mit einem konkreten Ergebnis hat. Damit erfüllt das Projekt „Restaurierung der Glocken des Hohen Domes zu Paderborn und Erweiterung des Geläutes“ klar dieses Kriterium: Das neue, erweiterte Domgeläute soll erstmalig zum Festgottesdienst am 22. Juli 2018 zum 950. Weihetag des Imad-Domes erklingen. Doch wie kommen die neuen Glocken in den Domturm, welche Schritte sind bis dahin notwendig?

Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Domkapitular Dr. Gerhard Best und Diplom-Theologe Theo Halekotte als Beauftragte für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn, sowie Architekt Björn Erik Kastrup vom Bauamt im Erzbischöflichen Generalvikariat informierten jetzt in einem Pressegespräch über die weiteren Projekt-Schritte. „Das heutige Geläute des Paderborner Domes besteht aus sechs Gussstahlglocken im Hauptturm, die 1951 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation gegossen wurden, und zwei Zinnbronzeglocken im Dachreiter. Dem Geläute im Hauptturm kommt besonderer Denkmalwert zu, denn es handelt sich bei ihm um das erste europäische Domgeläute aus Gussstahl.“ Im Zuge der momentan erfolgenden Renovierung des Domturmes sei von vorne herein auch eine Restaurierung des Geläutes geplant gewesen. Das Paderborner Metropolitankapitel habe auf den Vorschlag von Experten hin beschlossen, das vorhandene Geläut musikalisch zu optimieren, so Dompropst Monsignore Göbel weiter. „Im Zuge der Restaurierungsarbeiten soll das vorhandene Geläute um zwei weitere Glocken ergänzt werden: Um eine neue kleine Glocke (Ton gis‘, rund 1.000 kg) als ‚Klangkrone‘ und eine neue große Glocke (Ton e, rund 13.000 kg) als ‚Klangteppich‘.“ Die neue Bass-Glocke werde das Geläute des Paderborner Domes als Mutterkirche des Erzbistums Paderborn ihrer Bedeutung entsprechend vervollständigen, aber auch das klangliche Fundament aller anderen Paderborner Glocken bilden. So „antworte” sie beispielsweise auf die Geläute der Abdinghofkirche und von St. Heinrich. Da alle Glocken mit entsprechenden Inschriften versehen seien, sei das Domgeläute ein Friedensgeläute, bei der Entstehung eine für die Menschen wichtige Botschaft, so Domkapitular Dr. Gerhard Best. „Das Geläute ist in sich ein Denkmal, das wir erhalten werden und denkmalgerecht instand setzen.“

„Ein wirklich großes Projekt“

„Unser Ziel ist es, dass die neuen Glocken im Laufe des Jahres 2017 gegossen, im Frühjahr 2018 montiert und zum Festgottesdienst am 22. Juli 2018, dem 950. Jubiläumstag des Datums der Weihe des Imad-Domes, erstmalig geläutet werden“, fasste Dompropst Monsignore Göbel zusammen. „Zunächst erfolgt die denkmalgerechte Restaurierung des vorhandenen Gussstahlgeläutes. Konkret geht es um ein gründliches Entrosten und Entschichten der gesamten Anlage mit anschließendem Neuanstrich von Glockenstuhl und Glocken“, führte der Beauftrage für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn, Domkapitular Dr. Best, aus. Damit die beiden geplanten neuen Glocken zum bestehenden Geläute dazukommen können, sei ein Umhängen der Glocken im vorhandenen Glockenstuhl erforderlich, erläuterte Architekt Björn Erik Kastrup, der vom Bauamt im Erzbischöflichen Generalvikariat diese Arbeiten begleitet.

„Nach dem erfolgten Guss der neuen Glocken wird deren Montage im Glockenstuhl und an den Fassaden des Domturms weiter vorbereitet: Auf der Nordseite (Richtung Kaiserpfalz) des Domturms befindet sich bereits das sogenannte Glockenmontagefenster, dieses wird wieder geöffnet und auf die entsprechende Größe erweitert, sodass die neuen Glocken per Autokran auf die zum Teil außenliegende Stahlkonstruktion gehoben und in die Glockenstube gezogen werden können, um dort entsprechend montiert zu werden“, erklärte Diplom-Theologe Theo Halekotte die geplanten Arbeiten.

„Ein wirklich großes Projekt. Es erfordert, dass ab jetzt die Glocken im Hauptturm schweigen, da sie vermutlich für die nächsten sechs bis acht Monate nicht mehr genutzt werden können. Wir freuen uns alle schon auf das veränderte, weil erweiterte Wiedererklingen des Geläutes“, so Dompropst Monsignore Göbel. Durch die zwei neuen Bronzeglocken in Einheit mit dem bestehenden Geläute entstehe ein „singender Kirchturm“, meinte Theo Halekotte, denn der Domturm wirke für die Glocken wie ein 20 Meter hoher Resonanzraum.