Zuhause bei… Olaf Hildebrandt, Paderborns amtierendem Schützenkönig

Olaf Hildebrandt (40) kann sich ein Leben ohne Sport und ohne Schützen nicht vorstellen. Er hat Glück: Seine Frau und seine Kinder teilen diese Interessen. Für Donata Hildebrandt gab es Blumen, nachdem ihr Mann den Adler abgeschossen hatte. Foto: Bernert

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Olaf Hildebrandt ist Sportler und Sportler wollen gewinnen. Beim 95. Schuss explodiert der Adler vor seinen Augen, zu diesem Zeitpunkt ist das Tier bereits kopflos und „locker geschossen“, wie der Kämper-Schütze sagt. „Ich habe erst gar nicht gecheckt, dass ich ihn voll erwischt habe“, lacht Hildebrandt. Doch dann kommt die komplette Kämper-Kompanie von hinten auf ihn zugelaufen, es gibt Blumen, alle gratulieren, klatschen – Paderborn hat seinen Schützenkönig.

Heißer Sommer auf dem Autoscooter

Seitdem er sieben Jahre alt ist, verbringt Olaf Hildebrandt seine Tage auf dem Schützenplatz, Vater Hagen ist seit 33 Jahren Mitglied der Kämper-Kompanie. Zusammen mit den beiden Schwestern dreht er im Sommer 1982 auf dem Autoscooter eine Runde nach der anderen: „Wir hatten danach schlimme Nackenschmerzen“, erinnert sich Hildebrandt, doch das machte nichts. Die Stimmung auf dem Schützenplatz und die Gemeinschaft dort sei einfach einmalig gewesen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist das Schützenfrühstück 1997, bei dem er sich entschließt, Mitglied bei den Kämpern zu werden. „Da fühlte ich mich zuhause“, sagt Hildebrandt, „Familie und Freunde waren sowieso ständig mit der Truppe unterwegs.“
Als führender Zeremonienmeister kennt er die Details des Schützenwesens. In dieser Funktion betreut er seine Frau, die 2007 Schützenkönigin des ersten muslimischen Schützenkönigs ist. „Sie war eine hinreißende Königin“, schwärmt er. Verliebt hatten sich die beiden bereits Anfang der neunziger Jahre. Donata war eine von den „Pelle-Mädels“, auf die die Jungs vom Reismann-Gymnasium ein Auge geworfen hatten. Als Olaf nach seinem Wehrdienst bei der Sportkompanie in Warendorf an die Paderborner Uni kommt, läuft ihm Donata über den Weg. Beide studieren Sportwissenschaften. Der Schützenkönig schmunzelt: „Ich fand sie unheimlich attraktiv, das war so ein Gefühl wie: Jetzt ist der Zeitpunkt, um zuzugreifen. Die beste Entscheidung meines Lebens!“ Die beiden heiraten, zwei Jahre später wird Mona (11) geboren, dann Fynn (8). Im Wohnzimmer stehen Fotos von den Kindern und Donata, sie lachen in die Kamera. Weil alle das Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel mögen, bleibt es gleich auf dem Esstisch stehen – neben frischen Blumen und dem Döschen für Zuckerstücke.
Es gibt noch eine große Liebe im Leben von Olaf Hildebrandt: Sport. Als er fünf Jahre alt ist, meldet sein Vater ihn im Basketball-Verein an. „Mir lag das Dribbeln“, berichtet Hildebrandt und wenig später stellen sich erste Erfolge ein. Mit der „Mini-Mannschaft“ wird der kleine Olaf Norddeutschlandmeister, perfektioniert Technik, Kondition und Stil, kommt in den Kader der Bundesliga und wird in der Saison 1988/89 Stammspieler. Er betont: „Tippi habe ich viel zu verdanken, er war mein Förderer.“

Tippi, das ist Hans-Peter Tipp. Er trainiert die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt und erkennt das Potential von Hildebrandt.

Beim Sport lernt man viel über sich selbst

„Basketball ist ein toller Sport, man lernt viel über sich selbst und über andere“, resümiert Hildebrandt und kann sich keine andere Sportart vorstellen. Außer bei seinen Kindern: Mona schwimmt, Fynn kickt.

Er selbst hat sein Hobby zum Beruf gemacht, leitet ein Gesundheitszentrum in der Nähe von Kassel. Dort bietet er unter anderem Babyschwimmen an. „Ist doch gut, wenn die Babies eine männliche Stimme hören.“ Diese Kinder werden später berichten, dass sie beim Paderborner Schützenkönig ihre ersten wichtigen Erfahrungen im Planschbecken gemacht haben: bei 33 Grad Wohlfühltemperatur.