Zuhause bei… Silvio Michael Pasetti, Paderborner Künstler, der im Herzen der Stadt wohnt

Silvio Michael Pasettis Name hört sich italienisch an, ist er aber nicht. Er wurde in Herne geboren und ist in Bochum aufgewachsen. Seit 35 Jahren lebt er im Raum Paderborn. Foto: Christiane Bernert

VON CHRISTIANE BERNERT

Paderborn. Das Leben von Silvio Pasetti ist so bunt wie seine Küche. „In den 70er-Jahren haben wir im Club 33 und im Café Bistro Plüsch Partys gefeiert, dass es krachte“, grinst der 57-jährige Künstler über beide Ohren, wenn er an seine wildeste Zeit denkt. Das Motto schiebt er gleich hinterher: „Hoch das Bein, die Liebe winkt.“

Silvio Passetti hat aus allem immer das Beste gemacht: Als Verkäufer von Lacken, als Büroangestellter, als Selbstständiger eines Kunstgewerbes, später als Kleinunternehmer für Haushaltsauflösungen. In den vergangenen Jahren konzentriet er sich aufs Malen, und zwar ausschließlich in Öl. Das passt zu seiner Verfassung, die ein wenig altersweise ist. „Öl ist eine langwierige Sache. Bis die Farbe trocknet sind drei Tage vorbei.“ Pasetti liebt seinen ruhigen, geregelten Tagesablauf, Hektik sucht man in seinem Hinterhof einer Paderborner Geschäftsstraße vergeblich.

Alles immer griffbereit

Sein Arbeitsplatz ist die Küche, die kaum noch als solche zu erkennen ist. Mindestens hundert Tuben und ebenso viele Pinsel liegen auf dem Tisch, eine 100 Watt Birne baumelt von der sonnengelben Decke, in seinem Rücken befindet sich der Herd. „Das ist doch ungeheuer praktisch“, sagt der Lebenskünstler, „wenn ich mir mittags etwas bruzzeln möchte, drehe ich mich einfach um.“

Dann gibt es Fleisch in Sahnesauce an Salzkartoffeln, Pfannen und Schüsseln sind auf dem Schrank platziert. In der Küche von Silvio Pasetti ist alles jederzeit griffbereit. Vor der Mikrowelle steht eine Pappkiste, darin bewahrt er Tabletten, Zettelkram und Haushaltsgummis auf, gekauft hat er die Kiste mit „feinen jungen Brechbohnen“, wie die gelbe Beschriftung auf grünem Grund verrät. Gut, dass für Rezepte und Einkaufslisten am Durchlauferhitzer Platz ist, denn die würden wahrscheinlich verloren gehen.

Eine größere Küche wünscht sich Pasetti keineswegs, dafür aber ein lichtdurchflutetes Atelier. „Ich bräuchte einen Platz, an dem ich alle Bilder komfortabel lagern kann.“ So nehmen die Werke auf der Wendeltreppe in die obere Etage einigen Raum ein, jeder Besucher hangelt sich achtsam Schritt für Schritt unter den Dachboden.

Dort macht Silvio Passeti mit einer weiteren Glühbirne, die von der Decke bis auf Nasenhöhe hängt, kurzen Prozess und rupft sie mit Schwung aus der Fassung. „Da war sowieso kein Saft drauf. Wenn ich hier mehr Platz, Licht und einen Wasseranschluss hätte, wäre der Raum ein Traum.“

So verzieht er sich in seinem Malerkittel, dem giftgrünen T-Shirt und den grauen Pantoffeln wieder in die Küche an seinen angestammten Platz. Von sich selbst sagt er, dass er Veränderungen nur noch schlecht vertragen kann. „Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ich einen isolierten Altag habe. Das ist gewissermaßen auch so. Aber ich komme gut mit mir alleine zurecht“, Passetti liebt die Ruhe morgens um fünf Uhr.

Dann schlüpft er aus seinem kombinierten Schlaf- und Wohnzimmer, stopft sich eine von etwa 50 täglichen Zigaretten und nimmt genussvoll den ersten Zug des Tages mit Blick auf seinen Innenhof. Die Idylle wäre perfekt, wenn ein Partner neben ihm sitzen und gleichfalls die aufgehende Sonne oder graue Regenwolken beobachten würde. „An Paderborn nagt der Zahn der Zeit“, findet Pasetti und lacht dabei so freundlich, dass auch ein eingefleischter Lokalpatriot nicht böse ist. Bis der Traum vom lichtdurchfluteten Atelier Wirklichkeit wird, bleibt er geduldig, wo er ist.