Zuhause bei Wladimir Jankow, der 30 Jahre lang „Mister McDonald’s“ in Paderborn war

Wladimir Jankow, der ehemalige Chef der fünf Paderborner McDonald’s-Filialen, genießt seinen Ruhestand und das Zusammensein mit Schildkröte Lea. Foto: Christiane Bernert

VON CHRISTIANE BERNERT

Hövelhof. Wladimir Jankow hat endlich mehr Zeit für seine Schildkröte: Lea findet das prima. Seit ihr Kumpel Leo nicht mehr lebt, ist sie auf die Streicheleinheiten ihres Herrchens umso mehr angewiesen. Knapp 70 Jahre ist ihr Herrchen alt und kann Lea seit Anfang Mai stundenlang am Hals kraulen: Denn seit zehn Tagen ist Wladimir Jankow Rentner. Seine fünf Paderborner McDonald’s-Filialen hat er an einen Bielefelder Kollegen verkauft. „30 Jahre lang habe ich die McDonald’s-Geschicke gelenkt. 1984 habe ich in meinen ersten Paderborner Monaten sogar im Büro in der Filiale am Königsplatz übernachtet, so viel war zu tun“, erzählt der gebürtige Bulgare. Seine Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte: Zwischen 1989 und 2007 kamen vier Filialen hinzu. Die „kranke Mutter am Königsplatz“, wie er sie selbst nennt, wird von den gesunden Töchtern an der Detmolder Straße, dem Frankfurter Weg, im Bahnhof und im Südringcenter gestützt.

Dass Wladimir Jankow anpacken kann, glaubt man ihm –wenn er mittlerweile auch ein künstliches Knie hat, den komplizierten Bruch seines Oberarms verkraften musste, mit den Folgen eines Schlaganfalls und von Tinnitus kämpft. Seine Hände sind groß und kräftig, behutsam streicht er damit über den Panzer seiner Schildkröte. „Ich bin ein Stehaufmännchen. Von meinen Wehwehchen lasse ich mich nicht unterkriegen. Mein ganzes Leben lang habe ich hart gearbeitet, Risiken nicht gescheut und aus schwierigen Phasen das Beste gemacht.“

Der Mann aus dem Osten wollte immer in den Westen. Mit 24 Jahren versucht der Sohn einer bulgarischen Fabrikarbeiterin und eines Tischlers sein Glück Richtung Türkei.

„Die Teller flogen tief“

Der sichere Job als gelernter Metallbauer und Maschinenführer in einer bulgarischen Elektrofabrik sind kein Grund zu bleiben, wo er sich unwohl fühlt. Über Dresden kommt Wladimir Jankow schließlich nach Österreich, von dort gelangt er in ein Nürnberger Flüchtlingslager. Wenige Wochen vergehen, und in der Nürnberger Bahnhofsgaststätte beginnt sein Werdegang in der Gastronomie. Wladimir Jankow lacht: „Ich konnte Salzkartoffeln kaum von Bratkartoffeln unterscheiden und habe vornehmlich nachts gearbeitet. Die Teller flogen im Bahnhof manchmal tief.“

Nach einigen Monaten fühlt er sich jeder Situation in einer Kneipe gewachsen und macht sich mit einer Bar in Fürth selbstständig, zwischen 1974 und 1984 folgen Lehrjahre als Lübecker Imbissbuden-Chef. „Anfang der 80er Jahre bekam ich das erste Mal die `Fachzeitschrift für Systemgastronomie` in die Hände – und war sprachlos.“ Bei seinem ersten Besuch einer McDonald’s-Filiale in Lübeck staunt er über die sechs Meter lange Theke, die Strohhalmhalter und den Serviettenständer, ganz zu schweigen von den Burgern und Pommes in Tüten. Das Thema lässt ihn nicht mehr los: Nach einem Jahr und zwölf Anrufen in der Zentrale wird Wladimir Jankow Franchise-Nehmer von McDonald’s, Standort Paderborn, Filiale Königsplatz.
Das Einfamilienhaus folgt, als ein Freund ihm den Tipp gibt, dass das schönste Haus in Hövelhof mit einem passablen Mindestgebot versteigert wird. Wie immer sitzt Wladimir Jankow in der ersten Reihe, wenn es darum geht, für gutes Geld das Maximum herauszuholen. „Ich besitze mittlerweile sicher mehr als die meisten Menschen, aber ich erinnere mich mein Leben lang an die härtesten Zeiten und schätze das Geld.“ Das versucht er auch, seinen drei Söhnen mit auf den Weg zu geben, die zwar alles haben können, aber nicht immer und nicht sofort. Seine Frau Cecilia ist 41 Jahre alt und zieht mit ihrem Mann an einem Strang. „Unsere Kinder lernen ein Instrument und sie sind im Sportverein. Und natürlich bekommen sie die Dinge, die für Jungs im Alter zwischen elf und 16 Jahren wichtig sind. Aber es gibt Grenzen.“

Küche ist nachts abgeschlossen

Sie ist es, die morgens aufsteht und die Kinder in die Schule schickt, außerdem darauf achtet, dass die orange Tischdecke zu den Kerzen und das Couchkissen zu den Gardinen passt. Und natürlich achtet Cecilia Jankow darauf, dass für Lea stets ein Stückchen Mango und ein Salatblatt im Kühlschrank liegen. Die Küche ist übrigens nachts abgeschlossen. Cecilia hat den Schlüssel: damit ihr Mann nicht haltlos Richtung Kühlschrank stürmt und zur Unzeit kalorienreiche Kost vertilgt. Der ehemalige Chef aller Paderborner Burger gibt freimütig zu: „Ich musste nach meinem Schlaganfall unbedingt abnehmen. Das habe ich auch geschafft: zehn Kilo! Aber wenn ich nachts wach liege und der Magen knurrt, ist es besser, der Küchenschlüssel liegt unterm Kopfkissen meiner Frau.“