Paderborn. Drohende Auflösung: Paderborner DPSG-Stamm St. Hedwig fehlt es an aktiven Mitgliedern.

Die junge und aufgeweckte Leitergruppe des DPSG Pfadfinderstamms St. Hedwig ist in Not und braucht Unterstützung: (v.l.) Sina Winterberg, Ingrid Rogalski, Leon Göke und Konstantin Kroschewski. Es fehlt: Kassenwart Michael Diedrich. Foto: Tobias Vorwerk

In der Kluft durch das Unterholz robben, Tierspuren erkennen, an fremden Haustüren Kekse verkaufen und im Wald zelten: Die gängigen Klischees über Pfadfinder lassen sich in wenigen Zeilen zusammenfassen. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus: Die Stämme leisten umfangreiche Jugendarbeit.

„Wir haben keine komischen Rituale“, lächelt Konstantin Kroschewski vom Paderborner DPSG Pfadfinderstamm St. Hedwig auf der Lieth. „Bei uns steht die freie Entfaltung, Demokratie und Kreativität im Vordergrund“, so Kroschewski, der zusammen mit Sina Winterberg, Ingrid Rogalski und Leon Göke die verschiedenen Pfadfindergruppen des Stammes leitet. Zu viert kümmern sie sich um 40 bis 50 Personen, organisieren wöchentliche Gruppenstunden und Wochenend- sowie Sommeraktivitäten wie beispielsweise Zeltlager. Gemeinnützige Aktionen, gemeinsames Kochen, Basteln und Spielen stehen dabei im Vordergrund. Eine Mammutaufgabe: „Viel Zeit für andere Sachen bleibt nicht übrig“, sind sich die Leiter einig.

„Wir sind wie eine Familie“

Sie alle starteten als Wölflinge, der jüngsten Gruppe im Stamm, in das Engagement als Pfadfinder. „Wir sind wie eine Familie, in der man groß geworden ist“, sagt Sina Winterberg. Umso schlimmer trifft es sie, dass die Zukunft des über 25 Jahre alten Stammes am seidenen Faden hängt. „Wenn nur zwei bis drei Leute mehr eine leitende Funktion übernehmen würden, wären wir enorm entlastet“, sagt Leon Göke, der für die wöchentlichen Treffen extra aus Bad Driburg nach Paderborn kommt. Zu viert haben die Leiter in der vergangenen Woche fast 16 Stunden gearbeitet. „Wenn wir ein paar Leute mehr hätten, dann wären das pro Person nur knapp zwei Stunden Arbeit pro Woche“, hofft Ingrid Rogalski auf neue Mitglieder.

Spaß an der Arbeit und kreative Ideen

An jungen Leuten fehle es nicht, die Wartelisten seien gefüllt, so die Leiterrunde. Alleine können die vier Schüler und Studenten den Stamm nicht am Leben halten – die Folge wäre eine Auflösung: „Wenn das passiert, dann wären alle unsere Räume weg, wir müssten die Zelte abgeben und uns entweder einen neuen Stamm suchen, oder das Pfadfindertum aufgeben“, sagt Konstantin Kroschewski. Viel schlimmer für ihn wäre aber, dass die vielen Kinder dann ohne Freizeitprogramm, Zeltlager und Gruppenstunden dastünden.
Jeder ab 18 Jahren der Lust hat, sich ehrenamtlich und kreativ in der Jugendarbeit zu engagieren, ist eingeladen den Pfadfinderstamm St. Hedwig, Auf der Lieht, kennenzulernen und eines der wöchentlichen Treffen zu unterstützen. Eventuell resultiert daraus eine neue Position als Leiter. „Man bekommt zwar kein Geld, aber es gibt einem unglaublich viel“, stimmen die vier Pfadfinder überein. Außerdem mache sich eine solche Tätigkeit ebenfalls gut im Lebenslauf. Auch ältere Personen oder Rentner, die sich engagieren wollen, seien willkommen. „Hier kann man nichts falsch machen und sich seine Zeit flexibel einteilen – das Einzige, was man mitbringen sollte, ist Spaß an der Jugendarbeit und einige kreative Ideen“, so Kroschewski abschließend. „Hier steckt von so vielen Leuten unglaublich viel Herzblut drin, es wäre schade, wenn diese Zeit ein Ende nimmt“, sagt Ingrid Rogalski. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten unter www.dpsg-sthedwig.de